GA-Serie "Rheinische Redensarten"

Isch künnt Troone futze

Ich könnte Tränen pupsen.

Ich könnte Tränen pupsen.

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir mit Unterstützung von Dialektsachverständigen bedeutungstiefe Redewendungen. Dieses Mal: "Isch künnt Troone futze"

Der Rheinländer ist gern gut gelaunt. Dafür sind die rheinischen Redensarten regelmäßiger Beleg. Denn sie strotzen vor Humor und Situationskomik. Es gibt da also praktisch immer wenigstens etwas zu schmunzeln. Wenn man die ausgelassene Laune allerdings noch Schritt für Schritt steigert, bis es nicht mehr geht, dann kommt folgender Spruch zum Einsatz: „Isch künnt Troone futze.“ So, wie wir es hier schreiben, ist es im Langenscheidt-Wörterbuch „Lilliput Kölsch“ verzeichnet.

Es ist also die kölsche Verschriftlichung eines Satzes, der in Variationen an vielen Stellen entlang des mittleren Rheines vorkommt. Die Übersetzung ins Hochdeutsche könnte lauten: Ich könnte Tränen pupsen. Das alleine ist schon ein ulkiges Sprachbild, das den Gemütszustand dessen, der es äußert, sehr treffend beschreibt. Er freut sich nicht nur, er lacht nicht nur aus vollem Hals, er hat sich quasi in die kaum noch zu stoppende Stimmung der hysterischen Lachattacke gesteigert. Er kann nicht mehr, er hält sich den Bauch, er schüttelt sich vor lachen. Der Auslöser mag schon allmählich in den Hintergrund gerückt sein, man lacht nur noch um des Lachens Willen und ist nicht in der Lage aufzuhören.

Da muss der Druck entweichen, egal wohin, nach oben, nach unten, und das auch explosiv. Wenn man diesen Aggregatzustand erreicht hat, dann ist dieser Satz mehr als treffend. Und zwar wörtlich UND im übergeordneten Sinn.

Ein Leser hat sich gemeldet, der dieses Gefühl bei einem alten Tünnes-und-Schäl-Witz erreicht. Und der geht so: Ali steht auf dem Balkon und schüttelt seinen Gebetsteppich aus. Unten geht Tünnes vorbei und sagt: Wat is, Ali, springt er nit an? Das ist natürlich nur zu verstehen, wenn man die Stichworte Ali, Gastarbeiter, Moslem, fliegender Teppich, altes Auto assoziiert.

Nun mag man einwenden, dass so ein Witz altbacken ist und heutzutage nicht mehr als politisch korrekt gelten kann. Geschenkt! Eines zeigt er aber ganz bestimmt: Der Rheinländer interpretiert die Welt stets mit seinem ureigenen Instrumentarium. Die Außenwirkung ist ihm dabei vollkommen egal. Selbst für ihn Exotisches gemeindet er in sein Weltbild ein. Und landet damit ganz bewusst eine Pointe ohne irgendeinen bösen Hintergedanken.

Haben auch Sie einen rheinischen Lieblingsspruch, dann mailen Sie ihn uns unter rheinisch@ga-bonn.de. Die „Rheinischen Redensarten“ aus der wöchentlichen Kolumnenserie des General-Anzeigers sind als Buch erschienen und im Handel zu haben. Das gedruckte Werk hat die Edition Lempertz verlegt, ISBN: 978-3-96058-211-3, es kostet 9,99 Euro.