Erfolgreiches Crowdfunding Projekt in Beuel

Flüchtlingsreportagen für alle im offenen Bücherschrank

Rechtzeitig zum Tag des Flüchtlings ist der Bücherschrank mit 352 Exemplaren der Reportage von Wolfgang Bauer bestückt. Die Initiatorinnen Nadine Neuse (6. v.l.) und Claudia Stiehm (7.v.l.) danken Spendern und Helfern FOTO: . RAINER SCHMIDT

Rechtzeitig zum Tag des Flüchtlings ist der Bücherschrank mit 352 Exemplaren der Reportage von Wolfgang Bauer bestückt. Die Initiatorinnen Nadine Neuse (6. v.l.) und Claudia Stiehm (7.v.l.) danken Spendern und Helfern.

BEUEL. Eine Punktlandung gelang Nadine Neuse und Claudia Stiehm, als sie am Donnerstagabend den Bücherschrank am Beueler Rheinufer mit dem Buch "Über das Meer" von Wolfgang Bauer bestücken konnten.

Denn am heutigen Freitag ist der Tag des Flüchtlings. Und genau an diesem Tag wollten die beiden diese für sie besondere Literatur, das im Untertitel "Mit Syrern auf der Flucht nach Europa" heißt, den interessierten Lesern präsentieren. Und weil sie von Bauers Reportage so beeindruckt waren, war es ihr Ziel, den ganzen Schrank nur mit diesem Buch zu befüllen.

Dazu hatten sie über ein Online-Crowdfunding, wie man heutzutage die Geldbeschaffung zur Umsetzung von Geschäftsideen oder Projekten nennt, um Spenden gebeten (der General-Anzeiger berichtete). Noch Anfang September war nicht klar, ob sie ihr Ziel, den Bücherschrank vollständig mit Exemplaren befüllen zu können, erreichen würden. Doch mit Hilfe von 71 Spenderinnen und Spendern sowie durch Entgegenkommen des Suhrkamp-Verlages und des Autors haben es die beiden jungen Frauen hinbekommen, 352 Exemplare des Buches pünktlich zu beschaffen.

Gestern Nachmittag räumten sie alle Bücher aus dem Bücherschrank aus und bestückten diesen nur mit dem Buch über Fluchtschicksale. "Das sieht ja aus," meinte ein Passant beim Anblick der Bücherrücken, "wie ein Kunstwerk." Stimmt, denn das dunkle Wasser, der Abendhimmel und die Lichter einer Küstenstadt machten schon etwas her.

Der Fotograf Stanislav Krupar war mit dem Autor Wolfgang Bauer zusammen unterwegs und hat dieses eindrucksvolle düstere Bild eingefangen. "Niemals zuvor ist es unserer Ansicht nach einem Autor gelungen, dem Schrecken der Flüchtlingskatastrophe so intensiv ins Gesicht zu sehen und Europas Mittelmeer als Schauplatz seines Versagens zu zeigen", betonten Neuse und Stiehm.Beide schätzen den Bücherschrank in Beuel am Rheinufer als einen Austauschort für offene Bücherinteressenten. Der Bücherschrank, der der Bürgerstiftung Bonn gehört, wurde von Jürgen Reske, dem Geschäftsführer der Bürgerstiftung, gern zur Verfügung gestellt.

"Viele, die das Buch lesen, werden danach in Bonn Flüchtlingen oder Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit helfen wollen", ist sich Reske sicher und ergänzte: "Den Initiatorinnen danke ich für ihr großes Engagement und gratuliere zum erfolgreichen Crowdfunding." Zum Tag des Flüchtlings ist zwar kurzzeitig die Auswahl im Bücherschrankes auf dieses Buch reduziert. Doch das ist genau mit dieser Aktion gewollt. Jeder, der mag soll sich mit diesem Thema beschäftigen können.