Kabarettistin Barbara Ruscher erinnert sich an ihre Schulzeit in Rheinbach

"Wenn man nicht daher käme, könnte man glatt dahin ziehen" - Kabarett fördert die Durchblutung

Rheinbach. Wenn man in Rheinbach aufgewachsen ist, muss man nicht Kabarettistin werden. Kann man aber. Und das sogar mit besonders großem Erfolg. Wie Barbara Ruscher. In knapp zehn Jahren hat die 38-Jährige es geschafft: bundesweite Auftritte auf kleinen und großen Bühnen, in Fernsehen und Radio, mit eigenen Programmen und mit Auftritten mit der ersten Garde von Piet Klocke über Dieter Nuhr bis Anka Zink. Jetzt erscheint ihr neues Programm "Nackig! - Der Kampf ums letzte Hemd" auf CD.

Wenn sie von ihrer Herkunft sagt "Rheinland. Kälte. Karneval. Das prägt", meint sie damit nicht, dass sie mit dieser Prägung zwangsläufig Kabarettistin werden musste. "Ich beziehe das auf etwas, das ich das ,rheinische Herz' nenne. Auch wenn ich kein rheinisches Kabarett mache, habe ich dieses rheinische Heimatgefühl. Wenn ich aus Norddeutschland oder Bayern zurück komme ins Rheinland, fühle ich mich zu Hause, wenn ich den Dialekt höre - er ist zwar nicht schön, aber schön eigen", sagt sie.

Heute lebt sie zwar in Köln, die Verbindung zu Rheinbach hält sie aber weiter, durch die Familie und auch durch Freunde, die hier ab und an zusammen kommen. "Ich finde Rheinbach noch immer klasse. Wenn ich nicht daher käme, könnte man glatt dahin ziehen. Hier bin ich zur Schule gegangen, habe 1988 mein Abitur am Städtischen Gymnasium gemacht und 13 Jahre lang Unterricht an der Musikschule gehabt. Dort bin ich oft zu früh hingegangen, hab mich in den Flur gesetzt, und aus allen Räumen klang Musik. Hier ein Klavier, dort ein Blockflöten-Oktett mit Triangel-Feature, so ne Art musikalische Paella, das gefiel mir", erzählt sie.

Die Musik brachte sie letztlich auch auf die Kabarettbühne. Neben dem Lehramtsstudium in Musik und Germanistik, verdiente sie sich etwas Geld mit der Begleitung von Kabarettisten auf dem Piano. Als sie dann bald deren Shows mit ihrem eigenen Witz und Charme ergänzte, wurde sie ermutigt, doch selbst einmal Stücke zu schreiben. Und so entwickelte sie ein Programm, das spontan zum Erfolg wurde.

Barbara Ruscher entschied sich, dem Lehrerberuf ade zu sagen und ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen. Allerdings sagt sie noch heute von ihrem Referendariat: "Das ist wie eine Ausbildung für die Bühne. Hier wie dort muss man sich behaupten, spontan und angemessen agieren, auf Zwischenrufe reagieren. Ich war damals an einer Haupt- und einer Realschule.

Das war schon eine harte Schule nach dem behüteten Studium." Ihre Programme entwickelt sie selbst und schreibt auch die Musikstücke und Texte eigenständig. Absurde ebenso wie Standup-Nummern, Gereimtes und Musikstücke - in ihrem neuen Programm ist alles enthalten. "Nackig! Der Kampf ums letzte Hemd" entspringt eigener Erfahrung und Beobachtung, die künstlerisch verfremdet und überspitzt wird. Besagter Kampf zieht sich durch alle Lebensbereiche wie Beruf, Religion, Freizeit und Beziehung.

Barbara Ruscher macht ihr Programm zu einem Spiegel der Gesellschaft mit absurden Zügen. Etwa in dem Gedicht "Ich habe einen Sternsinger überfahren", das sie in eine Riege mit Morgenstern und Ringelnatz stellt oder ihrem Rap über den zu dicken Hering, der nicht in die Konservendose passt, weshalb der ganze Schwarm stinksauer auf ihn ist.

Sie fragt sich aber auch, was passiert, wenn man in einer Sushi-Bar nur so zum Spaß ein Butterbrot auf das Laufband legte und guckte, wie weit das kommt oder warum Bundesgartenschauen in einem Land veranstaltet werden, in dem jeder zweite Heuschnupfen hat.

Ihre Zukunftspläne beweisen, dass sie als Kabarettistin den Beruf gefunden hat, der zu ihr passt. "Ich möchte im Prinzip erst mal einfach so weiter machen, immer wieder Programme schreiben. Die Gesellschaft verändert sich, und damit gibt es immer wieder neuen Stoff", sagt Barbara Ruscher.

Um sofort in ihrer typischen Art auf den gesundheitlichen Aspekt hinzuweisen: "Ich mache das, weil ich finde, dass Kabarett die Durchblutung fördert."

Barbara Ruscher ist mit ihrem Programm "Nackig! - Der Kampf ums letzte Hemd" auf Tour. Nach Duisburg und Moers (19.2.), spielt sie am 26. Februar im Kölner Senftöpfchen, zuvor präsentiert sie am 20. Februar Auszüge in Stefan Raabs "TV Total".