In Altenahr wird die Strecke über die ehemalige Bahntrasse vorbereitet

Verschnaufspause. Kurz vor dem Tunnel ruht die Baustelle.

ALTENAHR. Reger Betrieb war in den vergangenen Wochen hinter den Plastikplanen an einer der alten Bahnbrücken über den Parkplatz an der Tunnelstraße in Altenahr zu beobachten. Wenn es jetzt still geworden ist, hängt das nicht mit den Festtagen zusammen.

Vielmehr braucht der frisch gegossene Beton bis Januar Zeit zum Ruhen. Der Landesbetrieb Mobiliät Cochem realisiert dort ein Vorhaben, auf das Einheimische und Gäste seit Jahren warten: ein wichtiges Stück im Lückenschluss des Ahr-Radwegs.

Von Mayschoß-Laach nach Altenahr soll der Weg über die ehemalige Bahntrasse gehen. Die äußerst reizvolle Strecke führt rechts der Ahr, von einer Arkadenwand gestützt, am Berghang entlang. Vor Altenahr quert sie den Fluss in großer Höhe und mündet in einen Tunnel. In der originalen Konstruktion vom Bahnbau 1910 gab es am Tunnelausgang eine Brücke über die Bundesstraße, die auf weitere Bauwerke über Parkplatz und Ahr zum Bahnhof Altenahr mündete.

Bis der Verbindung 1972 mit einem lauten Knall und einer großen Staubwolke ein Ende gesetzt wurde. Die Brücke behinderte den wachsenden Autoverkehr, ihre tief ansetzenden Bögen ließen Begegnungen von schweren Lastwagen und hohen Reisebussen nicht zu. Diese kamen nur noch einzeln in der Straßenmitte durch.

Zwar war vorgesehen, das Bauwerk nach der Sprengung modernen Erfordernissen angepasst zu erneuern. Darauf verzichtete die Bahn allerdings, weil sie den Betrieb in dem Abschnitt auf eingleisig umgestellt hatte und das zweite Gleis nicht mehr benötigte.

Im Dornröschenschlaf

So versank die Trasse mit Dornen und Büschen im Schotter in einen Dornröschenschlaf, bis sie für den Lückenschluss im Radweg entdeckt wurde. Darum führen jetzt wieder Ingenieure Regie, sie haben das gesprengte Bauwerk durch eine elf Meter lange Stahlbetonbrücke ersetzt, die im Januar vollendet werden soll. Die 100 Jahre alten Natursteinwiderlager konnten für den neuen Überbau hergerichtet und verwendet werden.

Der Wildwuchs auf den alten Brückenteilen ist entfernt. Jetzt müssen noch ein durch Felssturz beschädigtes Tunnelportal saniert und der Viadukt ahrabwärts instand gesetzt werden.

Beim Landesbetrieb Mobilität ist Andreas Jackmuth, Leiter der Fachgruppe Konstruktiver Ingenieurbau, mit dem Projekt betraut. Er spricht von einer "robusten Bauweise" des Viadukts, durch die sich die Erschütterungen durch den Zugverkehr im Schotterbett abgebaut hätten. Wenn auch an dieser Konstruktion nichts geändert werden soll, müssen sich Radler künftig nicht über Bahnschotter quälen: Für sie wird ein 2,50 Meter breiter Fahrstreifen asphaltiert, die Ränder bleiben unversiegelt.

Nach Vollendung der Arbeiten in Altenahr ist weiteres zu tun. Oberhalb von Laach fehlt eine Querung über die Ahr, die als Schrägseilbrücke geplant ist. Und es fehlen die Aufständerung einer Hangbrücke und die Sanierung der Arkadenwand. Freie Fahrt für Radler gibt's nicht vor 2013, rechnet Jackmuth. Dann sind sie endlich nicht mehr auf die gefährliche Bundesstraße angewiesen.