GA-Serie "Rheinische Redensarten"

Hück kütt de Altrüüscher

Heute kommt der Lumpensammler

Heute kommt der Lumpensammler

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir bedeutungstiefe Redewendungen.

Es gibt alte Formulierungen, die bereits ganz aus der Mode gekommen zu sein schienen. Aber wie das immer so ist mit modischen Strömungen: Es kommt vieles wieder. So ist das auch mit dem Satz: „Hück kütt de Altrüüscher.“ Auf den ersten Blick sticht eine phonetische Auffälligkeit ins Auge: Die vielen Üs. Das gibt es wohl nur im Türkischen und Rheinischen und führt zu einem sehr speziellen Hörerlebnis.

Abgesehen davon heißt der Satz ins Hochdeutsche übersetzt: Heute kommt der Lumpensammler. Wobei mit Lumpen eigentlich neben Lappen und Papier der metallische Schrott gemeint ist.

Wer in der Altersklasse ist, dass er den Lumpensammler noch selbst erlebt hat, der hat das Bild vor Augen: Alle paar Monate hörte man schon von weitem eine Handglocke läuten. Und auf einem Anhänger, der wahlweise von einem Pferdegespann oder eine motorisierten Fräse gezogen wurde, kam der Lumpensammler langsam durch die Straße gezogen.

Natürlich wusste jeder, wann er kam und hatte schon etwaigen Schrott bereitgelegt. Man muss nicht erwähnen, dass Müll und Schrott damals noch nicht Wertstoff hieß, und die kommunale Müllannahmestelle noch nicht Wertstoffhof. Was nicht mehr brauchbar war, war Müll, und von dem trennte man sich gerne.

Und weil solcher Art das Geld auf der Straße liegt, das wusste man schon immer, fahren die Lumpensammler am Ende des Tages die dicksten Autos. Das Geschäft mit altem Eisen ist eben lukrativ. Und das gilt heute mehr denn je. Der Weltmarkt braucht Metall, und so steigt auch dessen Preis stetig. Die Polizeimeldungen, die die Presse erreichen, berichten von abmontierten Oberleitungen, Metallzäunen und sogar Schienen. Es scheint sich zu lohnen.

Woraus sich der Begriff Altrüüscher entwickelt hat, ist indes nicht ganz eindeutig. Sprachforscher weisen auf das mittelhochdeutsche Wort „Altriuze“ hin, das einen Schuhflicker bezeichnete und im Oberdeutschen noch als „Altreise“ für Altwarenhändler existiert. Im Rheinischen hat man noch ein weiteres Synonym für den Altrüüscher, das ist der Klüngelskerl. Und vom Klüngel versteht man ja etwas in Köln.

Haben auch Sie einen rheinischen Lieblingsspruch, dann mailen Sie ihn uns unter rheinisch@ga-bonn.de. Die „Rheinischen Redensarten“ aus der wöchentlichen Kolumnenserie des General-Anzeigers sind als Buch erschienen und im Handel zu haben.