Willy-Brandt-Forum in Unkel

Klaus-Henning Rosen über ehrenamtliches Engagement für das neue Museum

"Wir sind eben kein Ministerium": Klaus-Henning Rosen, hier auf Willy Brandts Abgeordnetensitz, zieht Bilanz.

Als langjähriger Leiter seines persönlichen Büros stand Klaus-Henning Rosen Willy Brandt besonders nahe; seit September ist er Vorstandsvorsitzender des Willy-Brandt-Forums in Unkel, das am 20. März 2011 eröffnet wurde. Mit Rosen sprach Annette Claus.

Vor einem Jahr wurde das Willy-Brandt-Forum mit einer großen Feier eröffnet. Wie fällt heute die Bilanz aus, sind Sie mit den Besucherzahlen zufrieden?

Klaus-Henning Rosen: Man sollte das erste Jahr, das wir gerade vollenden, nicht nur an den Besucherzahlen messen, sondern zur Kenntnis nehmen, dass das Forum zum Zeitpunkt der Eröffnung noch nicht fertig war. Es war meine erste Aufgabe, nachdem ich vor einem knappen halben Jahr zum Vorsitzenden gewählt worden war, mit dem Vorstand die letzten Arbeiten zu begleiten; eine letzte große Rechnung ist erst vor wenigen Tagen eingetrudelt. Das heißt, mir fehlte bis jetzt die Freiheit, richtig durchzustarten. Aber ich bin jetzt guter Hoffnung.

 

Wie sehen die Besucherzahlen aus?

Rosen: Ich halte mich nicht nur an die Zahlen, die einst in der Prognose gewagt wurden, die auf Vergleichen mit dem Beethovenhaus in Bonn und dem Adenauerhaus in Rhöndorf basierten. Und dann kam mal diese legendäre Zahl 12.000. Die war unter der Voraussetzung entstanden, dass wir professionelle Vollzeitkräfte für den Museumsbetrieb einsetzen. Dann hätten wir 12.000 Besucher gebraucht, um die Kosten zu decken.

 

Und wie lautet die tatsächliche Zahl?

Rosen: Nach einem Jahr werden wir jetzt bei circa 7500 liegen. Der größte Teil waren Museums-Besucher, wir hatten aber auch größere Gruppen bei Vorträgen und kleineren Präsentationen, insbesondere zum Thema Tourismus. In Zukunft wollen wir eine Mischung hinkriegen aus Dialog und Museumsbesuch.

 

Sie sind also nach einem Jahr - in dem alles ehrenamtlich gestemmt wurde - noch in einer Phase des Aufbaus.

Rosen: Aufbau trifft es nicht genau, wir müssen perfektionieren und weiter für uns werben. Ich bin aber nicht unzufrieden, weil es für mich eine erstaunliche Erfahrung war, wie Ehrenamtler einen solchen Betrieb ans Laufen bringen. Die Organisationsgrundlagen wurden bei laufendem Betrieb aufgebaut. Die Mitarbeiter haben erst selbst lernen müssen, wie man ein Museum führt.

Für mich zudem überraschend: Dass sich in einem so kleinen Ort wie Unkel mehr als zwei Dutzend Mitarbeiter gefunden haben, die ehrenamtlich mit persönlichem Einsatz und finanziellen Opfern wie Fahrgeld die Besucher betreut und geführt haben, die mit moderner Museumstechnik im Haus umgehen lernen mussten. Denen gebührt Dank. Besonders erfreulich: Es gibt neue Interessenten, die uns unterstützen möchten.

 

Hans-Peter Roller ist Ende Februar als Geschäftsführer zurückgetreten mit der Begründung, er sei mit seinen Vorstellungen professioneller Strukturen gescheitert. Könnte dieses Projekt für Ehrenamtler zu viel sein?

Rosen: Nein, es muss aber eine Mischung hergestellt werden. Zum Beispiel brauche ich einen professionellen IT-Berater, den haben wir inzwischen. Die Wartung des Museums muss professionell sein. Und ich muss auch sehen, wie ich für Museumsgestaltung, Bibliotheksarbeiten zusätzliche Kräfte finde, diese aber womöglich auf ehrenamtlicher Basis. Wir sind eben kein Ministerium oder Handelsbetrieb mit Weisungen von oben, jeder muss sich hier einbringen können. Mein Eindruck ist, das klappt gut; bei den Ehrenamtlichen sind auch noch verborgene Schätze zu heben.

 

Ihre Pläne für die Zukunft?

Rosen: Mehr Wechselausstellungen, Vorträge und Seminare, auch in Kooperation mit Unkel und der Region.

 

Welches Ausstellungsstück hätte wohl Willy Brandt am besten gefallen?

Rosen: Ein persönliches Stück: Brigitte Seebacher-Brandt hat uns zur Eröffnung einen Armreif übergeben, den Willy Brandt ihr nach der Befreiung der Geiseln 1990 im Irak von dort mitgebracht hatte. Ich glaube, auch das Arbeitszimmer als Kern des Museums hätte ihm gefallen. Und sein alter Sitz Nummer fünf aus dem Bundestag.

Zur Person

Klaus-Henning Rosen (73) ist seit vergangenem September Vorstandsvorsitzender des Willy-Brandt-Forums in Unkel. Der Volljurist und frühere Richter und Staatsanwalt war von 1976 bis 1989 Leiter von Willy Brandts persönlichem Büro. Danach wechselte er ins Bundesinnenministerium, zuletzt war er dort Abteilungsleiter. Rosen ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und lebt in Rheinbreitbach. Der Sozialdemokrat ist Mitglied im Rat der Verbandsgemeinde Unkel.