Kaffeefahrt endet vorzeitig in Bornheim

Polizei und Ordnungsamt werden im Waldorfer "Dorfbrunnen" tätig. Um 14.08 Uhr ist der Spuk zu Ende. 24 ältere Leute aus Aachen und Umgebung verlassen das Restaurant durch den Hinterausgang und steigen in den Bus, der sie wieder nach Hause bringt.

Bornheim-Waldorf. Um 14.08 Uhr ist der Spuk zu Ende. 24 ältere Leute aus Aachen und Umgebung verlassen das Waldorfer Restaurant "Zum Dorfbrunnen" durch den Hinterausgang und steigen in den Bus, der sie wieder nach Hause bringt. Das vorzeitige Ende einer Kaffeefahrt.

Drei Minuten zuvor hatte Helmut Sistig vom Ordnungsamt der Stadt Bornheim mit einer Kollegin der Veranstaltung einen Besuch abgestattet, nachdem gegen 12.30 Uhr bereits die Polizei da war und die Personalien der drei Verkäufer und die vieler Teilnehmer als Zeugen aufgenommen hatte.

Die Leute vom Ordnungsamt, die vom pensionierten Polizeihauptkommissar und selbsternannten "Ganoven-Jäger" Hermann Kipnowski aus Aachen gegen 11 Uhr alarmiert worden waren, mussten die Veranstaltung aber nicht beenden. Das hatten die Verkäufer wenige Minuten zuvor bereits selbst erledigt. "Die haben nämlich nix verkauft. Das war alles Schwindel", sagte eine 79-jährige Teilnehmerin.

Der Veranstalter nennt sich "Jensen-Weise-Feldhaus Finanzdienstleistungen", Firmensitz angeblich Emstek im Landkreis Cloppenburg. Ein "Paul Gerhard Jensen" verspricht im Anschreiben, allen Geschädigten von Gewinnmitteilungen nachträglich ein Restguthaben von 970,04 Euro zu übergeben. "Unser Auftrag ist es, für Ihr Recht zu kämpfen", höhnt der Unterzeichner.

Von dem versprochenen Geld sah niemand der 24 Teilnehmer, die genervt und erschöpft (Start der Fahrt war um 5.35 Uhr) den "Dorfbrunnen" verließen, auch nur einen Cent. Statt dessen hatte der Verkäufer "Steffen" versucht, den Senioren das Nahrungsergänzungsmittel "Noni", das so ziemlich gegen alle Gebrechen des Alters helfen soll, anzudrehen. Die Wirkung einer Dreimonatskur (zwölf Flaschen) mit dem Wunderelexier soll fünf Jahre anhalten und 2 298 Euro kosten. Außerdem im Angebot: Töpfe aus Solingen und Schmuck aus Pforzheim.

Bürgermeister Wolfgang Henseler sind die Verkaufsveranstaltungen in seiner Stadt, bei denen meist ältere Leute betrogen werden, ein Dorn im Auge. Er sagt aber auch, der Stadt seien die Hände gebunden, wenn es sich um nicht-deutsche Firmen aus der EU handele. Die müssten ihre Verkaufsveranstaltungen nämlich nicht anmelden, wenn sie nur vorübergehend an einem Ort tätig seien. Bei ihnen greife die Gewerbeordnung nicht, die Stadt habe keine Handhabe zur Kontrolle. In Waldorf sei eine in England gemeldete Firma tätig gewesen, also nicht die Firma, die im Anschreiben genannt worden war.

Henseler: "Ich empfehle unseren Gastronomen, ihr Geld anders zu verdienen. Aber auch die sind in einem Dilemma, nehmen das Geld gerne mit." Die Stadt werde trotz "hohen Aufwands" die Verkaufsveranstaltungen kontrollieren, von denen sie erfahre.