ICE-Strecke wird erneut zur Großbaustelle

Vier Jahre, nachdem der erste Zug durchs Siebengebirge fuhr, müssen auf mehreren Abschnitten die Aluminiumwände durch Beton-Elemente ersetzt werden - Die Kostenfrage ist noch ebenso offen wie die Schuldfrage

Siebengebirge. Die ICE-Strecke Köln/Frankfurt wird vier Jahre nach ihrer Inbetriebnahme erneut zur Großbaustelle. Die Deutsche Bahn wird die instabilen Lärmschutzwände entlang der Hochgeschwindigkeitsstrecke, auf der die Züge seit Dezember 2002 mit Geschwindigkeiten bis zu 300 Stundenkilometern verkehren, austauschen.

Ersatzlos abgebaut werden die Windschutzwände, während die Sichtschutzwände voraussichtlich in gleicher Höhe und Lage saniert werden. Dies hat die DB ProjektBau GmbH als für die Planung und den Bau der Schnellbahnstrecke verantwortliche Vertretung der Deutschen Bahn AG den Städten Bad Honnef und Königswinter mitgeteilt.

Königswinter fordert im Gegenzug eine Schalltechnische Untersuchung und ein Verfahren mit öffentlicher Auslegung der Planänderungen, da diese aus ihrer Sicht für die Allgemeinheit gravierend sind. Die Bahn hatte bereits im Herbst 2003 festgestellt, dass die vorhandenen Aluminiumwände dem Druck der schnellen Züge nicht standhalten.

Daraufhin hatte das Unternehmen auf einer Strecke von rund 25 Kilometern die drei bis fünf Meter hohen Wände auf zwei Meter über Schienenniveau zurückbauen lassen. Betroffen sind auch die 270 Meter lange Lärmschutzwand am Bockerother Berg und die 220 Meter südlich des Rottbitze-Tunnels bei Köhlershohn.

An dieser Stelle hatte die Bahn Ende vergangenen Jahres eine 300 Meter lange Betonwand errichtet, die in einer dreimonatigen Testphase auf ihre Stabilität hin getestet wurde. Gleichzeitig führte die Technische Universität Darmstadt ein Materialprüfungsverfahren durch. Jetzt steht fest, dass die Schallschutzwände in einem um 70 Zentimeter größeren Abstand zur Gleisachse oder in einer etwas weiteren Entfernung auf der Böschungskante neu errichtet werden sollen.

Voraussetzung ist die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen schalltechnischen Grenzwerte, die in der Nähe von Wohnbebauung bei 59 Dezibel am Tag und 49 Dezibel in der Nacht liegen. Um dies zu erreichen, werden die Wände zum Teil erhöht werden müssen. Um trotzdem die Stabilität zu gewährleisten, werden Wandelemente aus Beton die bisherigen Aluminiumwände ersetzen.

Nach Angaben der Bahn sollen die neuen Wände genauso den Lärm schlucken wie ihre Vorgänger. Im Stadtgebiet Königswinter sind davon die Schallschutzwände östlich von Stieldorferhohn, Bellinghauserhohn und Bellinghauserhof sowie nördlich und südlich der Brücke über den Hasenpohler Bach betroffen.

Da die breiteren und schwereren Wände und Stützelemente mehr Flächen versiegeln, muss für ökologischen Ausgleich gesorgt werden. Ersatzlos fallen die ebenfalls beschädigten Windschutzwände weg, bei deren Bau die Bahn noch von einer höheren Windanfälligkeit der Züge ausgegangen war. Neuere Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass einige Windschutzwände nicht mehr erforderlich sind.

Im Stadtgebiet Königswinter trifft dies auf sämtliche Wände zu. Das Argument der Bahn, dass diese Wände allein dem Windschutz gedient hätten, will die Königswinterer Stadtverwaltung jedoch nicht gelten lassen. Sie hat die Bahn darauf hingewiesen, dass die Windschutzwände aus dem gleichen Material wie die Schallschutzwände gefertigt wurden und auch Lärmschutzfunktionen übernommen hätten.

Ein Abbau habe somit Auswirkungen auf die Umgebung. Die Bevölkerung habe daher ein Anrecht auf Überprüfung der neu entstehenden Schallauswirkungen. Die Sanierung der Wände wird viele Millionen Euro verschlingen, jeder laufende Meter kostet rund 1 000 Euro. Wer das bezahlen muss, steht noch nicht fest.

Zurzeit laufen die Beweissicherungsverfahren vor dem Frankfurter Landgericht. Die Bahn schiebt die Schuld auf die beauftragten Firmen, diese berufen sich darauf, die Wände nach den Vorgaben der Bahn gebaut zu haben. Auch in Aegidienberg sind Teilabschnitte von den geplanten Maßnahmen der Bahn betroffen.

In Bad Honnef wird sich der Bezirksausschuss am Mittwoch, 15. November, mit der Angelegenheit beschäftigen.