Migranten in Bonner Südstadt

Flüchtlinge ziehen in die Ermekeilkaserne

Eine Übersicht über die Bauarbeiten in der Flüchtlingsunterkunft in der Ermekeilkaserne verschafft sich Georg Fenninger. FOTO: NICOLAS OTTERSBACH

Eine Übersicht über die Bauarbeiten in der Flüchtlingsunterkunft in der Ermekeilkaserne verschafft sich Georg Fenninger.

BONN. Ab Samstag betreut das Rote Kreuz die ersten von 300 Migranten in der Bonner Südstadt. Gut einen Monat früher als geplant sollen bereits am Samstag die ersten 100 Flüchtlinge in die Ermekeilkaserne einziehen.

Damit reagiert die Bezirksregierung Köln, die verantwortlich für die neue Unterkunft zeichnet, auf den ungebrochen hohen Zustrom an Flüchtlingen in diesen Tagen in NRW.

Die Vorverlegung des Einzugstermins ist allerdings eine große Herausforderung für das Deutsche Rote Kreuz (DRK), räumte DRK-Kreisverbandschef Georg Fenninger am Montag ein. Erst vor wenigen Tagen hat das DRK Nordrhein den Vertrag für den Betrieb des Flüchtlingsquartiers in der Südstadt unterschrieben.

Weil bis auf den Sicherheitsdienst und den Essenslieferanten noch nicht genügend hauptamtliche Mitarbeiter bereitstehen, sollen die ersten Tage zusätzlich mit Hilfe von ehrenamtlichen Helfern des DRK-Kreisverbands Bonn überbrückt werden. Fenninger ist deshalb ganz froh, dass der Einzug an einem Wochenende erfolgen soll. "Da ist es für die meisten unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter natürlich leichter einzuspringen", sagte er.

Trotzdem macht er sich nichts vor: "Das wird sicher ein holpriger Anfang." In dieser Annahme bestätigt fühlte er sich, als er am Nachmittag der Kaserne noch einmal einen Besuch abstattete, um zu sehen, wie weit die Umbauarbeiten gediehen sind. "Die Arbeiter sind noch voll im Gange", stellte er fest, "ich hoffe aber, dass bis Samstag die Räume soweit fertiggestellt sind, dass die Menschen ohne größere Probleme einziehen können".

Von 1955 bis zum Sommer 2013 nutzte die Bundeswehr die Gebäude und das gut 25.000 Quadratmeter große Areal der Ermekeilkaserne. Insgesamt will die Bezirksregierung Köln in einem Teil der Gebäude 300 Flüchtlinge unterbringen. "Es handelt sich nicht um eine Erstunterkunft, wo die Flüchtlinge registriert und medizinisch untersucht werden", erklärte Freia Johannsen von der Bezirksregierung. Die Ermekeilkaserne sei wie die Unterkunft in Muffendorf der nächste Schritt: Eine zentrale Unterbringungseinrichtung, in der die Flüchtlinge bis zu ihrer Verteilung auf die Kommunen mehrere Wochen leben sollen.

Anders als in den Gemeinschaftsunterkünften wie etwa im Paulusheim in Endenich, werden die Flüchtlinge in der Südstadt demnach in Mehrbettzimmern untergebracht, wobei auf Familien Rücksicht genommen werde, so Johannsen. Außerdem werden sie gemeinschaftlich verköstigt.

Dafür und auch für die Betreuung der Menschen ist fortan das DRK zuständig. Fenninger ist auch froh, dass das DRK dabei auf tatkräftige Unterstützung der Kirchen, Vereine und verschiedenen Initiativen rund um die Kaserne bauen kann. "Wir haben uns gut vernetzt und warten jetzt darauf, dass uns das DRK sagt, wo und wie wir helfen können", sagte Lutherkirchen-Pfarrerin Ulrike Veermann. Sie ist überzeugt: "Die Menschen hier wollen alles tun, damit die Flüchtlinge sich angenommen fühlen."

Eine ursprünglich für nach den Sommerferien geplante Bürgerversammlung hat das DRK nun aufgrund der aktuellen Entwicklung für Donnerstag, 30. Juli, terminiert. Ab 19.30 Uhr informieren Vertreter des DRK und der Bezirksregierung im Gemeindesaal der Lutherkirche, Kurfürstenstraße, über alle Details zur Flüchtlingsunterkunft in der Ermekeilkaserne.

Flüchtlinge in Bonn

Neben der zentralen Unterkunft in Muffendorf im ehemaligen Landesvermessungsamt, die die für die Flüchtlinge in NRW zuständige Bezirksregierung Arnsberg eingerichtet hat, ist die Ermekeilkaserne nun die zweite zentrale Notunterkunft des Landes in Bonn. In beiden Häusern sollen insgesamt bis zu 600 Menschen vorübergehend wohnen.

Die Stadt Bonn ist nach Angaben von Vize-Sprecher Marc Hoffmann derzeit zuständig für 1150 Flüchtlinge. Sie sind in vier Gemeinschaftsunterkünften sowie in Wohnungen und auch Hotels untergebracht. In wenigen Tagen sollen 70 Menschen in Lengsdorf ein Gemeinschaftsquartier beziehen. Zudem wird die Pestallozischule in der Innenstadt als Notunterkunft hergerichtet.