Kaisers Unvollendeter überlebte dessen Imperium

Noch neun Tage bis zur Sprengung - Das erste Kapitel der unendlichen Geschichte schrieben Troisdorfs Stadtväter 1970 - Die Politiker begeisterten die Pläne des Kölner Baulöwen

Troisdorf. Er ist ein Bau der Superlative, Kontroversen und Kuriositäten, der Skandale, Pleiten und Pannen. Er ging sogar in die Literatur ein und sorgte für Gesprächsstoff auf diplomatische Ebene: der Kaiserbau an der Flughafen-Autobahn. Nach dem 13. Mai wird der Betonriese, der ein Stück Troisdorfer Geschichte ist, selbst Geschichte sein.

Genau an diesem Tag vor 29 Jahren berichtete der General-Anzeiger über eine denkwürdige Pressekonferenz im Sieglarer Rathaus. Dort hatten der Kölner Baulöwe Franz Kaiser, Stadtdirektor Heinz-Bernward Gerhardus, Bürgermeister Josef Ludwig und einige andere Honoratioren ein Projekt der Superlative vorgestellt. In Troisdorf sollte mit dem "Airport-Hotel" die zweitgrößte Herberge der Bundesrepublik und die größte in Westdeutschland entstehen. Zwanzig Stockwerke und 60 Meter hoch, 74 Meter lang, mehr als 500 Zimmer, 1 200 Betten, ein Swimmingpool auf dem Dach und ein Baupreis von 45 Millionen Mark - das waren 1972 die Fakten, die alle Beteiligten jubilieren ließen.

"Troisdorf wird um eine Attraktion reicher", hatte Ludwig sich gefreut. Die Nähe zum Flughafen, zur Domstadt und zur aufstrebenden Bundeshauptstadt Bonn sollte die Gäste scharenweise ins Luxus-Hotel locken. Doch daraus wurde nichts. Das Haus füllte sich nie mit Leben. Es blieb Kaisers Unvollendeter.

Vertrag mit Frist

Stattdessen entwickelte sich in den Folgejahren ein Wirtschafts-Krimi, beschäftigten Bauherr Kaiser und die Stadt Troisdorf jahrelang die Gerichte. Alle Versuche, Investoren für die Vollendung des Baus zu finden, schlugen fehl. Wäre nicht der umtriebige und exzentrische Kölner HA Schult gekommen und hätte das Betongerippe zumindest vorübergehend in sein Kunstwerk "Hotel Europa" verwandelt, hätten Sprengstoff-Spezialisten die Ruine bereits vor drei, vier Jahren pulverisiert.

Ihren Anfang nahm die einzigartige Geschichte um eine Baupleite 1970. Franz Kaiser schwamm mit seinem Imperium auf einer Welle des Erfolges und beglückte das Rheinland mit einer stattlichen Anzahl Wohnsiedlungen und etlichen Hochhäusern. In Menden entstand ein 15 Stockwerke hohes Wohnsilo, das heute noch das Ortsbild dominiert. In Troisdorf baute er am Ursulaplatz und an der Adolf-Friedrich-Straße achtstöckige Wohn- und Geschäftshäuser und in Oberlar einen Bürobau, in dem zuerst die Verwaltung von Dynamit Nobel, dann das Berufsbildungszentrum untergebracht waren und heute die Deutschland-Zentrale des Frachtunternehmens TNT logiert. Zudem hatte sich Kaiser an der Ecke Frankfurter Straße/Siebengebirgsallee ein großes Areal gesichert, auf dem er ebenfalls ein Hochhaus errichten wollte. Doch dieses Projekt kam über eine unschöne Baugrube - lange als "Kaiserloch" bekannt - nie hinaus. Dort steht heute ein Möbelhaus.

1970 rannte Kaiser im Rathaus offene Türen ein, als er seinen Plan für das gigantische "Airport-Hotel" vorlegte. Politiker und Verwaltungsleute hatten allerdings auch mächtig um Kaiser geworben, war doch ein erster Anlauf, das Areal zu vermarkten, wie eine Seifenblase zerplatzt. Der Investor hatte sich als windiger Luftikus entpuppt. Kaiser und Stadt waren sich schnell einig. Am 15. Dezember 1970 wurde der Kaufvertrag unterschrieben, wechselte das 34 000 Quadratmeter große Grundstück am Rotter See für 655 000 Mark den Besitzer. Eine Klausel im Vertrag besagte, dass Kaiser den Hotelbau binnen zwei Jahren zu errichten habe.

Trotz dieser Vorgabe tat sich erst einmal gar nichts an der Uckendorfer Straße. Erst im Mai 1972 wurde das Projekt mit großem Getöse der Öffentlichkeit präsentiert. Und als die im Vertrag vorgegebene Baufrist im Dezember 1972 verstrichen war, hatte sich immer noch nichts getan. Allerdings hatte die Stadt dem Unternehmer das Grundstück auch erst zu diesem Zeitpunkt überschrieben - und einen Bebauungsplan gab es noch nicht.

1973 rückten die Bauarbeiter an, zogen bis Mai 1974 die ersten 13 der 20 Etagen in die Höhe. Für den folgenden Herbst hatte Kaiser das Richtfest angekündigt und Anfang 1975 sollte das Luxus-Hotel fertig sein. Doch statt den Richtkranz aufzuziehen, zogen Maurer und Poliere erst einmal für einige Monate ab. Sie kehrten zurück, vollendeten den Rohbau - und zogen 1975 wieder ab. Dann kehrte endgültig Ruhe an der Flughafen-Autobahn ein.

Banken drehen Hahn zu

Zurück blieben rostende Kräne und Baumaschinen. Franz Kaisers Imperium geriet ins Trudeln. Ölkrise, Rezession und das Ende des Baubooms setzten der Kaiser-Bau KG mächtig zu. Verträge und Projekte platzten, und die Banken drehten ihm die Geldhähne zu. 1976 stand Kaiser das Wasser bis zum Hals. Gleich reihenweise wurden seine Objekte zwangsversteigert. Der damals von der DN genutzte Bürobau in Oberlar ging für 5,3 Millionen Mark an die Hypothekenbank in Hannover. Binnen weniger Monate kamen Kaiser-Objekte in Köln und im Kreis für mehr als 40 Millionen Mark unter den Hammer. Kaiser damals: "Das hätte ich mir in meinen schwärzesten Träumen so nicht ausgemalt." Und dennoch war er zuversichtlich. Sein Airport-Hotel werde auf jeden Fall weiter gebaut.