Fimpschig: Zart und anfällig für Krankheiten

Fimpschig gilt den Lesern und Leserinnen sehr zurecht als besonders typisch. Das Wort kennt man nur im zentralen Rheinland, und es ist so "nützlich", dass es selbst Zugezogene nach kurzer Zeit ganz selbstverständlich benutzen.

Denn fimpschig ist so etwas wie eine sprachliche Allzweckwaffe, für die es im Hochdeutschen keine echte Entsprechung gibt, ja man muss glatt fragen, wie man ohne das Wort fimpschig im Alltag überhaupt auskommen kann.

Alles mögliche kann fimpschig sein - und genau das ist ein Verständnisproblem für Nichtrheinländer: Obst kann fimpschig sein, dann ist es leicht angefault, aber noch nicht ganz hinüber; eine fimpschige Wurst riecht bereits angegammelt, ist aber mit viel Überwindung noch essbar; ein fimpschiges Blatt bedeutet schlechte Karten beim Skat, und wenn ein Kleid "wat fimpschig is", dann ist es abgetragen oder schon durchscheinend.

Auch Menschen können fimpschig sein, ein Kleinkind ist dann sehr zart und anfällig für Krankheiten; als Erwachsene sind seltsamerweise nur Männer fimpschig, weil sie hypochondrisch veranlagt oder sonstwie ängstlich sind ("ne fimpschige Kerl"). Das entsprechende Substantiv hört man seltener: "Sonen Fimpsch kauf ich nie wieder" (minderwertiges Zeug).

Man sieht, fimpschig ist als rheinisches Universalwort im Alltag tatsächlich unersetzlich. Es ist auch genau hier im zentralen Rheinland entstanden, zugrunde liegt das heute kaum noch gebräuchliche Verb fimpen, das "übel, faulig riechen" bedeutet und auf das heute gänzlich verschwundenes Verb fimsen/fimmschen zurückgeht, das "sausen", aber auch "einen üblen Geruch entstehen lassen" meint. Rheinischer geht eigentlich nicht.

Info

In der Serie "Sprechen Sie Rheinisch?!" erläutern Sprachwissenschaftler des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte drei Mal wöchentlich die Herkunft und Bedeutung interessanter rheinischer Begriffe. Haben auch Sie ein Lieblingswort, dann mailen Sie uns an rheinisch@ga-bonn.de