Königswinterer Jung-Unternehmer ziehen Bilanz

CJD-Schüler betreiben eine Juniorfirma - Einkauf, Marketing, Buchführung und Korrespondenz gehören zum Alltag

Königswinter.

Ihr Stundenlohn beträgt zwischen 0,45 und 0,55 Euro die Stunde. Ein Niedriglohn, der normalerweise den besten Nährboden für Unzufriedenheit und Proteste bieten würde. Nicht so bei den Mitarbeitern der Juniorfirma CJDMcPrint, allesamt Schüler der Jahrgangsstufe 10 des Jugenddorf Christophorus Gymnasiums. Mit großem Einsatz sind die 17 Geschäftsleute in den verschiedenen Bereichen der Firma tätig: Produktion, Einkauf, Buchführung, Marketing und Geschäftsführung. Nun fand im Kreativhaus des CJD die erste Aktionärsversammlung von CJDMcPrint statt. 47 Aktionäre hatten vor einem halben Jahr Anteilsscheine im Wert von je zehn Euro erworben. Ein Unternehmen, erläuterte Geschäftsführer Niklas Otzipka, sei verpflichtet, die Aktionäre über Veränderungen in der Struktur der Firma oder andere maßgebliche Wandlungen zu unterrichten. Zwar erschienen die Aktionäre nicht gerade zahlreich; doch die Anwesenden verfolgten die Ausführungen des Geschäftsführers und der Repräsentanten der einzelnen Firmenabteilungen mit großem Interesse.

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Informationen im Internet unter .

Ein bedrucktes T-Shirt kostet 12 Euro (einseitig bedruckt) beziehungsweise 15 Euro (beidseitig).

Bestellungen und Anfragen: .

In der damals neunten Klasse konnte sich der Wirtschaftskurs für die Gründung einer Juniorfirma entscheiden. Die Schüler waren fast einstimmig dafür, die ersten Schritte in die Wirtschaft zu wagen. Über das Firmenprodukt wurde abgestimmt: Die Wahl fiel auf das individuelle Bedrucken von T-Shirts. Die eigentliche Umsetzung erfolgte dann ab der Jahrgangsstufe 10. Zunächst musste sich die Königswinterer bei der Firma "Junior" mit Sitz in Köln anmelden. Anschließend teilten die Schüler ihr Unternehmen in die einzelnen Firmenbereiche auf. Nach etwa einem Monat Vorbereitung konnte Geschäftsführer Otzipka die notwendigen Unterlagen an "Junior" schicken. Seither existiert die Juniorfirma CJDMcPrint. Wilhelm Feldkötter, der Leiter des Wirtschaftskurses, sieht den pädagogischen Nutzen des Projekts: "Die Schüler eignen sich betriebswirtschaftliche Zusammenhänge eigenständig an. Der Unterricht selbst wird zwar komplexer, doch fügt er sich ideal in das Gesamtkonzept der Schule ein. Als Lehrer nimmt man sich zunehmend zurück und fungiert vor allem als Lernbegleiter beziehungsweise Berater." Niklas Otzipka hat "seine" Firma fest im Griff. Bereits 106 Stunden hat er in das Unternehmen investiert, Korrespondenz geführt, den Einsatz seiner Mitarbeiter geprüft, für den regelmäßigen Kontakt mit "Junior" in Köln gesorgt. Auch Abmahnungen hat er verschickt - Nachlässigkeiten und mangelnde Einsatzbereitschaft lässt er nicht durchgehen. Noch beschäftigt die Firma 17 Mitarbeiter. Für den Monat Februar allerdings werden fünf Schüler kündigen - sie hatten zuvor den Arbeitsaufwand unterschätzt. Bereits jetzt könnte sich Niklas Otzipka als "junger Unternehmer" bezeichnen: Wenn man nach der Firmenauflösung am Ende eines Schuljahres mehr als 50 Arbeitsstunden aufweisen kann, erwirbt man ein Zertifikat. Je besser die Buchführungsunterlagen, desto mehr Punkte erhält man. Immerhin wurde CJDMcPrint für die Junior-Messe in Remscheid Ende Januar angenommen. Darauf ist Otzipka sichtlich stolz. Mit 470 Euro Startkapital ging die Firma vor einem halben Jahr an den Start. Bislang ist man mit der Bilanz recht zufrieden. Auch die Aktionäre klopften den jungen Unternehmern anerkennend auf die Schulter. In der Pause boten die Firmenmitarbeiter den Aktionären selbst zubereitete Snacks an. Dabei bot sich Gelegenheit zum Austausch. Auch konstruktive Kritik wurde laut, von der die Jungunternehmer profitieren können.

Kurz gefragt Niklas Otzipka besucht die Jahrgangsstufe 10 des Jugenddorf Christophorus Gymnasiums. Er fungiert als Geschäftsführer der Juniorfirma CJDMcPrint. Mit ihm sprach Barbara Pikullik.

Was ist eine Juniorfirma?

Niklas Otzipka: Eine Juniorfirma ist generell nicht staatlich anerkannt. Die Juniorfirma ist dem Gesetz nach umsatzsteuerbefreit, weil der Umsatz unter 15 000 Euro jährlich liegt. Bis zu jedem 15. eines Monats schicken wir unsere Unterlagen - Buchführung, Protokolle und so weiter - an die Firma Junior in Köln. Diese Firma hält gewissermaßen die Hand über die einzelnen Juniorunternehmen.

Inwiefern haben Sie bereits von Ihrer Arbeit profitiert?

Otzipka: Auf jeden Fall können wir nun wirtschaftliche Zusammenhänge auch praktisch nachvollziehen.

Warum und wie sind Sie Geschäftsführer der Juniorfirma geworden?
Otzipka: Letztendlich wurde ich gewählt. Unser Lehrer, Wilhelm Feldkötter, hat natürlich bei der Besetzung der einzelnen Firmenbereiche auch lenkend eingegriffen. Ich selbst trage gern Verantwortung. Auch Zuverlässigkeit zählt zu meinen Stärken. Ich denke, das sind die besten Voraussetzungen für die Tätigkeit eines Geschäftsführers.

Ein Geschäftsführer braucht auch eine strenge Hand und eine gewisse Autorität. Wie handhaben Sie das?

Otzipka: Ich versuche die Balance zwischen Kooperation und starker Führung zu finden. Es wurden übrigens auch schon Abmahnungen an Mitarbeiter verschickt.

Hegen Sie schon jetzt eine Vorstellung über Ihre berufliche Zukunft?

Otzipka: Ich möchte später entweder Medizin oder ein wirtschaftliches Fach studieren. Da werde ich gewiss von meinen jetzigen Erfahrungen profitieren können.