Grass machte Günther Scholl durch die Blechtrommel bekannt

Er galt als Maler und Mahner, der in den 80er Jahren mit seiner Kunst gegen den Abriss und die Verunstaltung alter Fachwerkhäuser in Hersel und Uedorf ankämpfte: Günther Scholl. Am 5. September ist der Herseler nach langer Krankheit im Alter von 88 Jahren gestorben.

Bornheim-Hersel. (ks) Er galt als Maler und Mahner, der in den 80er Jahren mit seiner Kunst gegen den Abriss und die Verunstaltung alter Fachwerkhäuser in Hersel und Uedorf ankämpfte: Günther Scholl.

Am 5. September ist der Herseler, der die meiste Zeit in dem italienischen Bergdörfchen Casesi oberhalb von Viareggio wohnte, nach langer Krankheit im Alter von 88 Jahren gestorben. Sein Talent war schon früh erkennbar: Bereits als er 14 Jahre alt war, druckte die Lokalzeitung im westfälischen Hagen, wo Scholl aufwuchs, eine Federzeichnung von ihm.

Nach dem Krieg und später als Kunststudent in München und Düsseldorf verkaufte er Bilder, um davon zu leben. In Düsseldorf war es auch, wo er an der Kunstakademie Günter Grass kennenlernte. Und 1952 stellte er in der Stadt mit den damals noch unbekannten Künstlern Joseph Beuys, Herbert Zangs und Otto Piene aus.

1955 wurde Günther Scholl Kunsterzieher am Bonner Beethoven-Gymnasium und blieb es - 32 Jahre lang. "Scholli", so sein Spitzname, unterrichtete dabei auf eine ganz eigene Art und Weise. In seinem Kunstkeller voller Wartesaalbänken, Fotolabor, Schlafgelegenheit und altem Grammophon, den Beuys "Organstation" getauft hatte, konnten die Schüler kommen, wann immer sie wollten.

Bekannt wurde er durch seine Aquarellbilder. Berühmt aber machte ihn Günter Grass, der ihm mit einer Nebenfigur in "Die Blechtrommel" ein Denkmal setzte. Als Gitarrist "Scholle", der mit Oskar Matzerath in einem Jazz-Trio spielt, taucht er in dem Roman auf. Genau das machte ihn "ein bisschen traurig", wie er dem General-Anzeiger an seinem 80. Geburtstag gesagt hatte. Schließlich mache ihn doch viel mehr aus.