Idylle im Bad Honnefer Mucherwiesental: Von der Obstwirtschaft zur Schönheitsklinik

Im mehr als 400 Jahre alten Steinsbüscher Hof wird kosmetische Chirurgie praktiziert. Die Pferdekoppel liegt neben den Operationsräumen.

Bad Honnef. An der Wand steht ein Konzertflügel, der Blick aus dem Fenster geht auf die Pferdekoppel vor dem Haus, von weitem grüßt die Kuppe des Leyberges. Es ist die Idylle im Bad Honnefer Mucherwiesental, die solch gediegenen Landhaus-Stil ermöglicht.

Zentrales Anwesen oberhalb der Wiesenhänge ist der Steinsbüscher Hof. Bis ins 16. Jahrhundert reicht die annähernd lückenlose Chronik des Gehöfts zurück. Doch die Zeiten von Schweinezucht und Milchwirtschaft liegen schon fast ein Jahrhundert zurück. Gearbeitet wird vor allem in den Nebengebäuden gleichwohl bis heute: Seit 2006 betreibt Stein Tveten hier eine seiner insgesamt drei Schönheitskliniken.

Unten Ställe, oben Operationsräume. Das ist, verkürzt dargestellt, die Aufteilung im früheren Wirtschaftsgebäude. Das Haus nahe der Zufahrt zum Steinsbüscher Hof gehört, verglichen mit der Gesamthistorie der Anlage, mit seinen 90 Jahren noch zu den "Neubauten".

Während die Pferdeställe bis zum heutigen Tag ihrem ursprünglichen Zweck dienen, erhielt das Obergeschoss in den Jahren 2004 bis 2006 im Zuge umfangreicher Umbauten ein völlig neues Innenleben. Aus bis dato vermieteten Räumen wurde die Klinik von Stein Tveten.

Der heute 49-jährige Norweger war kurz zuvor zu seiner Lebensgefährtin ins Mucherwiesental gezogen, deren Familie den Steinsbüscher Hof seit Generationen besitzt. "Für mich ist das hier die ideale Kombination aus Wohnung und Arbeitsplatz", sagt Stein Tveten.

Vor dem Umbau hatte er sich intensiv mit Geschichte und Architektur des Hofes beschäftigt, um im Zuge der Bauarbeiten den ursprünglichen Stil nicht zu verderben. Auch das ist ein Grund dafür, dass die Schönheitsklinik nunmehr sowohl innen als auch außen im bäuerlichen Fachwerkstil daherkommt.

So rustikal die bauliche Form, so modern das Interieur. Designermöbel dienen in Warte- und Besprechungsraum ihrem Zweck, moderne Medizintechnik ist in den Behandlungs- und Operationsräumen anzutreffen. "Eine der beiden OP-Lampen habe ich der Berliner Charité abgekauft", erzählt Tveten, während vor dem Fenster zwei Pferde herumtollen.

Schon früh hatte für den gebürtigen Osloer festgestanden, dass er sein Studium in Deutschland absolvieren würde. Dem Medizinstudium ließ er noch einen Abschluss in Zahnmedizin folgen, in Hamburg und Göttingen lernte er Deutschland und auch sein traditionelles Studentenleben kennen und schätzen.

Die Facharztausbildung zum Mund-Kiefer-Gesichtschirurg machte er in Essen. Nach seiner Ausbildung hatte er als leitender Oberarzt in Oslo in der Wiederherstellungschirurgie sehr viel mit schweren unfallbedingten Gesichtsverletzungen zu tun. "Damals entwickelte sich mein Interesse an der ästhetischen Chirurgie", sagt er heute.

1999 eröffnete Stein Tveten seine erste Klinik für ästhetische Chirurgie in Oslo, 2003 etablierte er sein Modell in Gestalt einer Privatklinik in Oberstdorf, 2006 folgte die Eröffnung im Steinsbüscher Hof.

Im Siebengebirge, wo Tveten privat zuweilen auch auf der Jagd anzutreffen ist, hat er sich auf Behandlungen wie Augenlidkorrekturen spezialisiert. Weil die angewandte Lasertechnik und die dermatologische Kosmetik eine schonende Behandlung ermöglicht, können die meisten Patienten die Klinik sofort wieder verlassen.

Falls jemand doch zur Beobachtung verweilen muss, steht ein Übernachtungsraum zur Verfügung. Unterstützt wird Tveten von drei festen und fünf freien Mitarbeitern.

Der Steinsbüscher Hof war laut Annalen im Jahr 1592 durch das Amt Löwenburg als Wirtschaftssitz angelegt worden. Über Jahrhunderte war an den Hängen Wein gewachsen, später abgelöst durch Obstanbau. Bis in die 1920er Jahre hatte die Eigentümerfamilie Pohl die Obstwirtschaft beibehalten, deren Tradition bis heute in Gestalt der Streuobstwiesen fortlebt.

Starke Zerstörungen erlebte der Steinsbüscher Hof im März 1945, als sich amerikanische Truppen gegen erbitterten Widerstand von Rhein auf die Höhen des Siebengebirges vorkämpften.

Das alte Bruchsteinmauerwerk blieb jedoch immerhin so gut erhalten, dass der Wiederaufbau im Stile einer niederrheinischen Villa realisiert werden konnte. Das Hauptgebäude erfuhr seine bislang letzte Veränderung zu Beginn der 1990er Jahre: Damals erhielt das Hofgebäude seine alten Fensterläden zurück.

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