Gefängnis-Psychologe ist nicht mehr suspendiert

57-Jähriger steht nicht mehr im Verdacht, Fotos aus den Siegburger Akten an Medien verkauft zu haben

Siegburg. Seit mehr als 15 Jahren kümmert sich der 57-jährige Psychologe im Rang eines Regierungsrats in der Siegburger Justizvollzugsanstalt um die Gefangenen.

Er geriet nach dem Foltermord an einem 20-jährigen Häftling am 11. November in den Verdacht, Fotos der drei mutmaßlichen Täter an die Boulevard-Presse verkauft zu haben ( der GA berichtete).

Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren gegen ihn ein, er wurde vom Dienst suspendiert, und erst jetzt, vier Wochen später, ist der Spuk für ihn vorbei: Das NRW-Justizministerium hob am Donnerstag die Suspendierung auf, wie sein Verteidiger Christoph Arnold mitteilt.

Der Bonner Anwalt bezeichnete die Vorwürfe gegen seinen Mandanten von Anfang als absurd angesichts der engagierten Arbeit des Psychologen, der durch sein Interesse an den Nachrichten über den Fall in den Verdacht geraten sei:

Nach der Tat habe der Psychologe im Internet auch die Meldungen in dem fraglichen Boulevard-Blatt angesehen und sich dort versehentlich eingeklickt. In der Folge sei er als einziger der fünf JVA-Beamten, gegen die im Zusammenhang mit dem Mord ermittelt werde, suspendiert worden.

Was für den Anwalt ein Skandal ist: Es sei noch weiter gegen den Psychologen ermittelt worden, nachdem ihn der System-Administrator der JVA vollkommen entlastet habe. Erst als er, der Anwalt, die entlastenden Beweise dem Ministerium habe zukommen lassen, habe man erkannt, dass er unschuldig ist und die Suspendierung aufgehoben.

Arnold geht davon aus, dass die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen den 57-Jährigen so schnell wie möglich einstellt. Das wurde dort am Freitag nicht dementiert.