Kappes: Das gibt es nur im Rheinland

Der Kappes gilt sehr zu recht als ein typisch rheinisches Wort. Denn es gibt ihn tatsächlich nur hier im Rheinland (und im angrenzenden Westfalen), überall sonst heißt es "Weißkohl" oder "Kraut".

Kappes ist also ein exklusives, aber gleichzeitig auch sehr interessantes Wort. Denn man kann ihn essen, erzählen oder hinhalten. Zuerst einmal gibt es ihn natürlich als wiise, ruude oder suure Kappes, nicht zu vergessen das Poppeköchekäppesje (Rosenkohl), von dem in dieser Serie schon die Rede war.

Damit sind die verschiedenen Varianten des Kohls gemeint, der die Erwerbsgrundlage für die Kappesbuure im Vorgebirge ist. Der Name ist über das Frühromanische aus dem Lateinischen entlehnt, dort ist "caput" das Haupt oder der Kopf, weshalb die Bezeichnung Kappeskopp eigentlich doppeltgemoppelt ist.

Das erklärt aber auch, wieso man beim Fußballspielen den Kappes bei einer Flanke zum Kopfball hinhalten kann. Im Alt- und Mittelhochdeutschen war "kabuz/kappuz" einmal weit verbreitet, nur im Rheinland hat das alte Wort in der Mundart und in der Umgangssprache also eine Heimstatt gefunden.

Aber wieso kann man Kappes nicht nur essen, sondern auch erzählen? Dazu muss man wissen, dass im Rotwelschen, der alten deutschen Gaunersprache, das Wort Kohl die Bedeutung "Unsinn, Scherz, sinnloses Gerede" hat, was wiederum auf eine jiddisch/hebräische Wurzel zurückgeht.

Wir finden die noch im Verb verkohlen. Da aber der Kohl im Rheinland nun mal Kappes heißt, hat man hier unter dem Einfluss des Rotwelschen den Unsinn zum Kappes gemacht, eine Bedeutung, die der rheinische Kohl ursprünglich gar nicht hatte. Un dat is wirklich kein Kappes!

Info

In der Serie "Sprechen Sie Rheinisch?!" erläutern Sprachwissenschaftler des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte drei Mal wöchentlich die Herkunft und Bedeutung interessanter rheinischer Begriffe. Haben auch Sie ein Lieblingswort, dann mailen Sie uns an rheinisch@ga-bonn.de