Hennefer protestieren gegen 6 100 Kubikmeter Gülle

Malerische Natur, Wälder und Felder und nur wenige kleine Orte bestimmen das Bild des Höhenrückens zwischen Uckerath und Vierwinden. Diese Idylle sehen jetzt viele Menschen in Gefahr. In ihrer Nachbarschaft soll auf einer Wiese ein landwirtschaftlicher Großbetrieb mit 400 Rindern entstehen.

Hennef. Malerische Natur, Wälder und Felder und nur wenige kleine Orte bestimmen das Bild des Höhenrückens zwischen Uckerath und Vierwinden. Diese Idylle sehen jetzt viele Menschen in Orten wie Lückert, Eichholz, Darscheid, Hülscheid, Issertshof oder Kraheck in Gefahr. In ihrer Nachbarschaft soll auf einer Wiese ein landwirtschaftlicher Großbetrieb entstehen.

An der Straße "Am Krausenbaum" zwischen Eichholz und Lückert soll ein 123 Meter langer, 36 Meter breiter und 12,5 Meter hoher Stall für 404 Kühe entstehen. Gleich neben dem Mega-Stall (4 514 Quadratmeter) plant der Investor, ein Landwirt aus Ravenstein im Krabachtal, ein 80 Meter langes und 22 Meter breites Melkhaus.

In einem zweiten Bauabschnitt ist zudem ein weiter Großstall für noch einmal 404 Kühe vorgesehen. Zudem soll ein gigantischer Güllebehälter entstehen. Der acht Meter hohe und 30 Meter durchmessende Behälter soll 6 100 Kubikmeter Gülle fassen, teilte die Verwaltung kürzlich im Umweltausschuss mit. Ein entsprechender Bauantrag liegt derzeit beim Kreis vor.

"Für unsere Landschaft und unsere dörfliche Struktur ist so ein Projekt tödlich", sagt Georg Schambil, Vorsitzender des Heimatvereines Eichholz. Der Verein organisiert den Widerstand gegen das Bauprojekt und hat schon etliche Unterschriften gesammelt. Mehr als 90 Prozent der Einwohner der betroffenen Dörfer haben unterschrieben.

Derzeit klären Schambil und seine Mitstreiter die weitere Vorgehensweise mit einem Juristen ab. "Wir wollen klare Fakten und werden dann entscheiden, wie es weiter geht." Das wird bis Mitte Juli der Fall sein. Dann sollen die Bewohner der umliegenden Ortschaften in einer Bürgerversammlung über den Stand der Dinge informiert werden.

Eines möchte Schambil klarstellen: "Wir haben nichts gegen moderne Landwirtschaft, aber diese Dimensionen passen hier einfach nicht hin." Wegen der riesigen Dimensionen befürchten die Anwohner, dass es zu erheblichen Lärm- und Geruchsbelastungen im Umfeld des Mega-Stalles kommen könnte.

Unterstützung bekommt der Ravensteiner Landwirt unterdessen von der Landwirtschaftskammer NRW. "Das Bauvorhaben ist für den wachsenden Öko-Milchviehbetrieb dringend erforderlich, da durch diese Investition die geltenden gesetzlichen Bestimmungen im Öko-Landbau, zur Tierhaltung und zur Güllelagerung eingehalten werden", so Franz-Josef Schockemöhle, Chef der Landwirtschaftskammer für die Rheinkreise.

Derzeit hat der Ravensteiner Betrieb 176 Milchkühe und 230 Jungtiere. Schockemöhle: "Die vorhandenen Kapazitäten reichen bei weitem nicht mehr aus und entsprechen von daher nicht mehr den Vorgaben des ökologischen Landbaus."

Die Anwohner befürchten wegen der riesigen Dimensionen der geplanten Anlage nicht nur Lärm und Gestank, Sorgen machen ihnen auch Belästigungen durch Großfahrzeuge, die den Betrieb beliefern, die Milch abtransportieren sowie Mist und Gülle entsorgen. "Das wird unsere schmalen Straßen völlig überfordern", glaubt Schambil.

Die Stadt Hennef rechnet unterdessen frühestens mit einem Baubeginn im September, Der Bauantrag liegt zwar im Rathaus vor, es fehlen aber noch Unterlagen. Zudem habe die Diskussion im Umweltausschuss gezeigt, dass noch offene Fragen zu klären seien, etwa zum Immissionsschutz, so die Stadtverwaltung.