Keiner will den Jugendhof kaufen

Verwunschen ist er, aber alles andere als ein Schloss. Für den Jugendhof Rheinland am Fuße des Petersbergs wird bereits seit dem Jahr 2004 ein Käufer gesucht. Bisher vergeblich.

Oberdollendorf. Verwunschen ist er, aber alles andere als ein Schloss. Für den Jugendhof Rheinland am Fuße des Petersbergs wird bereits seit dem Jahr 2004 ein Käufer gesucht. Bisher vergeblich.

Damals hatte der Landschaftsausschuss der Landschaftsversammlung den schnellstmöglichen Verkauf der Tagungsstätte des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) in Niederdollendorf beschlossen. Der LVR hatte dies empfohlen, nachdem das jährliche Defizit einschließlich der Kosten für Abschreibungen und Schuldzinsen auf rund 700 000 Euro angewachsen war. Auch die Intervention von Landrat Frithjof Kühn und Königswinters Bürgermeister Peter Wirtz änderte nichts an der Verkaufsabsicht.

"Es gibt eine Handvoll ernsthafter Interessenten", sagte der damalige LVR-Pressesprecher Achim Hermes vor mehr als sechs Jahren. Doch bis heute ist aus dem Interesse nicht mehr geworden. "Das Gebäude- und Liegenschaftsmanagement des Landschaftsverbands führt seit kurzem Verhandlungen mit einer privaten Investorengruppe und weiteren Interessenten.

Der Ausgang ist offen", teilte Till Döring von der Pressestelle dieser Tage auf Anfrage mit. Die Gespräche seien einigermaßen konkret, aber dies sei ja schon oft der Fall gewesen. "Daraus kann man nicht schließen, dass es dieses Mal klappt", so Döring.

Nach GA-Informationen soll es sich bei einem der Interessenten um eine Einrichtung für ganzheitliche Beratung handeln. Unter dem Motto "Reisen zur Quelle" bezeichnet diese sich selbst als "Praxis für Wesentliches", deren Angebote von "Reisen zum Seelengrund" über Hypnose-Coaching bis zur lösungsorientierten Lebens- und Unternehmensberatung reichen.

Die Geschichte früherer Verhandlungen ist eine Geschichte des Scheiterns. Im November 2008 platzte ein Notartermin mit einem Investor aus dem Dienstleistungsbereich, der laut Döring im letzten Moment einen Rückzieher machte. Im Juni 2009 trat dann ein privater Investor nach langen Verhandlungen von seinem Kaufangebot zurück, weil die laufenden Betriebs- und Unterhaltungskosten ihm zu hoch waren.

Auch im vergangenen Jahr gab es vielversprechende Verhandlungen mit einem Jugendherbergsunternehmen aus Österreich. Doch auch diese führten letztlich zu keiner Kaufentscheidung. Dabei waren Stadtverwaltung und Tourismus GmbH von diesem Vorhaben besonders angetan, weil das geplante Jugendfamiliengästehaus gut in ihr Tourismuskonzept gepasst hätte. Den Betriebskostenzuschuss, den das Unternehmen von der Stadt gefordert hatte, wollte man allerdings nicht bezahlen.

Als Problem stellte sich bisher auch immer wieder heraus, dass Investoren auf dem Gelände des Jugendhofs nicht so bauen können, wie sie das gerne machen würden.

So wird der Jugendhof Rheinland seit vielen Jahren praktisch kaum mehr genutzt. "Es gibt sporadische und kleine Nutzungen in einzelnen Gebäudeteilen", sagt Döring. So dient der Jugendhof gelegentlich als Bühne für kulturelle Veranstaltungen. Zuletzt sahen im Frühjahr rund tausend Besucher die neun Aufführungen der Komödie "Et jruuße Loos" der Niederdollendorfer Sproch- und Spelljrupp.