Fünf Jahre linksrheinisches Klimabündnis

ILEK-Gruppe: Klimaschutz ist Basisarbeit

Regelmäßig kürt die Projektgruppe um Hermann Schlagheck (3. von rechts) Klimapaten - wie hier im Mai den Straßfelder Antonius Lanzerath (Mitte).

RHEIN-SIEG-KREIS. Sie haben sich schon mit der Energiewende und der CO2-Reduktion auseinandergesetzt, als diese Themen auf lokaler Ebene noch gar nicht so präsent waren: die ILEK-Projektgruppe für erneuerbare Energien und Energieeffizienz im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis. Fünf Jahre ist es her, dass sich das Netzwerk in Alfter, Bornheim, Meckenheim, Rheinbach, Swisttal und Wachtberg im ILEK-Prozess (Integriertes Ländliches Entwicklungskonzept) gebildet hat - Zeit, um eine Bilanz zu ziehen.

Seit 2007 arbeitet die Gruppe daran, im Linksrheinischen erneuerbare Energien bekannt zu machen und für Energieeffizienz zu werben - zum Beispiel durch innovative Technik oder Gebäudesanierungen, mit denen Energie gespart werden kann. "Wir denken das Thema von unten nach oben", sagt Professor Hermann Schlagheck aus Heimerzheim. Der Ministerialdirektor a.D., früher im Bundeslandwirtschaftsministerium tätig, ist ehrenamtlicher Koordinator der Gruppe.

Für Klimaschutz zu werben, ist aus Sicht der ILEK-Gruppe eher Basisarbeit denn Sache der großen Politik. Regelmäßig treffen sich Privatleute, Unternehmer und Fachleute der Kommunen zum Erfahrungsaustausch und um voneinander zu lernen. Ob es nun um Photovoltaik-Anlagen, Geothermie (Erdwärme), Passivhäuser oder Gebäudedämmung geht.

"Es sitzen inzwischen so viele Fachleute zu den einzelnen Themen am Tisch, dass wir in den fünf Jahren einen enormen Wissenszuwachs erlebt haben", sagt der Bornheimer Umweltbeauftragte Wolfgang Paulus, der seine Stadt bei ILEK vertritt. Gleichwohl müssten bei der Werbung für erneuerbare Energien und Energieeffizienz immer wieder "dicke Bretter" gebohrt werden: "Man muss den Menschen dieses Thema immer wieder in Erinnerung rufen und sie neugierig machen", so Paulus. Letztlich ziehe fast immer das wirtschaftliche Argument: Wie viel Energiekosten man sparen kann, wenn man in Gebäudedämmung investiert - das ist ein Ansatz, um Hauseigentümer das Thema schmackhaft zu machen.

Um ihre Ideen und Erfahrungen weiter zu tragen, organisiert die ILEK-Gruppe Veranstaltungen wie den jährlichen Energietag oder Workshops. Auch hat sie eine Liste mit 80 Klimapaten zusammengestellt. Das sind Bürger, die in ihren eigenen vier Wänden Beispielhaftes für den Klimaschutz geleistet haben und bereit sind, darüber Interessierte bei Bedarf zu informieren. Vier Mal bereits hat eine Jury der Projektgruppe einen "Klimapaten des Jahres" gekürt.

Zuletzt ging diese Auszeichnung an Antonius Lanzerath, der seinen Fachwerkhof in Straßfeld energetisch saniert hat. "Die Klimapaten sind ein wichtiger Baustein, wenn es darum geht, Menschen mitzunehmen und zu begeistern", so Schlagheck. Als Koordinator der Initiative wird er nicht müde, "nach allen Seiten Mut zu machen", wie er sagt. Doch die Mühe habe sich gelohnt, auch weil eine neue Form der interkommunalen Zusammenarbeit gewachsen sei: So haben die sechs Kommunen ein Klimabündnis geschlossen. In Kooperation mit der Verbraucherzentrale wurde zudem eine Energieberatung etabliert, die abwechselnd in den Rathäusern stattfindet.

2011 erhielt die ILEK-Gruppe den RWE-Klimaschutzpreis. Das Preisgeld - 11.900 Euro - reinvestierte sie in eine kostenlose Energieberatung für Haushalte mit geringem Einkommen. Dabei sucht ein Energieberater nach Stromfressern oder gibt Tipps zum Energiesparen, so dass die Bewohner Geld sparen können. "Wir sehen auf jeden Fall Bedarf im linksrheinischen Kreis", sagt Energieberater Stephan Herpertz, selbst Mitglied der Projektgruppe. "Die Nachfrage könnte allerdings besser sein." Dennoch blicke auch er zufrieden auch die vergangenen fünf Jahre zurück.

Kontakt: Hermann Schlagheck, h.schlagheck@gmx.de, Rufnummer 02254/ 1877

Das linksrheinische Klimabündnis

Die sechs linksrheinischen Kommunen haben sich auf Initiative der ILEK-Gruppe 2010 zu einem regionalen Klimabündnis zusammengeschlossen. Darin ist ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch festgeschrieben mit dem Ziel, klimaschädliche Treibhausgase zu reduzieren. So sollen öffentliche Gebäude nach Gesichtspunkten des Klimaschutzes saniert werden. Außerdem erklären sich die Kommunen bereit, den Energiebedarf nicht nur aus erneuerbaren, sondern auch aus regionalen Ressourcen zu decken. Ein Beispiel: Holz aus dem eigenen Wald für eine Holzhackschnitzelheizung.