Hochgefährliche Munition im Laacher See

Halifax-Bomber liegt im Eifelmaar - Vermutungen über Jagdflugzeug vom Typ P-47 Thunderboldt - Wassersport nur eingeschränkt möglich

Maria Laach. Die Morgensonne spiegelt sich im größten Eifelmaar. Glocken rufen die Mönche zum Gebet in die Basilika - Eifelidylle. Diese ist trügerisch. Nur wenige hundert Meter von dem Ort, an dem die Benediktiner ihren Gottesdienst feiern, droht tödliche Gefahr. Der Zweite Weltkrieg holt die Mönche ein.

Mehr als zwei Tonnen hochexplosiver Sprengstoff liegen auf dem Grund des Laacher Sees. Dort befindet sich ein voll aufmunitionierter britischer Halifax-Bomber. An Bord: vier 1 000-Pfund-Bomben und eine 500-Pfund Bombe. Der Absturz der Maschine ist 1942 dokumentiert. Ihre ungefähre Lage ist eingegrenzt. Dem nicht genug. Im See wird ein weiteres Flugzeug vermutet: ein amerikanisches Jagdflugzeug vom Typ P-47 Thunderbold.

In den Maschinen befinden sich erhebliche Mengen an Benzin, Motoröl und Hydrauliköl. Dies alles ist der von Präsident Hans-Dieter Gassen geführten Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD) in Koblenz bekannt. Seit kurzem auch Abt Benedikt Müntnich und Gerd Hackenbruch als amtierendem Vertreter von Brohltal-Bürgermeister Hermann Höfer.

Dazu gibt es ein Papier, einen so genannten Sachstandsbericht. Dieser liegt dem General-Anzeiger vor. Sein Inhalt wurde am Donnerstag von Stefan Backes von der SGD Nord bestätigt. Einen Kommentar gab es seitens der Koblenzer Behörde nicht. Backes: "Über die Vorgehensweise der Öffentlichkeitsarbeit wird noch beraten."

Erste Gespräche mit dem Leiter des Kampfmittelräumdienstes, Horst Lenz, haben in der SGD bereits stattgefunden. Diesem wurden alle verfügbaren Unterlagen übermittelt. Archivrecherche, auch im Ausland, bestätigte die Bombenlast der Halifx. Unklar ist zurzeit allerdings noch, mit welcher Zündeinrichtung die Bomben versehen sind. Der Kampfmittelräumdienst schließt nicht aus, dass möglicherweise auch Zeitzünder verwendet wurden.

Aus dem Sachstandsbericht: "Die Tatsache, dass seitens der britischen Armee 1947 aufgrund der vorhandenen Bomben aus Sicherheitsgründen von einer Bergung abgesehen wurde - obwohl sich im Wrack noch die Überreste zweier Besatzungsmitglieder befinden sollen - lässt nach erster Einschätzung des Kampfmittelräumdienstes den Schluss zu, dass die verwendeten Zündeinrichtungen möglicherweise nicht unproblematisch sind."

Der Kampfmittelräumdienst sieht dringenden Handlungsbedarf. Daher soll zur genauen Lokalisierung von Wrack, Bomben, Munition und Wrackteilen eine so genannte Side-Scan-Sonar-Aufnahme mit Schallwandlern durchgeführt werden. Dazu nimmt Horst Lenz mit entsprechenden Fachfirmen Kontakt auf. Auch soll hinsichtlich der Zünder weitere Archivrecherche Aufklärung bringen.

Danach soll dann über das weitere Vorgehen bezüglich einer Bergung entschieden werden. Zu Sofortmaßnahmen hat der Kampfmittelräumdienst bereits geraten. Die Taucherlaubnisse für die Stadt Koblenz, die DLRG und den Landesverband Sporttauchen hat die SGD Nord bereits zurückgenommen.

Segeln und Surfen sind allerdings aufgrund des großen Abstandes von Wassersportbereich zur Absturzstelle weiterhin möglich. Laut SGD wird der Bootsverleih ab sofort geschlossen, eine Verlegung in den Sportbereich ist geplant. Der Rundwanderweg kann jedoch weiterhin genutzt werden, hieß es am Donnerstagnachmittag aus Koblenz.

Kampfmittelräumdienst

"Drei, zwei, eins" zählen die Experten des Kampfmittelräumdienstes Rheinland-Pfalz, wenn sie auf freier Flur kontrolliert über ein langes Zündkabel Munition des Zweiten Weltkrieges sprengen. Oft entschärfen sie aber auch in Städten Blindgänger vor Ort mit Spezialwerkzeug - so wie am Mittwoch eine Fünf-Zentner-Bombe in Worms.

Mehr als sechs Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg bergen Bomben-Spezialisten in Deutschland immer noch jährlich mehrere hundert Tonnen Munition. Dazu zählen Bomben, Panzer- und Schützenminen, Artilleriemunition und anderer Sprengstoff. Experten schätzen, dass im Zweiten Weltkrieg rund ein Zehntel der über Deutschland abgeworfenen Bomben nicht explodiert ist. "Dafür gab es viele Gründe", sagt der Leiter des Kampfmittelräumdienstes Rheinland-Pfalz, Horst Lenz.

"Manchmal vereisten die Zünder der Bomben beim Abwurf aus 4 000 oder 5 000 Meter Höhe, so dass die Entsicherung nicht erfolgen konnte. Auch vergaß die Besatzung, die Sicherheitsschalter zu drücken. Oder die Bomben schlugen quer auf, obwohl sie nur am Kopf und am Heck Zünder hatten."

Zu den Schwerpunkten der Bombenabwürfe im Zweiten Weltkrieg zählten Großstädte, Industriegebiete, Verkehrsknoten und Zentren der Kampfhandlungen am Boden. Auch nach 1945 wurden noch Kampfmittel verstreut: bei der Sprengung von Munitionsfabriken und bei Manövern auf Truppenübungsplätzen.

Um die hochexplosiven Funde unschädlich zu machen, riskieren die Kampfmittelräumer für die Allgemeinheit ihr Leben. Seit Gründung der Bundesrepublik 1949 sind mehrere Dutzend von ihnen bei der Arbeit umgekommen. Der Kampfmittelräumdienst Rheinland-Pfalz zählt 16 Experten. Standorte sind Worms, Koblenz und Trier. Ihre Leit- und Koordinierungsstelle befindet sich in Koblenz.