GA-Serie "Haus-Besuch": Auf den Spuren der Traube

Mit dem Blick hinter die Fassade des Rhöndorfer Weinguts Broel

Rhöndorf. Feierlich hat sich die Reisegesellschaft vor der Tür des Weingutes Broel aufgereiht, für den Fotografen, der an diesem sonnigen Tag am Anfang des 20. Jahrhunderts ein Erinnerungsbild schießt. Viele Frauen haben in ihren aufwendig geschnittenen Kleidern auf Stühlen Platz genommen. Ihre Männer stehen lässig in eleganten Anzügen neben ihnen.

Hinten rechts, in der letzten Reihe ist der Kopf eines Mannes mit Schnäuzer zu sehen - fast so als würde er sich verstecken hinter seinen erhabenen Gästen. Es ist Karl Broel, der Gründer des Rhöndorfer Weingutes.

103 Jahre später: Behutsam legt Karl Heinz Broel das gerahmte Foto seines Großvaters und der Reisegesellschaft auf das Pult in seinem Büro. "Das Bild stammt von 1906. So alt ist das Haus also auf jeden Fall", sagt der 59-Jährige. Wer in die Vergangenheit des Weingutes eintauchen will, der steht schon am Eingang buchstäblich mittendrin.

Über der doppelflügeligen Eingangstür steht seit eh und je in geschwungenen Lettern geschrieben: "Es ist besser die Entdeckung einer Flasche als die eines Sterns." Das Universum des Weingeschmacks erforscht die Familie schon seit über 250 Jahren. "Ich sage immer, dass wir seit 1742 Wein in Rhöndorf anbauen, auch wenn dieses Haus viel später gebaut wurde", erzählt Karl Heinz Broel.

Der Familie gehörte ursprünglich das Hotel "Wolkenburg", schräg gegenüber des heutigen Winzerhauses. Im Keller produzierten und lagerten Broels den Wein. "Bis die Eisenbahntrasse gebaut wurde", sagt der Winzer.

Durch den Schienenanschluss entdeckten immer mehr Gäste Rhöndorf und Bad Honnef. Industrielle aus dem Ruhrgebiet zum Beispiel, die, umgeben vom sagenumwobenen Rhein und dem romantischen Siebengebirge, gerne ihren Urlaub verbrachten.

Der Platz im Hotel wurde eng, Karl Broel entschloss sich, die Weinproduktion auszulagern. Und was bot sich da besser an als ein Haus ganz in der Nähe mit Blick auf die eigenen Weinberge am Drachenfels?

Viele der Maschinen von damals stehen noch heute in den Räumen an der Karl-Broel-Straße. Wie der gusseiserne Kettenaufzug der Deutschen Maschinen Aktiengesellschaft, mit dem Karl Broel und seine Helfer die Flaschen ins Erdgeschoss zogen. Wie der "Packtisch" aus Eiche, auf dem sie den Wein in Kisten und Kartons verstauten. Oder wie die schwarz glänzende Continental-Schreibmaschine, auf der sein Großvater die Korrespondenz führte.

"Unseren Gästen gefällt es, in die Geschichte des Hauses einzutauchen", sagt Karl Heinz Broel und ergänzt sogleich: "Die Weinherstellung läuft natürlich trotzdem nach modernsten Gesichtspunkten." Aber wann ist das Gebäude nun gebaut worden? Eine schriftliche Quelle dazu hat der Enkel nicht zur Hand. Aber aus Erzählungen weiß er: 1899 soll das Haus gebaut worden sein.

Die Gäste kommen seitdem von weit her. Auch aus dem Ruhrgebiet, das für Karl Heinz Broel gar nicht so fern ist. Sein Vater, Theodor Broel, war kein Winzer, sondern Bergbau-Ingenieur und arbeitete im Siegerland. Karl Heinz Broel kann sich noch gut daran erinnern, wie er als Kind im großen Winzerhaus verstecken spielte mit seiner Schwester.

Mit 30 Jahren entschloss er sich, den Betrieb von Wilhelm Heinen, dem zweiten Mann seiner Großmutter, zu übernehmen und damit zu den Wurzeln der Familie zurückzukehren. Das Fortbestehen der zweieinhalb Jahrhunderte alten Winzertradition ist bereits gesichert, berichtet Broel: Sein Neffe, der Sohn seiner Schwester, möchte den Betrieb später sehr gerne übernehmen.

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