Im "Forsthaus Telegraph" steckt viel Geschichte drin

Wettbewerb widmet sich historischen Gasthäusern, von denen es in der Region etliche gibt

Rhein-Sieg-Kreis. Ein kleiner, befahrbarer Weg schlängelt sich vom Mauspfad zwischen Troisdorf und Spich an den Rand der Wahner Heide, und plötzlich steht man vor einem Gasthaus. Idyllisch liegt das mehr als 170 Jahre alte Gebäude mitten im Wald.

Dass im Namen "Forsthaus Telegraph" mit zwei Wörtern bereits die Geschichte des Hauses erzählt wird, in dem einstmals per optischem Telegraph Nachrichten zwischen Berlin und Koblenz weiter geleitet wurden und später Förster ihr Salär mit der Bewirtung von Wanderern aufbesserten, wissen nur wenige. Seit 1988 leitet Thomas Pilger dort sein Restaurant.

Informationen Mehr zum Thema unter www.dehoga-bundesverband.de

Dass Pilger sein historisches Haus auch einer breiteren Masse vorstellen kann, wusste der Koch noch gar nicht. Derzeit läuft ein bundesweiter Wettbewerb des Bundes Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU)" und des Deutschen Hotel und Gaststättenverbandes (DEHOGA), an dem Wirts- und Gasthäuser teilnehmen können, die in historischen Gemäuern residieren.

Im vergangenen Jahr hatte der BHU die Wirtshäuser zum Kulturdenkmal des Jahres gekürt. Zusammen mit dem DEHOGA bietet der BHU nun mit diesem Wettbewerb die Möglichkeit, historische Wirtshäuser zu präsentieren, um die kulturelle und bauhistorische Vielfalt zu zeigen.

"Wirtshäuser haben eine wichtige soziale und ortsbildprägende Bedeutung", so Herlind Gundelach, Präsidentin des BHU. Sie seien gleichzeitig auch Zeugnisse jahrhundertealter Traditionen.

Etliche Gaststätten und Wirtshäuser im Kreisgebiet wie der "Pumpe Jupp" in Sieglar, das Landgasthaus Herchenbach in Neunkirchen, die Gastronomie in der Burg Mauel in Windeck, viele Weinstuben im Siebengebirge, das "Haus zur Arken" in Siegburg oder eben das "Forsthaus Telegraph" dürften den Auflagen des Wettbewerbes gerecht werden.

"Ich werde mich in jedem Fall über den Wettbewerb schlau machen. Das scheint eine interessante Sache zu sein", sagt Pilger. Immerhin kann der Besitzer des Forsthauses viel über die Geschichte des Hauses erzählen.

Da, wo Pilger heute feine französische Küche mit regionalen Akzenten reicht, war einst eine Telegraphenstation. Als Teil der königlich-preußischen Optischen Telegrafenlinie zwischen Berlin und Koblenz diente das Gebäude zwischen 1833 und 1852 als Station Nr. 53 zur telegrafischen Nachrichtenübermittlung.

Während die Station in Köln-Flittard komplett rekonstruiert wurde, ist von der Station 53 außer dem 70 Quadratmeter großen Raum, in dem heute diniert wird, nichts übrig. "Nach dieser Zeit nutzten Wildhüter das Gebäude und besserten ihr Salär auf, indem sie Wanderer bewirteten", so Pilger.

Gemütlich ist das Forsthaus, das auf eine 176-jährige Geschichte zurückblickt. Pilger musste aber Einiges machen, als er das Gebäude inklusive Grundstück 1988 zunächst pachtete und dann Ende der 90er Jahre der Bundesrepublik Deutschland abkaufte.

Zunächst installierte er eine Öl-Heizung. "Vorher gab es hier keine Heizung. Zudem waren Türen und Fenster mit einer scheußlichen grauen Farbe versehen. Die haben wir entfernt und den Originalzustand wieder hergestellt." Das sei allerdings kein Muss gewesen. "Das Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz, obwohl es schon so alt ist. Ich denke, über die Jahrzehnte hatte sich das aufgrund der Anbauten eh erledigt", sagt Pilger. Dennoch schaut Pilger zu, dass der historische Charme des Hauses erhalten bleibt.

Ein wenig zurück zum Ursprung geht Pilger mit seiner Außengastronomie "Heidekönig" neben dem Forsthaus. Dort bewirtet er seit einem Jahr während des Sommers Wanderer, die am Forsthaus Station machen. "Diese Idee ist sehr gut angenommen worden", sagte Pilger.