Gustav Heinemann machte den Anfang

Der Bundespräsident trug sich als Erster in das Goldene Buch der Stadt Rheinbach ein - Bis heute folgten ihm 45 verdiente Persönlichkeiten aus den Bereichen Politik, Kirche, Kunst und Sport

Rheinbach. Der Schutzkarton wirkt eher unscheinbar. Doch als Rheinbachs Stadtsprecher Peter Feuser hineingreift und das edle Stück in A3-Format hinauszieht, wird keine Erwartung enttäuscht. Genau so stellt man sich ein Goldenes Buch vor. Der Buchdeckel ist aus hochwertigem Karton und in vornehmem Beige gehalten. Das Meisterstück stammt von Manfred Färber, der damals die Buchbinderei der Justizvollzugsanstalt Rheinbach leitete, und es eigens für diesen Zweck anfertigte.

Versehen ist das Goldene Buch mit einem künstlerischen Emblem, das ebenso wie die Beschriftung von dem Rheinbacher Künstler und Architekten Klaus Kerwer stammt. Ob die silbrigen und goldfarbenen Applikationen tatsächlich echt sind, kann Feuser nicht sagen. Viele hatten es schon in der Hand, das zeigen dezente Gebrauchsspuren.

In altdeutscher Schrift mit schwarzer Tinte geschrieben, heißt es in der Einleitung: "Herr Dr. Heinemann stattet am 11. März 1974 der Stadt Rheinbach einen Besuch ab. Anlässlich dieses Besuches eröffnet die Stadt Rheinbach dieses Buch." Darauf folgt eine große Schwarzweißfotografie des ehemaligen Bundespräsidenten samt seiner Unterschrift und auf der nächsten Seite das seiner Frau Hilde. "Bis heute haben sich in das Goldene Buch der Stadt Rheinbach 46 verdiente Persönlichkeiten eingetragen. Wir gehen sehr restriktiv damit um", so Feuser.

Wer glaubt, mit dem Goldenen Buch so eine Art Autogramm-Sammlung aller Prominenten zu finden, die jemals Rheinbach besuchten, wird enttäuscht. Einfach nur prominent zu sein, reicht nicht aus, um sich hier in Wort und Bild verewigen zu können. "Alle, die sich hier eingetragen haben, sind Menschen, die mit Rheinbach auf eine besondere Art verbunden sind."

Zu diesen zählen allen voran natürlich die drei Ehrenbürger der Stadt: Heinz Büttgenbach, Heinrich Kalenberg und Hans Schellenberger, aber auch Martin Nagel, der sich 1998 als Landesmeister des Glaser-Innungsverbands eintrug, Ex-Landrat Franz Möller, Kirchenvertreter sowie das Künstlerehepaar Margit und Otto Mahler, dem das Glasmuseum heute noch seine Sammlung verdankt.

Auch Angehörige der Bundeswehr, so beispielsweise Brigadegeneral Hans Günter Kannegießer, Generalmajor Fritz von Westermann und Brigadegeneral Dieter Hommer, die sich 1980 eintrugen, finden sich auf den Seiten, die sich in den vergangenen 30 Jahren gefüllt haben, ebenso die Bürgermeister und Vertreter der Partnerschaftsstädte Deinze und Villeneuve lez Avignon. "Zur Bundeswehr hat die Stadt Rheinbach eine besondere Verbindung: Sie trägt seit Bestehen der Bundeswehr hier, also seit über 50 Jahren, die Patenschaft über sie. Alles, was bei der Bundeswehr Rang und Namen hatte, wohnte früher in Rheinbach", sagt Feuser.

Verdiente Musiker und Sportler aus Rheinbach sind ebenfalls vertreten, so Pascal Sticklies, der im Jahr 2000 mit seinem Gitarren-Solo den Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" gewann und David Kopp vom VfL Rheinbach, der 1997 Deutscher Meister im Einer-Straßenfahren der Junioren wurde. Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln, trug sich im Jahr 2004 ein, als er zur Firmung Rheinbach besuchte.

Zwischen all diesen Namen finden sich natürlich auch Promis, so Hans-Dietrich und Barbara Genscher, Mildred Scheel, Wolfgang Clement sowie Johannes Rau. Weniger bekannt sind Shing Dong-Won, der 1990 als Botschafter der Republik Korea die Glasstadt besuchte sowie Vittorio Farraris, Botschafter Italiens.

Ihre Verbindungen zu Rheinbach kommen vor allem durch die Nähe zu Bonn zu Stande. "Als Bonn noch Bundeshauptstadt war, lag Rheinbach einfach als Ausflugsziel für Staatsbesuche nahe", so Feuser. Gerade die Gattinnen kamen in die Glasstadt, um dort zu bummeln oder das Museum zu besuchen.

Der letzte Eintrag ist inzwischen schon fast zwei Jahre her: Pater Norbert Hannappel SAC als Vertreter der Provinzial der Norddeutschen Pallottinerprovinz von der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, Limburg/Lahn fand 2004 den Weg ins Rathaus, um sich dort ins Goldene Buch einzutragen. Wer der nächste Kandidat ist, ist noch offen. "Das planen wir nicht." Bis dahin jedenfalls bleibt das Buch in einem Tresor unter Verschluss.

Der General-Anzeiger stellt in lockerer Folge die Goldenen Bücher der Städte Rheinbach und Bornheim sowie der Gemeinden Swisttal und Alfter vor. Die Stadt Meckenheim war an einer Berichterstattung nicht interessiert.