Gebürtige Bonnerin Judith Merchant erhält für Kurzkrimi begehrten Friedrich-Glauser-Preis

Auf Herz und Schmerz folgt Mord

Niederdollendorf. (oro) Sie gehört zur "ehrenwerten Gesellschaft". Und jetzt nimmt Judith Merchant im "Syndikat" auch noch eine mordsmäßige Position ein.

Die 32-Jährige wurde von dieser Autorengruppe deutschsprachiger Kriminalliteratur mit dem Friedrich-Glauser-Preis 2009 in der Sparte "Kurzkrimi" ausgezeichnet. Der "Glauser" ist so etwas wie der Ritterschlag für kriminalistische Federfüchse.

Mit ihrer Geschichte "Monopoly" war die Niederdollendorferin bereits für den Kärntner Krimipreis nominiert worden. Zusammen mit weiteren Arbeiten aus der Finalrunde erschien damals ihr zwölf Seiten langer Text in der Anthologie "Money - Geschichten von schönen Scheinen".

Judith Merchant bewarb sich damit auch beim "Syndikat" und "überrundete" diesmal bei der Bewertung auch die Kärntner Sieger. "Ich bin sehr glücklich über den Preis", freut sich die Mama eines dreijährigen Sohnes. "Allein die Nominierung ist eine große Ehre."

Das Syndikat Dem "Syndikat" gehören über 500 Krimiautoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an, darunter auch Eifel-Autor Jacques Berndorf. Dieses Autorennetzwerk wurde 1986 gegründet. Ziel ist die Förderung der Kriminalliteratur. Bei der jährlichen "Criminale" finden fünf Tage lang Lesungen statt. Höhepunkt ist der "Tango Criminale", bei dem die Clauser-Preise vergeben werden. Diese Auszeichnung wurde benannt nach dem Schweizer Schriftsteller Friedrich Clauser (1896-1938), der mit Wachtmeister Studer 1936 eine der ersten Detektivgestalten schuf.

Vorgegangen wird wie bei der Oscar-Verleihung. Fünf Autoren werden in jeder Kategorie ernannt. Erst beim "Tango Criminale", dem Höhepunkt des jährlichen Zusammentreffens der Schriftsteller, werden die Preisträger bekanntgegeben. "Ich hatte nicht damit gerechnet, denn da waren Bestseller-Autoren wie Sandra Lüpkes oder Sebastian Fitzek mit im Rennen. Für mich als Neuling in der Krimiszene ist das ein unglaublicher Erfolg", kann Merchant ihren Triumph noch nicht richtig fassen.

Bemerkenswert auch, wie die Jury urteilte über die alte Geschichte von enttäuschter Liebe und von der gekränkten Frau, die zur Rache schreitet: "Wie ein Wirbelwind stürmt ihre Protagonistin voran, mit nichts als einem roten Mantel bekleidet. Der Leser hat kaum Zeit innezuhalten, ob er will oder nicht, er muss Schritt halten mit dem schwungvollen, frischen Erzählton, den Judith Merchant vorgibt. Auch die raffinierte Erzählstruktur hält den Leser gefangen, ein Liebesgeständnis löst einen Mord aus, eine harmlose Nachricht auf dem Anrufbeantworter kontrastiert die blutigen Details. Ganz nebenbei entsteht das überaus genaue Porträt einer jungen Frau, die sowohl selbstbestimmt als auch in ihren eigenen Klischees gefangen ist."

Ausgerechnet eine Schreibblockade hatte die Germanistin zum Krimischreiben geführt. Merchant saß an ihrer Doktorarbeit über Hysterie bei Goethe und Fontane, als es irgendwie nicht weiterging. Und so verlegte sie sich zunächst auf das Verfassen von Geschichten.

Vorher hatte sie schon mal einen Groschenroman zu Papier gebracht. "Ich wollte mal sehen, ob ich es kann." Herz und Schmerz folgte Mord. "Monopoly" war Merchants zweiter Kurzkrimi. Ein weiterer liegt schon in der Schublade.

Ein Kriminalroman ist in Arbeit. Der Inhalt? Die Antwort ist geheimnisvolles Schweigen. "Mehr als Mord wird nicht verraten." Und: "Der Glauser-Preis ist ein ungeheurer Ansporn für mich." Was ihn so besonders wertvoll macht? "Ich hoffe, dass er mir die Suche nach einem Verlag erleichtert", sagt die in Bonn geborene und in Sankt Augustin aufgewachsene Autorin.

Bis auf zwei Semester in Münster studierte sie in ihrer Heimatstadt. Am Germanistischen Seminar der Uni Bonn ist sie mittlerweile Lehrbeauftragte, wirkt als Dozentin in der Erwachsenenbildung und schloss sich zudem der Vereinigung von Krimiautorinnen an, die sich "Mörderische Schwestern" nennen.