"Grünes C" in Bonn

Für Jäger? Der Hochstand von Lessenich

Am Dompfaffenweg in Lessenich: Von hier aus soll kein Wild gejagt werden: Das vier Meter hohe Stahlelement gehört zur Ausstattung des "Grünen C". Es kostete 9600 Euro.

LESSENICH. Baumtore, okay. Blühfelder, na gut. Wegweiserplatten, na ja. Beton-Ungetüme, eher nicht. Das Projekt "Grünes C" und vor allem die Kosten dafür stoßen bei vielen Spaziergängern im Meßdorfer Feld auf Kritik. Doch es gibt ein Element, auf das man dort sogar verzichtet hat - einen Hochsitz oder Aussichtsturm.

Dieser steht nur 1,5 Kilometer entfernt vom Zentrum des Meßdorfer Feldes, gehört aber gleichwohl zu dem Projekt "Grünes C" der Regionale 2010: Der Turm aus pulverbeschichtetem Stahl, angestrichen mit einer Anti-Graffiti-Lackierung, ist vor einigen Wochen am Ende des Dompfaffenweges in Lessenich aufgebaut worden. Von hier aus genießt der Wanderer einen guten Blick über die Felder auf die Vorgebirgshänge von Alfter.

Aber was soll hier ein Hochsitz? Wurde das Areal als Jagdrevier verpachtet? Die Infotafel, die an dem markanten Beton-Element "Auffaltung" ein Stück weiter steht, schafft auch keine Erklärung, warum der Turm hier aufgebaut wurde.

Dafür aber kann die Stadt Bonn weiterhelfen. Nein, es handelt sich um eine Aussichtsplattform, womit den Bürgern nach den Worten des beauftragten Grünen-C-Planers Norbert Kloeters aus Aachen einmal ein anderer Blickwinkel "von oben" auf die Landschaft ermöglicht werden soll.

Doch die Chancen, dass die Spaziergänger das Stahlelement erklimmen und dies tun, dürften zweifelhaft sein. Denn drei Meter über dem Boden hat man von hier aus keinen besseren Überblick als von unten. Und: Der Blick richtet sich vor allem auf Dutzende von Hochspannungsmasten mit den dazu gehörigen Stromleitungen.

Diese "visuellen Brüche" (also die Leitungen), wie Kloeters das nennt, erkennt er natürlich auch. Aber die würden nun einmal notwendig sein für unser komfortables Leben. Und: "Ich bin davon überzeugt, dass die Hochstände im Sommer von den Besuchern angenommen werden, insbesondere die Kinder dürfen nun endlich einmal ein solches 'Ding' hochsteigen", meint Kloeters. Und vielleicht würden es die Erwachsenen auch einmal probieren; die Hochstände seien jedenfalls woanders beliebte Rastpunkte.

Die Kosten dafür betragen "nur" ein Viertel der riesigen Beton-Station für das Meßdorfer Feld (34 000 Euro). Laut Stadt kostet der Hochstand 9614,90 Euro, inklusive Fundament, Untergrund, Fallschutz und Erdarbeiten. Die reine Stahlkonstruktion schlug dabei mit 3600 Euro zu Buche.

Ob das "Grüne C" nun eine Erfolgsgeschichte ist oder eine Ansammlung von Pleiten, Pech und Pannen, muss jeder Betrachter selbst entscheiden. Aber auch die Stadt war nicht immer zufrieden. Zum Beispiel an der Mondorfer Fähre, wo man Baumängel beklagte. Dort wurde das dreistufige Terrassen-Bauwerk am Fähranleger mit einer Betonschicht ausgestattet, die in dieser Qualität nicht bestellt war. Da musste die Firma noch einmal ran und den falschen Beton wegklopfen. Außerdem war ein Beet so ungünstig angelegt worden, dass die Traktoren der Landwirte nicht mehr um die Kurven kamen.

Und es kam von Anfang an zu Vandalismus. Tafeln wurden zerstört, obwohl sie in besonders stabiler Ausführung bestellt worden waren. An den Toren im Meßdorfer Feld wurden Kronen aus jungen Bäumen gerissen und Bänke zerstört, in Auerberg die Rücken- und Armlehnen aus der Verankerung gerissen, in Graurheindorf eine neu errichtete Bank gestohlen. Auch Baumschutzmatten und Baumverankerungen wurden dort entwendet und zum Feuer machen am Rheinufer genutzt.

Weg zur Verwirklichung dauerte zehn Jahre: Politiker kannten die Beton-Elemente

Das "Grüne C" ist kein Projekt, das plötzlich vom Himmel geflogen kam. Seit dem Jahr 2003 wird es in Bonn fachlich und politisch diskutiert, ab 2005 wurde es konkreter. Mit mehr als 126 öffentlichen Vorgängen haben sich die Bonner Ratsgremien seither damit befasst, hinzu kamen etliche Auftragsvergaben hinter verschlossenen Türen, teilte das städtische Presseamt auf GA-Nachfrage mit.

Das jetzt sichtbare Konzept wurde 2006 im Bonner Umweltausschuss einstimmig genehmigt, dabei wurden auch die heute kritisierten Betonelemente mit Fotos in den Sitzungen vorgestellt. Ganz konkrete Beschlüsse, zum Beispiel zu den Landschaftstoren, wurden ab 2009 gefasst, zusätzlich gab es Flyer, Projekttage und Einladungen für die Öffentlichkeit, um aktiv mitzudiskutieren.

Die nächste Gelegenheit dazu besteht am 9. Mai, wenn die Volkshochschule eine Radtour durch das "Grüne C" anbietet. Außerdem ist in Kürze Baubeginn für die Projektbausteine im "Rosenfeld" in Buschdorf , zusätzlich ist eine Baustellenführung in Vorbereitung.

Im O-Ton: "Partien eines Horstes"

Auf der Infotafel des "Grünen C" am Dompfaffenweg ist unter anderem folgender Text zu lesen: "Was könnte die Partnerschaft von Bonn und Alfter im Grünen C eindrucksvoller unterstreichen als der schöne Blick vom Bonner Standort Lessenich auf die Alfterer Gartenlandschaft? Die Bundesstadt liegt hier fast schon im Rücken des Betrachters, der den westlichen Höhenzug vor Augen hat. Zwischen Vorgebirge und Hardtberg hat der Hardtbach einen markanten Einschnitt geschaffen. Eigentlich gehören die zwei Erhebungen zusammen. Beide sind Partien eines Horstes, der stehenblieb, als sich die Köln-Bonner-Bucht absenkte."