In Liers liegt das Christkind in einer Höhle aus Wurzeln

<b>Peter Murmann</b> ist Krippenbauer aus Leidenschaft.

<b>Peter Murmann</b> ist Krippenbauer aus Leidenschaft.

Peter Murmann baut in vierter Generation Krippen aus Holz, Rinde und Moos

Liers. Der Verkündigungsengel mit der Posaune hat seinen festen Platz auf dem Podest oberhalb der Grotte. Im Innern der Höhle aus Baumwurzeln, Rinde und Moos steht die Krippe mit dem Christkinde.

Maria und Josef halten sich in der Nähe auf. Viel Platz vor dem Stall zu Bethlehem haben die Hirten mit ihren Schafen und Hunden und die Könige mit dem Kamel. Peter Murmann aus Hönningen-Liers hat die Krippe selbst gebaut - wie drei Generationen vor ihm das gemacht haben.

Und mit Sohn Alexander (25) scheint die Familientradition eine Fortsetzung zu finden. "Der ist ganz jeck auf Krippenbau", sagt Vater Peter. Sobald der Informatikstudent zum Weihnachtsurlaub aus San Francisco kommt, geht's mit dem Vater in den Wald an der Ahr zum Moos sammeln.

Mit dem Krippenbau begonnen hatte Urgroßvater Emil Heimann (1870 - 1934), sein Sohn Gustav führte die Sache fort, damals noch im Haus in Bonn-Kessenich.

Mit dem Krippenbaufieber steckte er seinen Neffen Paul Murmann derart an, dass der die rustikalen Häuschen zum Schutz der Heiligen Familie am Ende kommerziell baute: wie seine Vorfahren aus Holz, Rinde, Moos. Es war in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, und offenbar war der Bedarf groß. "In einem Jahr hat mein Vater 5 000 Krippen zum Verkauf in Bonner Kaufhäusern hergestellt", berichtet Murmann. "Nach dem Krieg brachten sie gutes Geld in die Familienkasse, darum haben alle im Keller in Kessenich geholfen.

Peter Murmann zog vor 26 Jahren mit seiner jungen Familie nach Liers. "Wir haben eigenen Wald und noch Wald dazu gekauft, darum bot sich das Hobby an", sagt er. Für ihn bleibt die Liebhaberei nicht auf die Weihnachtszeit beschränkt. "Das ganze Jahr über, wenn wir spazieren gehen, sammeln wir Baumwurzeln für Krippen. Da geht man nicht so einfach durch die Landschaft", sagt der Kenner.

Brauchbar sind Wurzeln von Fichten und Kiefern, weil diese Nadelbäume im Gegensatz zu Laubbäumen flach wurzeln und man dran kommt. Manchmal haben die Wildschweine schon Vorarbeit geleistet und Wurzeln aus dem Boden gewühlt. Oft muss Murmann allerdings kräftig ziehen, um ans Material zu kommen.

Nicht jede Wurzel ist geeignet. Denn für seine moosigen Grotten braucht Murmann gebogene Exemplare, die er auf der Holzunterlage mit einander und mit der Unterlage verschrauben kann. "Die runden Wurzeln sind wichtig, um eine etwas gotische Stallform herauszuarbeiten, das sieht viel natürlicher aus", erklärt er. Rückwand und Boden macht Murmann aus Schalholz, das sich nicht verzieht. Die Kanten verkleidet er mit der biegsamen Rinde von Akazien.

Mit der Wurzelbürste von Erde und Käfern befreit und gereinigt trocknen die Fundstücke im Keller. Moos sammelt Murmann jedes Jahr frisch, eine spezielle Sorte von lichten Hängen im Wald. Das wird zwei Tage im Heizungskeller getrocknet und gibt danach einen vorzüglichen Bodenbelag.

"Mann kann das Moos nach der Weihnachtszeit auch mit der Krippe in Folie wickeln und im nächsten Jahr zum Befeuchten eine Woche lang ins Freie stellen, dann wird es wieder frisch", beschreibt er eine andere Möglichkeit. "Als Kinder haben wir uns aber immer gefreut, wenn der Papa mit uns Moos sammeln ging, das gehört auch zur Tradition."

Licht erhalten seine Grotten durch eine Backofenbirne hinten in der Wand. Künftig will Murmann LED-Beleuchtung installieren, die wenig Strom braucht und neuerdings auch in warmen Tönen zu haben ist, wie er sagt. Und weil es keinen Sinn macht, Krippen zu bauen und im Keller zu verstecken, verleiht Murmann seine Kreationen für Dekorationen und baut für Freunde auch Szenerien nach Maß.

So hat er für einen 30 Zentimeter hohen König eine 1,50 Meter lange Krippe gemacht. Seine eigenen Figuren sind dagegen nur 13 Zentimeter hoch, und so reichen 50 bis 70 Zentimeter für den Stall mit Umgebung.