Kein Tatverdacht gegen UBF-Leiter

Bonner Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen eingestellt - Vermutungen und Verjährungen

Bonn. (val) Er soll Kinder gezüchtigt, Frauen zu sexuellen Handlungen genötigt und von Mitgliedern seiner Glaubensgemeinschaft hohe Summen erpresst haben. Die Staatsanwaltschaft wurde nach einer Anzeige gegen den Leiter der Bonner Universitäts Bibel Freundschaft (UBF), Peter Chang, wie berichtet, aktiv und nahm Ermittlungen gegen den in Bonn lebenden Koreaner auf.

Mitglieder und Ehemalige der als christlich-fundamentalistisch geltenden UBF sagten aus - doch entweder blieb es bei Vermutungen, oder aber mögliche Taten Changs sind mittlerweile verjährt, sagte Oberstaatsanwalt Fred Apostel dem GA: "Insgesamt gibt es keinen hinreichenden Tatverdacht", die Ermittlungen seien deshalb eingestellt.

Apostel wie auch der Sektenbeauftragte der Evangelischen Kirche im Rheinland, Andrew Schäfer, haben beobachtet, dass es um Chang seit der Berichterstattung ruhig geworden ist: "Auffälligkeiten sind nach mir bekannten Berichten nicht mehr in der gleichen Weise beobachtet worden", sagt Schäfer. "Wenn das stimmt, ist das positiv zu bewerten." Auch das Jugendamt und die städtischen Erzieherinnen haben bei Kindern von UBFlern nichts Auffälliges mehr festgestellt, bestätigt das Presseamt.

Ein ehemaliges Mitglied, das dem GA von autoritären Praktiken des "Knechtes Gottes" (Chang über sich selbst) berichtet hatte, vermutet, dass die UBF-Zentrale in Chicago "dafür gesorgt hat, dass die Bonner UBF aus dem Kreuzfeuer der Kritik herauskommt".

Zeugen hatten der Staatsanwaltschaft berichtet, dass Chang erwachsene Mitglieder nur nach deren Einwilligung mit Stockschlägen auf die Hand züchtigte: "Sie sprachen von freiwilliger Buße", so Apostel. Zweimal sei das wohl unfreiwillig geschehen. Diese Fälle seien jedoch ebenso verjährt wie der Fall eines Jungen, dem Chang 1995 vier Stunden lang auf die Füße geschlagen haben soll.

Andere Fälle von Kindeszüchtigung sind laut Apostel ebenso zweifelhaft wie die im Internet behauptete Nötigung zu sexuellen Handlungen von weiblichen Mitgliedern. Vorwürfe, Chang habe Mitgliedern "Geldopfern" abgenötigt und sich selbst ein schönes Leben als Leiter der UBF gemacht, konnten auch nicht erhärtet werden. Laut Apostel seien solche Opfer für Sekten jedoch nichts Ungewöhnliches.