Inder protestieren gegen Verlegung der Konsularabteilung

7 000 Unterschriften gesammelt. "Die Bedeutung von Bonn als Nord-Süd-Zentrum wächst"

Bonn. (koe) 90 Inder demonstrierten am Montag vor der Bonner Außenstelle der indischen Botschaft gegen die Verlegung der Konsularabteilung nach München. Das "Malayalee Council", ein südindischer Kulturverein, hatte zum Protest aufgerufen, vertritt in dieser Angelegenheit aber alle indischen Bürger. Auf Plakaten forderten die Demonstranten unter anderem, nationale Interessen über persönliche Interessen zu stellen. Sie vermuten, dass hinter den Umzugsplänen die Geschäftsinteressen Einzelner stehen.

Inder in ganz Nordrhein-Westfalen haben bereits 7 000 Unterschriften gegen die Schließung der Bonner Konsularabteilung gesammelt und ihre Argumente in einem Schreiben an den indischen Präsidenten, an Minister und Mitglieder der Parlaments vorgetragen. Bisher ohne Resonanz. "50 Prozent der in Deutschland lebenden Inder, das sind rund 20 000 Menschen, leben in Nordrhein-Westfalen", erläuterte Mathew Jacob, Vorsitzender des "Malayalee Council" in Deutschland. Auch 50 Prozent der Visa für Indien-Touristen werden laut Jacob in Bonn ausgestellt. Deshalb sei der Standort sehr wichtig.

Die Demonstranten kritisierten auch die Kosten des Umzugs: In München sei Miete zu zahlen, wohingegen das Gebäude in der Willy-Brandt-Allee im Besitz der indischen Regierung sei. Die von Bäumen umstandene Villa liegt neben dem Haus der Geschichte. Seit dem Umzug der Botschaft nach Berlin arbeitet hier eine von drei Konsularabteilungen; die anderen befinden sich in Frankfurt und Hamburg. Die Demonstranten unterstrichen in ihrem Schreiben die politische, ökonomische und kulturelle Wichtigkeit Nordrhein-Westfalens. Für den Sitz in Bonn spreche nicht nur die exzellente Lage des Botschaftsgebäudes, sondern auch die wachsende Bedeutung Bonns als Nord-Süd-Zentrum und als Sitz von UN-Organisationen. Wie ein Mitarbeiter der Außenstelle der Botschaft mitteilte, steht noch kein Termin für den Umzug fest. Eine Abordnung der Demonstranten erhielt die Zusage, dass ihre Forderungen an Botschafter und Außenminister weitergeleitet werden.