Live-Impro-Soap

In der Drachenfelsklinik geht's rund

Schwestern, Ärzte und ein Regisseur kurz vor dem Nervenzusammenbruch - zu sehen in der Endstation in Königswinter.

KÖNIGSWINTER. Immer freitags: Live-Impro-Soap mit dem Bonner "Theatre Bohemien" in der Endstation im ehemaligen Krankenhaus.

"Schwester Maria Dolorosa, bitte auf die Station für Inneres." Freunde von "Schwarzwaldklinik" und ähnlichen Krankenhausserien können sich bis Ende August jeden Freitag in die Notaufnahme von Sankt Josef einliefern lassen. Im alten Krankenhausgebäude wird jetzt wieder diagnostiziert und operiert.

Und wehe, wenn Schwester Danuta im kurzen Schwesternkittelchen und mit französischem Akzent wieder alle Patienten und Ärzte aufregt und sogar dem Mann von Dauerpatientin Betty Baudisin schöne Augen macht, bis sich die Damen im Krankenhausfoyer um den Herrn streiten und ihm dabei fast mit dem langen Schal die Luft abdrehen.

In Folge eins von "Drachenfelsklinik" packten sich die beiden Schauspielerinnen unverhofft einen Mann aus dem Publikum, zerrten und zogen an ihm und machten ihn unversehens zum Mitglied ihres Ensembles. Denn das Bonner "Theatre Bohemien" gestaltet in diesem Falle Improvisationstheater. Eine herrlich verrückte Live-Impro-Soap, bei der Soap-Regisseur Ulrich Harz das Geschehen bei Film und Fernsehen aufs Korn nimmt.

Helmut Reinelt, der das Projekt "Endstation" im alten Königswinterer Krankenhaus initiiert hat, konnte die Theaterleute zu diesem Projekt animieren. Und wie in einer echten Notaufnahme müssen die Besucher zehn Euro als Quartalsgebühr zahlen. Die Gesundheitsreform schlägt auch hier zu. Damit hat jeder aber nun bis zum Ende der Serie Recht auf Visite durch den Chefarzt. Er muss lediglich bei jeder Aufnahme immer freitags seine Quittung vorlegen.

Titel der ersten Folge: "Lach kaputt, was dich kaputt macht!" Und der Regisseur ließ gleich zum Auftakt im Foyer alle Zuschauer zur Probe lachen. Danach "jagte" er Schauspieler und Besucher durch die Flure. "Weiter, weiter, weiter! Zack, zack, zack!" Eben wie im echten Film: alles und alle - das ist wichtig. "Ach damals, bei Rainer Werner Fassbinder...", sagt Regisseur Harz wehmütig. Das waren noch Zeiten, und nun dreht er eine Soap fürs Fernsehen. Die Leitlinie war den Schauspielern vorgegeben. Aber dann wurde improvisiert, was das Zeug hielt.

Zum Kaputtlachen: die Behandlung der extrovertierten Patientin Betty mit Lachgas durch den jungen Arzt Doktor R. und die Hilfsschwester, bis der Chefarzt kam. Für noch mehr Gelächter sorgten die eingestreuten Arzt-Witze von Dr. Siggi Serengeti. "Herr Doktor, ich glaube, ich habe es an der Galle." - "Das ist bitter." Am Ende stand die Frage des Regisseurs: "Nimmt Betty nächste Woche blutige Rache an ihrem Mann?"

Wer das wissen will: Die Serie "Drachenfelsklinik" wird fortgesetzt am nächsten Freitag, 22. Juni, 19.20 Uhr im Krankenhaus Sankt Josef in Königswinter.