Mit Popmusik gegen Wildschweine

Jagdaufseher setzt auf ungewöhnliche Vergrämungsmethode

Mit dem Baum-Radio wollen Jagdaufseher Alfred Merzbach (l.)und Revierjäger Axel Schuster die Schweine vergraulen.

WACHTBERG. Für eine Wildschweinrotte ist ein fast erntereifes Maisfeld ein Art "Schlaraffenland". Darum hatten sich die Schwarzkittel zuletzt auch nicht von einem Elektrozaun abhalten lassen, den Alfred Merzbach um ein etwa vier Hektar großes Feld bei Gimmersdorf gezogen hatte.

So zu sehen an einigen verwüsteten Stellen, wo sich die Wildschweine an den Feldfrüchten delektierten. Um noch größere Schäden zu vermeiden, griff Merzbach, der Jagdaufseher für das Revier Heiderhof, Gimmersdorf und Ließem ist, zu einem ungewöhnlichen Mittel: Mit einem besonderen Radio, dass er mit Revierjäger Axel Schuster inmitten der meterhohen Maispflanzen in Stellung brachte, will er den Wildschweinen den Appetit verderben.

Immer wenn es dunkel wird und die Borstentiere auf Nahrungssuche gehen, wird auch das Radio in dem Maisfeld aktiv. Das geschieht mittels eines lichtempfindlichen Sensors und einer Zeitschaltuhr. Der Sensor sorgt dafür, dass sich das Radio bei Dämmerung automatisch einschaltet, und die Zeituhr lässt das Radio dann in Intervallen immer wieder an und ausgehen, erklärt Merzbach.

Der hofft nun mit der für Wildschweinohren ungewohnten Geräuschkulisse aus Popmusik und Verkehrsdurchsagen, die an sich scheuen Tiere zu "vergrämen". Insgesamt vier große Maisfelder rund um Gimmersdorf versuchen Merzbach und Jäger Schuster vor den Wildschweinen zu schützen.

"Zumal es hier Sauen satt gibt", betont Schuster. Und deren Hunger nach Feldfrüchten hält Alfred Merzbach in diesem Jahr für besonders groß, "weil es nicht so viele Eicheln im Wald gab". Ebenfalls eine Lieblingsspeise der Schwarzkittel. Dass es die Wildscheine jetzt in die Weizen-, Hafer und Maisfelder zieht, hat für Armin Hübinger, Jagdfachmann beim Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft, nicht nur mit dem üppigen Nahrungsangebot zu tun, "sondern vor allem mit der Deckung dort".

An einen anhaltenden Erfolg des Radios als Schutzmaßnahme, glaubt er dabei eher weniger: "Der Nutzen ist begrenzt, weil die Wildschweine sehr schnell merken, dass ihnen auf den Feldern nichts passiert. Die Tiere sind schlau."

Aber Hübinger kann trotzdem verstehen, dass Jagdaufseher als verlängerter Arm der Jagdpächter zu solchen Maßnahmen greifen: Da die Jagdpächter gegenüber den Landwirten für Wildschäden aufkommen müssen, "werden sie zu einem gewissen Aktionismus gezwungen", sagt er.

Auch wenn nach Hübingers bisherigen Erkenntnissen die Wildschwein-Populationen in Wachtberg und dem Kottenforst "nicht über die Maßen groß sind", rechnet er mit steigenden Zahlen im übrigen Gebiet des Regionalforstamtes: "Wir hatten in diesem Jahr eine geringe natürliche Sterberate und ein optimales Futterangebot." Daher könne es passieren, dass sich der Wildscheinbestand im Vergleich zum Frühjahrsbestand des Vorjahrs verdreifache.