Im Bennerscheider Haus Neuglück entflammte schon Appollinaire in Liebe

Das Ehepaar Heinz hat in dem Schlösschen fünf Kinder großgezogen und ein Tagungshaus etabliert

Bennerscheid. Was für ein verwunschener, märchenhafter Ort. Das Schlösschen "Neuglück" in Bennerscheid ist ein echter Geheimtipp. Wer schläft schon in einer Orangerie und hat eine frühere Hauskapelle als Diele?

Wer kann behaupten, dass seine Kinder in denselben Zimmern aufwuchsen, in denen einst das Mitglied der literarischen Bohème von Paris, Dichter Guillaume Apollinaire, als Hauslehrer wirkte und in denen er in heftiger Leidenschaft für eine junge englische Kollegin entflammte. Wer schlürft unter orientalisch anmutender Deckenmalerei Tee und schaut, wenn er die Treppe hinaufgeht, auf eine Holzkassettendecke, die in ihren Feldern die Wappen der französischen Provinzen zeigt?

Für Maria Siffert-Heinz und Wolfgang Heinz sind dies alltägliche Anblicke, die sich ihnen nun bereits seit 17 Jahren bieten, seit sie Eigentümer des kuriosen Schlösschens Haus Neuglück in Bennerscheid wurden. Und es sind An- und Ausblicke, die das Ehepaar bis heute bewusst genießt.

Steckbrief
  • Objekt: Waldschlösschen Haus Neuglück
  • Baujahr: ab 1850
  • Baustil: Vielfalt architektonischer Formen
  • Quadratmeter: Etwa 300
  • Früher/heute: Wohnhaus für die Steiger der Zinkminen, um 1900 zum romantischen Schlösschen umgestaltet, nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1991 Ausflugslokal
  • Seit 1992 ist ein Teil des Anwesens Tagungs- und Seminarhaus

In dem alten Gemäuer zu leben, das die Gräfin Elinor de Milhau, geborene Hölterhoff, um das Jahr 1900 innen wie außen so höchst eigenwillig gestaltete, "gibt ein gutes Grundgefühl", sagt Wolfgang Heinz. "Wir haben viele Lieblingsplätze." Die Schattenseite: "Man ist ständig am Renovieren, immer ist etwas zu tun, aber mein Mann macht das gerne", lacht seine Lebenspartnerin.

Das Ehepaar Heinz war von der zauberhaften Atmosphäre des Hauses auf Anhieb gebannt, als sie es vor 17 Jahren - auf der Suche nach einem "Haus im Grünen" - fanden. Ihre fünf Kinder sind inzwischen flügge, der jüngste Sohn Tom baut gerade sein Abitur. Drei Enkel haben die Familie vergrößert, sie lieben an Haus Neuglück vor allem den großen Garten.

Und das angeschlossene, um- und ausgebaute Tagungshaus, das früher einmal Scheune war, hat sich als Platz, an dem ideal in der Gruppe gearbeitet oder Urlaub gemacht werden kann, einen Namen erworben. Für Seminare oder Familientreffen stehen 18 Betten in zehn Zimmern zur Verfügung. Das Haus kann immer nur von einer Gruppe gebucht werden.

"An diesem Objekt ist immer gebaut worden. Diese Tradition sollte man nicht aufgeben", lacht der promovierte Psychologe Wolfgang Heinz, der in Bonn praktiziert, einmal die Woche aber auch in der stillen Abgeschiedenheit in Bennerscheid Klienten empfängt - im ehemaligen Thekenraum mit prächtiger Holzvertäfelung und Kachelofen aus Gräfinnen-Zeit.

Bis 1991 war das historische Waldschlösschen noch Restaurant, betrieben von der Familie Heinrich Pinnen mit "eigener Konditorei und bürgerlicher Küche", wie eine Postkarte aus den 60ern verrät. "Es kommt manchmal vor, dass Leute fragen, ob sie bei uns einkehren können", berichtet Maria Siffert-Heinz.

Doch Ausflügler finden keine Aufnahme mehr, vielmehr empfängt die Diplom-Psychologin wie ihr Mann Menschen zu Therapiegesprächen im Arbeitszimmer im Erdgeschoss oder im hellblau-weiß gehaltenen früheren Festsaal. Zur Beheizung durften gemäß Denkmalpflege keine Konvektoren eingesetzt werden - damit die Holzbalken nicht schrumpfen - sondern nur Strahlungswärme. Im Garten wurde eine Holzhackschnitzelheizung installiert.

Info

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