Glanz und Gloria im Königswinterer Hotel Loreley

Ein Schock. Eigentlich sollte das Hotel am Rheinufer unter dem Namen "Zum Goldenen Drachen" bald eröffnet werden. Da stürzte am 1. Oktober 1893 die Nordseite des Rohbaus zusammen.

Königswinter. Ein Schock. Eigentlich sollte das Hotel am Rheinufer unter dem Namen "Zum Goldenen Drachen" bald eröffnet werden. Da stürzte am 1. Oktober 1893 die Nordseite des Rohbaus zusammen. Ein Fotograf hielt die Ruine und die Schaulustigen im Sonntagsstaat für die Nachwelt fest.

Unter strengen Maßregeln wurden die Bauarbeiten fortgesetzt. Mit fünf Stockwerken überragte die Herberge mit der vier Meter hohen Siegfried-Statue auf der Kuppel sämtliche Gebäude. Für den 9. Mai 1895 konnte Bauherr Hubert Wilhelm Wagner dann endlich zur Eröffnung einladen: ins Hotel "Monopol". Ein neuer Name ließ vielleicht den Zwischenfall vergessen, und außerdem passte er doch auch viel besser zum pompösen Stil des wilhelminischen Neobarocks.

Der Reporter vom "Echo des Siebengebirges" lobte den "imposanten und doch in gefälliger und gracieuser Gliederung kühn empor steigenden Bau", den "hohen Kunstsinn und Geschmack" der Inneneinrichtung mit Malerei, Vergoldung, Fensterdekorationen, reicher Ornamentierung und breiter Marmortreppe.

Es ereignete sich noch eine Katastrophe in der Geschichte des Hotels, die Manfred Maderer zu ihm hinführte. Längst trug es einen neuen Namen. Es firmierte unter "Rheinhotel Loreley", seitdem der Deutsche Beamtenwirtschaftsbund 1925 das Schmuckstück kaufte und sogleich den Drachentöter Siegfried "köpfte". 1972 hatte Maderers Mutter Carola das Hotel gepachtet, es zwei Jahre später erworben.

"Am 2. August 1982 vernichtete ein Brand den Dachstuhl und die beiden oberen Etagen. Am 3. August bin ich hier eingestiegen", erinnert sich Manfred Maderer (72), der mittlerweile das Ruder an Tochter Diana (45) übergab. Die Liebe zu dem nun 115 Jahre alten Hotel ist beiden zu eigen. Auch das Interesse an seiner Historie verbindet sie.

Etliche Unterlagen sind erhalten. Die Gästeliste des Hotelbuchs der Jahre 1899 bis 1901 liest sich wie der "Gotha". Im "Monopol" stieg der Adel und Hochadel ab. Suiten und Zimmer, die Familie Maderer stilvoll restaurieren ließ, tragen heute einige ihrer Namen. Zu Pfingsten 1899 logierten die holländische Königin Wilhelmina und Königinmutter Emma hier.

Sie besuchten die in der Sommerfrische in Honnef weilende Königin Sophie von Schweden, dinierten anschließend mit ihr im "Monopol". Wilhelm II. war da, Fürsten, Herzöge, Grafen kamen. Kaum hatte Gastronom F. Henrion 1898 das "Monopol" übernommen, bat er Bürgermeister Kreitz, mit in die Reihe jener Hotels aufgenommen zu werden, die Festessen zum Kaiser-Geburtstag am 27. Januar 1899 ausrichten dürfen. Wurde gestattet, er musste aber sämtliche Kosten tragen.

Vier Jahre später gab es nicht nur einen neuen Direktor, sondern auch einen erweiterten Namen: "Hotel Monopol-Metropole". Und 1911 einen Besitzerwechsel, verbunden mit der Hoffnung auf alten Glanz. In der Säulenhalle des Erdgeschosses wurde ein Wiener Café eingerichtet.

Nach dem Krieg hatte das Hotel ein Intermezzo als "Haus Spangenberg", benannt nach dem zeitweiligen Eigentümer. Anschließend begann die Ära "Loreley" mit Zentralheizung und Auto-Boxen. Im Zweiten Weltkrieg war eine Abteilung der Uniklinik Lindenburg in die "Loreley" ausgelagert.

1947: die Freigabe. Die Bavaria-Crew mit O.W. Fischer und Ruth Leuwerik wohnte 1953 während der Dreharbeiten zum Film "Ein Herz spielt falsch" hier. Nach Familie Horn, die ab 1933 das Sagen in der "Loreley" hatte, setzt nun Familie Maderer seit fast vier Jahrzehnten dem Haus den Stempel auf. Durch den Abriss eines benachbarten Gebäudes schuf sie Parkfläche und weitere Zimmer.

Das Restaurant im Erdgeschoss taufte sie nicht nur auf "Monopol", sondern gab ihm auch entsprechenden Glanz. Das Restaurant "Wintergarten" wurde abgetragen und neu angebaut. Restaurateure nahmen sich der reichen Stuckelemente und Deckenmalereien im Foyer und Kaisersaal an.

An der Außenfassade kommt eine eigens für den Kölner Dom entwickelte Speziallösung zum Einsatz. "Weil die Witterungseinflüsse den Natursandstein angreifen", so Manfred Maderer. Ein sehr teures Verfahren. Aber seine "Loreley" ist es ihm wert.