"Kinder bedankten sich für Züchtigungen"

Schwere Vorwürfe gegen Leiter der Bonner Universitäts Bibel Freundschaft Peter Chang - Jugendamt sieht "noch keinen Handlungsbedarf" - Anhörung Changs vor Staatsanwalt

Bonn. Sie verbrachten ihre Zeit meistens allein in einem Dachzimmer, mussten nach der Schule erst einmal mit knurrendem Magen Hausaufgaben machen, bevor sie die Reste der Erwachsenen zu essen bekamen, und für ihre Züchtigung mit Stockschlägen hatten sie sogar noch dankbar zu sein.

Michael Küsters, 25 und Student in Bonn, war drei Jahre lang Mitglied der Bonner Universitäts Bibel Freundschaft (UBF) und erhebt schwere Vorwürfe gegen deren Leiter, den Koreaner Peter Chang.

"Er leitet keine Glaubensgemeinschaft, sondern betreibt einen Personenkult", sagt Küsters. Mitglieder der so genannten UBF-Reform bezeichnen ihn als "Satan", der Unheil über die UBF gebracht habe, wie im Internet unter " www.voy.com/60734" zu lesen ist. Auf den Web-Seiten der UBF-Reform finden sich erschütternde Berichte über die Zustände in der Bonner UBF.

Wie berichtet, wurde die Staatsanwaltschaft im Oktober 2001 aktiv und ermittelt gegen Chang wegen des Verdachts der Körperverletzung. Vor allem Kinder sollen unter seinen brutalen Erziehungsmethoden leiden.

Küsters: "Die Pflicht der Eltern war, den Willen ihrer Kinder zu brechen, damit sie Gehorsam lernen. »Die Kinder brauchen das«, sagte Chang, den alle Kinder Opa nannten."

Wer sich zu viel um seine Kinder kümmerte, galt als familienzentriert und musste Buße tun. Küsters: "»Gott kümmert sich um unsere Kinder«, hieß es." Changs eigene Söhne hätten sich im UBF-Kreis sogar für Züchtigungen bedankt.

Michael Küsters gehört zu den wenigen Aussteigern, die offen und schonungslos Kritik an den Methoden der Bonner UBF üben. Andere sind da ängstlicher: Da fast alle Frauen Chang hörig seien, steckten kritik- und aussteigewillige Väter "in einer schweren Bredouille".

Wenn sie Peter Chang öffentlich kritisieren, drohe ihnen der »Knecht Gottes«, wie sich Chang nennt, dass sich die Frauen von ihnen scheiden ließen. Denn UBF-Mitglieder führten keine normalen Ehen, sondern "sollen den Knecht Gottes mehr lieben als den eigenen Mann/die eigene Frau".

Peter Chang, der sich auch schon mal "Gott" hat nennen lassen, wie ein anderes UBF-Mitglied im Internet schildert, ist ein kleiner, rundlicher Mann, der auf Neueinsteiger zunächst einen sehr gemütlichen Eindruck mache, so Küsters.

Chang habe Pharmazie studiert und stamme aus Korea, "was sicher ein Grund für seine Züchtigungsmethoden ist". Doch selbst in Korea sei die Prügelstrafe vor zwei Jahren abgeschafft worden.

Das Jugendamt ist noch nicht eingeschritten, obwohl Kindergärtnerinnen, die UBF-Kinder betreuen, der Stadt Meldung gemacht haben. "Bislang sieht man im Jugendamt aber keinen Handlungsbedarf", so eine Sprecherin der Stadt.

Allerdings stehe die Stadt "in bestem Kontakt zur Staatsanwaltschaft und Kripo. Nächste Woche gibt es zudem ein Gespräch mit dem Kindergarten."

Im Internet ermutigt ein Verfasser vor allem die Frauen der Bonner UBF: "Bitte geht zur Polizei und erzählt eure Geschichte." Doch die Ergebung gegenüber Chang ist groß.

Nicht zuletzt, weil "er sich", so Küsters, "von jedem Mitglied versprechen lässt, dass es den Hals für ihn hinhält, auch wenn es um Fälle geht, in denen Chang selbst mit dem Gesetz in Konflikt gerät".

Der Student hat einmal miterlebt, wie Mitglieder ein schriftliches Treuegelöbnis vor der Eheschließung vorgetragen hätten. Die Staatsanwaltschaft wird bald Peter Chang zu den Vorwürfen anhören. Chang selbst ist telefonisch nicht zu erreichen, sein Anwalt zurzeit im Urlaub.