In der Idylle des Friedhofs verebbt der Lärm

In Mausoleen und Prachtgräbern fanden prominente Bürger Bad Honnefs ihre letzte Ruhestätte - In der "Scheune Gottes" erzählt "et Freudeblömche" von Originalen vergangener Zeiten

Bad Honnef. Viele der Autofahrer, die hektisch die Linzer Straße entlang oder über die Menzenberger Straße zum Honnefer Kreuz hinab fahren, ahnen nicht, dass sie soeben einen der idyllischsten Plätze Bad Honnefs passiert haben. Hinter einer teilweise hohen Einfriedung verbirgt sich nämlich die zweitälteste Begräbnisstätte der Stadt - der sogenannte "Alte Friedhof", der seit Mitte Februar in die Denkmalliste eingetragen ist. Unter Denkmalschutz stand bereits das sogenannte "Röder-Mausoleum", ein überkuppelter Zentralbau im Stil der byzantinisch-orthodoxen Kirchen. "Aber nicht nur das Mausoleum, sondern der Friedhof insgesamt ist in seiner volkskundlichen und kulturgeschichtlichen Bedeutung erhaltenswert", erklärt Bürgermeister Peter Brassel.

Bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde von den Landesherren aus hygienischen Gründen angeordnet, die Toten nicht mehr in unmittelbarer Nähe der Kirchen innerhalb der Orte, sondern an der Gemeindegrenze zu bestatten. Und die lag damals eben am ehemaligen "Pompbeuel" an der Linzer Straße, als Honnef 1831 verspätet dieser Verordnung nachkam. Dreimal erweitert, reichte seine Kapazität nach dem Bauboom der sogenannten "Gründerzeit" um die Jahrhundertwende nicht mehr aus und der Neue Friedhof entstand 1907 außerhalb der damaligen Bebauung im Süden an der Linzer Straße.

Betritt man den Alten Friedhof vom "Wolfshof" aus, blickt man auf ein Hochkreuz, unter dem drei der Honnefer Geistlichen beerdigt sind, unter ihnen Pfarrer Daniels, Ehrenbürger der Stadt. Nicht weit von diesen entfernt, befindet sich das Grab des Honnefer Bürgermeisters, Theodor Wächter (1888-1907). Unter seiner Amtszeit und mitgetragen von seinem Auftreten, hatte die Stadt in der Gründerzeit einen großen Aufschwung als Metropole des gehobenen Tourismus am Rhein erlebt.

Als Wächter 1907 im Alter von noch nicht 50 Jahren überraschend starb, bereitete ihm die Stadt ein "Staatsbegräbnis". Die Kirche wurde schwarz ausgeschlagen, und der Sarg mit dem verehrten Stadtoberhaupt wurde durch ganz Honnef zum Friedhof getragen. Ein anderes Grab, das die Stadtgeschichte repräsentiert, ist das von Clemens Adams, dem ersten Bürgermeister Honnefs, nachdem sich die Stadt aus der "Mairie Königswinter" gelöst hatte, der sie unter Napoleon unterstellt war.

Aber auch weniger bekannte Persönlichkeiten haben auf dem Friedhof ihre letzte Ruhe gefunden. "Vater, wenn die Mutter fragt: Wo ist unser Liebling hin? So sag ihr, wenn sie weint und klagt, dass ich im Himmel bin", ist auf dem Grabstein zu lesen, über dem eine Engelsfigur schwebt. Noch heute werden offensichtlich Besucher von dem Schmerz der Eltern gerührt, den diese Inschrift wiederspiegelt. Denn immer noch schmücken frische Blumen das Grab von Elisa Körfer, die 1882 im Alter von neun Jahren gestorben ist.

Entgegen seines ursprünglichen Bestimmungsortes steht ein großer Marmor~engel an der Südseite des Friedhofs. Vorgesehen war er für das Grab von Hermine Bovet, einer bekannten Klavierlehrerin aus einer preußischen Offiziersfamilie. Von einer Italienreise soll sie ihn mitgebracht und regelmäßig mit Seife gewaschen haben. Schrullig, wegen ihre langen, schiefen Nase als "Hexe Bovet" bekannt, soll sie ihre Klavierschüler zum damaligen Friedhofsgärtner geschickt haben. Dieser möge ihre Gruft lüften, da sie kein muffiges Grab haben wolle, ließ sie ausrichten.

Der "Star" unter den Friedhofsbewohnern ist jedoch unbestritten Milla Röder. Kurz vor ihrer Hochzeit starb die Sängerin von außergewöhnlicher Schönheit 1887 im Alter von nur 20 Jahren. Der Tochter eines Theatermanagers und einer baltischen Offizierstochter errichteten die Eltern das Mausoleum, in dem die Mutter jeden Tag ihrer toten Tochter die Zeitungskritiken ihrer früheren Auftritte vorgelesen haben soll. Das Gerücht, die junge Frau sei mit all ihrem Schmuck beerdigt worden, rief Diebe auf den Plan, die immer wieder versuchten, sich in die Gruft hinab zu lassen, bis diese zugemauert wurde.

Wem die idyllische Atmosphäre auf dem Alten Friedhof in den Abendstunden, wenn der Verkehr etwa abgeebbt ist, nicht ausreicht, um sich in längst vergangene, geruhsamer Zeit entführen zu lassen, sollte zu den Erzählungen des Heimatdichters Franz-Josef Schneider greifen. In der "Scheune Gottes" erzählt "et Freudeblömche" von prominenten Honnefern und Originalen der "guten alten Zeit", die auf dem Alten Friedhof ihre letzte Ruhe gefunden haben. Da diese so unterhaltsamen wie informativen Aufzeichnungen des beliebten Honnefer Dichters zurzeit vergriffen sind, plant der Heimat- und Geschichtsverein "Herrschaft Löwenburg" eine Neuauflage des Bandes.