Klares Unentschieden zwischen "Ö" und "Oe"

Ölberg oder Oelberg? An der Schreibweise des höchsten Siebengebirgsgipfels scheiden sich die Geister - Vor fünf Jahrhunderten hieß die Erhebung noch Mahlberg

Siebengebirge. Mit seinen 460 Metern ist der Oelberg die höchste Erhebung des Siebengebirges, und auf dem Gipfel gibt es eine hervorragende Küche. So weit, so unstrittig. Aber, woher stammt eigentlich der Name des Berges, und vor allem: Wie schreibt man ihn denn nun korrekt?

Ein Blick auf die Wegbeschilderung genügt, um bei der Schreibweise gewisse Diskrepanzen auszumachen: So ergibt sich im Stadtbild - auf Straßenschildern, Wegweisern, Briefköpfen und Speisekarten - ein munteres Wechselspiel aus der Variante "Ö" und ihrer Alternative "Oe", bei dem ein "Sieger" nicht so recht auszumachen ist: Vielmehr steht es unentschieden, sind doch beide Formen etwa gleich häufig in Königswinter anzutreffen.

Nicht weniger problematisch als die Frage, welche der beiden Schreibweisen denn nun die Richtige ist, gestaltete sich stets die Forschung nach dem Ursprung des Namens. Der nämlich wird zwar allzuoft missverstanden, hat entgegen entsprechender Mutmaßungen aber weder etwas mit Jerusalem, noch etwas mit dem Öl der Scheichs zu tun.

Verbreitet war statt dessen lange Zeit die Theorie, dass der Name des Berges auf seinen Status als höchster Gipfel im ehemaligen Gerichts- und Verwaltungsbezirk Auelgau (auch Ohlgau) zurückzuführen ist. Einen tragfähigen Beleg für die frühere Bezeichnung als "Auelberg" gibt es indes nicht. Vermutlich trägt kein Geringerer als der Dichter Ernst-Moritz Arndt eine "Mitschuld" an der vermeintlich plausiblen etymologischen Deutung.

Der Bonner Professor für Geschichte hatte nämlich 1843 in einem Aufsatz über den Oelberg geschrieben: "Ich habe den höchsten Berg, eben weil ich im Mittelalter hier den Auelgau finde, ohne Umstände den Auelberg genannt". Für den Historiker war das Bestimmungswort "Oel" identisch mit dem Wort "Auel". Nachfolgende Generationen hielten Arndts Deutung, dass der Oelberg früher einmal Auelberg geheißen habe, für plausibel.

Und so wundert es nicht, dass in den meisten Siebengebirgsbüchern und Wanderführern genau diese Erklärung abgegeben wird. Weitaus älter als der forsche Trugschluss Ernst-Moritz Arndts sind die Quellen, die sich in alten Urkunden und Akten zu den Gewann-Namen im Siebengebirge finden. Und siehe da: Einen "Oelberg" sucht man dort bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts ebenso vergebens wie einen "Auelberg".

Erst dann erscheint der Name "Oelberg", übrigens stets mit "oe" geschrieben und erst am Ende des 18. Jahrhunderts mit der Schreibweise "ö". Identisch ist der Berg mit einem "Maelberg", der andernorts auch "Mahlberg" oder "Mohlberg" heißt. Das "Mal" dürfte Hinweis auf ein markantes Zeichen sein, welches der Oelberg ja auch heute noch zweifellos darstellt.

Erstmals erwähnt wurde der Gipfel in einem Verpfändungsprotokoll von 1407, in dem es heißt: "an dem Maelberg geleygen". Ausgesprochen wurde der Mahlberg wie "Mohlberg", oftmals mit der Präposition "am" oder "beim" oder "aufm" versehen. Und weil aus diesem Grunde das "M" am Anfang des Bergnamens nicht mehr hörbar war, wurde aus dem "Mohlberg" mit der Zeit der "Ohlberg".

Das gedehnte, offene "o" wurde schließlich in der Schrift durch ein Dehnungs-e wiedergegeben, das von Fremden wie eben jenes "Ö" gelesen wurde, das mit seinen Pünktchen heute manchen Wegweiser schmückt. So also wurde aus dem Mahlberg über fünf Jahrhunderte der Ölberg. Eingehend nachzulesen ist die begriffliche Metamorphose übrigens in einem Aufsatz von Theo Hardenberg.

Sein Beitrag "Zur Geschichte des Ölbergs und seiner Steinbrüche" erschien 1986 in dem Sammelband "Streiflichter aus dem Siebengebirge", herausgegeben vom Heimatverein Siebengebirge.