Bolzplätze in Bonn und der Region

Hauptsache, der Ball rollt

BONN. Zum Profifußballer hat's nicht gereicht? Im Verein ist alles zu straff organisiert? Thekenmannschaften legen ihren Fokus zu sehr aufs Glas, statt auf den Ball? Vielleicht deswegen gibt es sie noch, die echten Straßenfußballer in Bonn und der Region. In Sankt Augustin hat sich sogar ein Bolz-Club gegründet.

Es ist dieser Satz, der in ungezählten Varianten von Amateur- und Hobbykickern in den großen deutschen Fußballstadien zwischen Berlin und München wohl wöchentlich fällt: "Mit dem Ball, auf dem Rasen, mit den Mitspielern könnte ich das auch, was die Herren Profis da veranstalten." Dieses Selbstbewusstsein kommt  jedoch immer seltener von Vereinsfußballern. Die sind angesichts immer besserer Ausrüstung und noblen Kunstrasenteppichen auch in unteren Ligen in ihrem Anspruchsdenken längst entzaubert.

Die verkappten Messis und Ronaldos tummeln sich vor allem auf den Bolzplätzen und tragen die Trikots ihrer Idole mitunter nicht nur aus Spaß. Fernab von harten Trainingseinheiten, taktischen Zwängen und öffentlichem Druck wird hier noch befreit auf- und die Gegner reihenweise ausgespielt - auch wenn sie vielleicht manchmal nur imaginär sind. "Hast du gesehen? Wie Messi!" Klar!

Eine wichtige Eigenschaft des Bolzplatz-Kickers ist, höchste Ansprüche an sich, aber nicht an den Platz zu stellen. Denn die Anlagen sind so unterschiedlich, wie die Menschen, die auf ihnen zusammenkommen. Das fängt an mit dem Belag: Von altem Naturrasen über Asche, Teer und Gummibelag bis hin zu modernem Kunstrasen ist alles vorhanden. Mal mit, mal ohne Markierungen. Ein bunter Flickenteppich der Bolzplätze zieht sich auch durch unsere Region.  (siehe Karte unten).

Auch die Beschaffenheit der Tore sollte den passionierten Hobbykicker nicht kümmern. Dicke, runde Holzpfeiler, Metallgestänge, alte Handballtore (meistens ohne Netz) oder Striche an einer Wand - Hauptsache die Kugel rollt. Mancherorts ist aus der ablehnenden Haltung gegenüber organisiertem Fußball ein regelrechter Bolz-Fetisch geworden.

In Sankt Augustin hat sich 2006 sogar ein offizieller eingetragener Verein gegründet: Der 1. Bolzplatz-Verein Sankt Augustin trifft sich jeden Sonntag, um zwei Stunden auf Asche zu kicken. Teilweise tummeln sich bis zu 20 Mann auf dem Feld in Niederpleis, das gerade einmal 44 mal 25 Meter misst. "Wir wollen aber nicht auf den großen Platz", sagt Hans-Jürgen Kandzia. Er organisiert den Verein und ist "auf dem Bolzplatz hängen geblieben", wie er sagt. Seit 35 Jahren spielt er Fußball. Seit 35 Jahren auf Bolzplätzen.

Die Hobby-Fußballer, die in Sankt Augustin zusammen kommen, sind zwischen 13 und 60 Jahre alt. Der harte Kern ist seit mehr als zehn Jahren zusammen. Einige haben in Mülldorf sogar einen Bolzplatz gebaut, berichtet Kandzia. Seit 17 Jahren trifft sich die Truppe aber nun schon am Schützenweg in Niederpleis. "Nur bei strömendem Regen spielen wir nicht", sagt Kandzia. Dann ist die Asche einfach zu aufgeweicht.

Kommen würden immer Leute. Im Winter sind sind es meist acht bis zehn Mann. "Absagen sind selten", sagt Kandzia. Zur Not werden Pfützen auch mal mit Tüten selbst abgeschöpft. Im Sommer wird es wiederum teilweise so staubig, dass man das gegenüberliegende Tor nicht sehen kann.

Das besondere ist an den Bolzplatz-Kickern ist: Es gibt keine festen Teams, es wird nicht getreten, der Spaß steht im Vordergrund. "Wir möchten einfach einen schönen Ball spielen", sagt Kandzia. Und ergänzt: "Das will ich auch mit 70 noch." So ganz nach Messi oder Ronaldo sieht das dann wohl nicht mehr aus. Aber die Hauptsache ist eben, dass der Ball rollt. Auf dem Bolzplatz.

Die Karte zeigt (fast) alle Bolzplätze in Bonn und der Region. Sollten Sie einen Bolzplatz kennen, den wir vergessen haben, mailen Sie uns einfach: online@ga-bonn.de.