In einer Übung werden 130 000 Bürger geimpft

<b>Nur ein Picks:</b> Das komplette Szenario einer Massenimpfung stellte das Team der Kreisverwaltung mit vielen Helfer dar.

<b>Nur ein Picks:</b> Das komplette Szenario einer Massenimpfung stellte das Team der Kreisverwaltung mit vielen Helfer dar.

Eine Arbeitsgruppe der Kreisverwaltung Ahrweiler hat ein Drehbuch erarbeitet, um in einem gestellten Szenario zu erproben, wie die Einwohner geschützt werden können

Grafschaft-Ringen. Der Krieg ist vorbei. Doch noch immer nicht ist eindeutig bewiesen, ob der Irak im Besitz von biologischen oder chemischen Massenvernichtungswaffen ist oder nicht. Solange kann zumindest nicht vollständig ausgeschlossen werden, dass es nicht doch noch irgendwo auf der Welt zu einem terroristischen Anschlag mit tödlichen Krankheitserregern oder chemischen Substanzen kommen kann.

Landesweit und auch im Kreis Ahrweiler haben die Verantwortlichen in der Theorie entsprechende Szenarien entworfen. Auch wenn eine Gefährdung als äußerst gering eingeschätzt wird, hat die Kreisverwaltung am Samstag in der Grundschule und Turnhalle im Ringener Kreuzerfeld eine Übung durchgespielt. Dabei galt es, eine Massenimpfung gegen Pockenviren durchzuführen.

Unter Beteiligung von 150 Mitgliedern der Kreisverwaltung, der Grafschafter Wehr, des Technischen Hilfswerks und des Deutschen Roten Kreuzes galt es zumindest übungshalber, 130 000 Menschen zu impfen. Die Arbeitsgruppe der Kreisverwaltung, gebildet aus Mitarbeitern des Gesundheitsamtes und des Zivilen Bevölkerungsschutzes, hatte zu diesem Zweck gemäß dem Bund-Länder-Rahmenkonzept ein Drehbuch verfasst. "Dabei ging es darum, die medizinischen und logistischen Anforderungen darzustellen, die zur Bewältigung einer solchen oder vergleichbaren Lage erforderlich sind", erklärt Rolf Daniel, Leiter des Fachbereichs "Ziviler Bevölkerungsschutz".

Um alle Bürger des Kreises Ahrweiler im Ernstfall binnen fünf Tagen impfen zu können, ist eine gewaltige logistische Anstrengung notwendig. "Sechs bis acht Impfstellen der Größenordnung, wie wir sie heute errichtet haben, mit jeweils mehreren hundert Personen an Personal würden benötigt", erklärt Amtsärztin Ute Teichert-Barthel, die am Samstag federführend für die Impfungen zuständig war.

Für die Übung in Ringen hatte das Kreisgesundheitsamt nahezu seine gesamte technische Ausstattung dorthin bringen müssen. Zunächst mussten die von Mitgliedern des Jugendrotkreuzes und des Technischen Hilfswerkes gemimten Impfpatienten namentlich erfasst und aufgeklärt werden. Dies geschah in Gruppen zu jeweils 25 Personen in der im Schulgebäude eingerichteten Station. Ausgestattet mit drei Formularen, reihten sich die Probanten in die beiden Impfschlangen in der Turnhalle ein. Dort warteten bereits die Mitarbeiter des Kreisgesundheitsamtes.

Zunächst prüften die Mediziner Kontraindiaktionen wie etwa vorhandene Erkrankungen, die gegen eine Impfung sprechen würden. Da der Impfstoff, den das Bundesgesundheitsministerium an einem unbekannten Ort in Deutschland zentral lagert, hochinfektiös ist, tragen die Ärzte zu ihrem eigenen Schutz Gummihandschuhe, Mundschutz und Schutzbrille. Als fiktiver Impfstoff diente blau eingefärbtes Wasser, das den zu impfenden Personen mit zweizackigen Nadeln mit 15 Stichen auf einem Radius von fünf Millimetern in den entblößten Oberarm "injiziert" wurde. Um Hautverletzungen zu verhindern, schützten sich die Impflinge am Samstag jedoch mit einer Karteikarte.

Weitere Helfer sorgten für den reibungslosen Ablauf der Impfaktion. Ordnungskräfte der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Grafschaft und des THW schafften technisches Gerät heran wie beispielsweise Rampen für Rollstuhlfahrer. DRK-Mitarbeiter betreuten eine Notfallstation, in der kreislaufschwache Personen versorgt wurden. Abschließend erhielt jeder Impfling seine persönliche Impfbescheinigung, die an Ort und Stelle mit Hilfe von Computern ausgedruckt wurde.

Gegen die Pocken würde ein Lebendvirus eingesetzt, der sich in der Haut vermehrt und eine Immunreaktion des Körpers auslöst. Bis zum Abfallen des Schorfes wäre die geimpfte Stelle ansteckend, werden die Impflinge von den Medizinern aufgeklärt. Auf dem Schulhof probten Feuerwehrleute indes das fachgerechte Anlegen eines Schutzanzuges, wie sie im Ernstfall Analyseteams tragen, die im Falle eines Falles die Vorhut bilden würden, um die Gefährdungssituation zu ermitteln.

Die Anzüge hatte das Bundeswehrkrankenhaus in Koblenz zur Verfügung gestellt. "Insgesamt war die Übung darauf angelegt, das Zusammenspiel aller Helfer für eine medizinische Vorsorgemaßnahme bei ähnlichen Gefährdungslagen zu proben", erklärten Rolf Daniel und Klaus Kniel vom Gesundheitsamt. Konkret sollte sich in der Praxis bewähren, was theoretisch bereits bis ins Kleinste durchdacht worden war. Bundesweit haben bisher höchstens eine Handvoll derartiger Übungen stattgefunden. Insofern übernahm der Kreis Ahrweiler eine Art Vorreiterrolle. Um sich einen ersten Überblick zu verschaffen, warenauch Vertreter benachbarter Gesundheits-und Ordnungsämter aus dem Rhein-Sieg-Kreis, Neuwied und Cochem nach Ringen gekommen.

Sehr zufrieden mit dem Verlauf der Übung zeigte sich Günter Pfaff vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg und einer der Experten für solche groß angelegten Impfaktionen. "Der medizinische Teil steht", freute sich auch Ute Teichert-Barthel. So habe die vorgegebene Zeit von zwei Minuten pro Impfvorgang eingehalten werden können. Als verbesserungswürdig stellte sich der zeitliche Ablauf bei der Aufnahme der Personalien und der Aufklärung der Patienten heraus. "Hier können wir den Takt sicher noch verbessern", bilanzierte die Amtsärztin.