Fünf Türme überragen die neue T-Mobile-Stadt in Beuel

Das letzte Dach wurde erst am Dienstag fertig - Der Neubau mit Forum, Casino und Bürowelten braucht keine Heizung - Insgesamt 5 000 Mitarbeiter

Bonn-Beuel. Eine Stadt mit fünf Türmen: Wer sich ihr über die Südbrücke mit dem Auto nähert, sieht nur ihre Spitzen. Und wer sich in die höchsten Etagen der T-Mobile begibt, genießt den Blick auf Post-Tower, Stadthaus oder Bonner Münster. Als solche prägnanten Landmarken wollen die Macher des Baus des Mobilfunkriesen ihre Türme verstanden wissen, weniger als die elitären Büros der Chefetagen.

"Wir haben eine Punktlandung hingelegt", sagt Bauherr Carl Richard Montag, Regisseur und Kapitän der Baustelle am Landgrabenweg. Sie gilt derzeit als die größte Deutschlands. Die letzten Kubikmeter Zement kamen noch am Dienstag auf das Dach des Zentralgebäudes, Forum genannt. Und darin feierten 900 Gäste am Donnerstag Richtfest - ein Feiertag für Montag.

Die Zeiten, in denen täglich 100 Lastwagen die 350 000 Kubikmeter Aushub fortschafften, sind vorbei. Die Firma Strabag hat ihr Versprechen gehalten, den viergeschossigen Rohbau bis diesen September fertigzustellen. Statt eines Generalunternehmers sorgen viele mittelständische Unternehmen nun dafür, dass der technische Ausbau bis zum geplanten Einzug von T-Mobile Deutschland und International im Oktober 2003 über die Bühne geht. Dabei ist das Kühlen die große Herausforderung: "Eine Heizung braucht man nicht", versichert Architekt Peter Schmitz.

Der Neubau für 2 900 Mitarbeiter mit seinen 98 000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche sei hochgradig gedämmt: "Abwärme entsteht durch Beleuchtung, Rechner und die Menschen." Heizkörper werden zwar aufgestellt, werden aber maximal 14 Tage im Jahr benötigt. Dazu kommen in die Decken einbetonierte Wasserrohre. So werden die mit Licht durchfluteten Räume von oben gekühlt, und zwar über Strahlung und nicht - wie bei einer Klimaanlage - mit kalter, eine Erkältung bescherender Luft. Der Fachmann nennt das Betonkernaktivierung.

Montag wird den Bau, wie schon den Nachbarn T-Mobile I, später an den Konzern vermieten. Der leidenschaftliche Investor entfaltet auch mit 72 Jahren noch eine unglaubliche Energie. Ohne Pause arbeitet er auf sein Ziel hin und "schweißt das Team zusammen", sagt Schmitz über den Chef. Allein die Zahl von 100 Architekten und Ingenieuren zeigt, wieviel Logistik hinter dem Projekt steckt. "So etwas wird normalerweise nicht von Einzelkämpfern, wie ich es bin, erstellt", meint Montag. Schmitz: "Wir bauen mit einfachen Mitteln eine hohe Qualität für die T-Mobile-Mitarbeiter." Prompt reagiert Montag: "Das gefällt mir gut. Den Slogan will ich aufgreifen." Dabei glitzert es in den freundlichen Augen des Schnäuzerträgers, dem Anspruch, Kreativität und Mut wichtig sind: "Wir haben uns hier alle verpflichtet, Chancen zu nutzen und entsprechend die Risiken zu tragen. Die Mitarbeiter sollen sich später wohlfühlen."

Schon jetzt sind die drei zentralen Punkte des Baus - Forum, Casino, Bürowelt - gut zu erkennen. Über den später neugestalteten Platz am Landgrabenweg betreten Mitarbeiter und Gäste an der Ecke das Forum durch Drehtüren. Schnell fällt der Blick auf den größten Raum: "Die Forumshalle steht in ihrer Dimension der Beethovenhalle in nichts nach", sagt Schmitz. 1 500 Menschen passen dort hinein. "Das ist die Bühne, die Visitenkarte des Unternehmens." Der Raum soll auch gemietet werden können. Im Raum dahinter, dem Net Supervision Center, geht es demnächst wie im Science-Fiction-Film zu: Auf einer großen Monitorwand ist das gesamte europäische Mobilfunknetz abgebildet. Das dient nicht nur als optischer Anreiz für Gäste; von dort sollen auch Steuerungen erfolgen.

Im ersten Block zum Schießbergweg hin sollen alle 5 000 Mitarbeiter aus beiden Gebäuden essen können, "nichts Abgestandenes, auf Vorrat Gekochtes", sagt Montag.

Auf 5 000 Quadratmetern kommt in drei Schichten Frische auf den Tisch. Das Casino (laut Prospekt "die neue Ess-Klasse") hat 1 000 Sitzplätze. In der Decke befinden sich drei große kreisrunde Löcher, die den Blick zur Cafeteria freigeben.

Das ambitionierteste Projekt ist die Erschaffung von Bürowelten, die künftig 40 Prozent der Zentrale ausmachen sollen. Einen funktionsfähigen Prototypen mit Meeting Point (eine Art moderne Teeküche), Lounge und Besprechungsecken hat Innenarchitektin Sabine Keggenhoff und ihr Team bereits im Rohbau erstellt. "Durchblick als Einblick" lautet dabei ihre Devise. Sie arbeitet mit transluzenten (durchscheinenden) Lichtmöbeln. Das neue Arbeitskonzept soll Teamarbeit und Kommunikation ermöglichen, eine besondere Atmosphäre bieten. Deshalb hören die Macher auch nicht gerne den eher negativ belasteten Begriff Großraumbüro.

T-Mobile wird im nächsten Jahr alle zehn gemieteten Außenhäuser schließen. Sie befinden sich etwa an der Bornheimer, Königswinterer, Lochner-, Rabin-, Rochus- und Oberkasseler Straße, an der Kennedyallee und Ludwig-Erhard-Straße. "Es gibt künftig kürzere Wege, das ist effizienter", so Konzernsprecherin Andrea Vey.

Auch der ebenfalls gemietete Übergangsbau an der Karl-Duwe-Straße (Zementfabrik) wird geräumt, wobei Vey nicht sagen kann, was mit dem Bau geschieht. Somit arbeiten künftig alle 5 000 Mitarbeiter von T-Mobile, die es seit 1993 gibt, quasi unter einem Dach. Ihnen stehen am Landgrabenweg 3 000 Tiefgaragenplätze zur Verfügung.

Schmitz hatte vor einem Jahr nur das hölzerne Tischmodell der T-Mobile II vor sich, am Landgrabenweg wuchs noch das Gras. Dass er heute durch die Etagen laufen kann, bezeichnet er als "kleines Wunder; das ist ein schönes Gefühl". Montag wird auch in den nächsten Monaten täglich 16 Stunden auf seiner Baustelle verbringen. Kein Wunder, dass er beim Richtfest seiner Frau Hella dankt. Sie hat nun schon seit drei Jahren die Bauleidenschaft ihres Mannes mitgetragen.

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