GA-Serie "Rheinische Redensarten"

Jetz ävver Jalla

Jetzt aber schnell!

Jetzt aber schnell!

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir bedeutungstiefe Redewendungen.

Wir müssen uns an dieser Stelle einmal einem ganz besonderen sprachlichen Phänomen des Rheinischen widmen. Und zwar ist das ausnahmsweise mal kein Griff in die Mottenkiste, sondern eine ganz aktuelle Entwicklung. Wir hatten schon verschiedentlich festgestellt, dass die rheinische Umgangssprache sehr empfänglich ist für Impulse von außen.

So sind im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Wörter aus anderen Sprachen eingewandert. Und zwar ganz besonders dann, wenn es eine räumliche Nähe dazu gab. So sind bis heute alte römische Begriffe nachweisbar, die aus der Besatzungszeit der alten Römer nach der Zeitenwende datieren. Ähnlich verhält es sich mit französischen Begriffen, die immer wieder ihre Spuren hinterlassen haben. Eine intrinsische Einwanderungsgeschichte haben Wörter aus dem jiddischen Kulturkreis und der Räubersprache.

Und diese Entwicklung der ständigen und unablässigen Veränderung der Alltagssprache ist logischerweise noch nicht zu Ende. Ja, sie wird nie an ein Ende gelangen.

Wie Georg Cornelissen, LVR-Sprachforscher, in seinen Publikationen darlegt, gibt es inzwischen sogar Zusammensetzungen von rheinischen Wörtern mit englischen Ausdrücken. Das hängt wohl damit zusammen, dass das Englische inzwischen allgegenwärtig ist und nach und nach unseren Alltag erobert hat. So kann man auf T-Shirt lesen: „Have me leev or driess dir jet“ (Hab mich lieb oder mach was Du willst). Ein örtliches Geldinstitut wirbt mit dem Slogan: Banking op Kölsch. Und zur Weihnachtszeit heißt es: X-Mas op Kölsch.

Natürlich muss es nicht immer die englische Sprache sein, die für Anleihen herhalten muss. Das beweist unsere heutige rheinische Redensart: „Jetz ävver Jalla.“

Dabei handelt es sich um eine typisch knappe Wendung, die man beinahe für reinrassig rheinisch halten könnte. Wenn da nicht das Wort „Jalla“ enthalten wäre.

Das stammt nämlich tatsächlich aus dem arabischen Sprachraum und bedeutet so viel wie „Beeilung“ oder „Los geht's“. Zusammengenommen würde die hochdeutsche Übersetzung lauten: Jetzt aber schnell.

Die Tatsache, dass der Satz mit äußerster Kargheit formuliert ist, unterstreicht noch die Forderung nach besonderer Eile. Und damit sind wir ja auch gut in der Gegenwart gelandet. Denn heute, so hat man den Eindruck, dreht sich alles immer schneller. Und darauf reagiert auch die Sprache.

Haben auch Sie einen rheinischen Lieblingsspruch, dann mailen Sie ihn uns unter rheinisch@ga-bonn.de. Die „Rheinischen Redensarten“ aus der wöchentlichen Kolumnenserie des General-Anzeigers sind als Buch erschienen und im Handel zu haben.