Erzieherin Simone Schmitz: "Die Ausbildung muss erweitert werden"

Die 26-Jährige ist eine der jüngsten Kita-Leiterinnen im Kreis

Sankt Augustin. Seit August leitet Simone Schmitz die Kindertagesstätte Schatzinsel in Niederpleis, deren Träger die Elterninitiative "Tageseinrichtung für altersgemischte Kindergruppen in Sankt Augustin" ist. Mit ihren 26 Jahren ist Simone Schmitz laut Landschaftsverband Rheinland die jüngste Kita-Leiterin in Sankt Augustin und "sehr wahrscheinlich auch im Rhein-Sieg-Kreis". Mit ihr sprach Antje Hesse.

General-Anzeiger: Wie kommt es, dass Sie mit 26 Jahren schon Kita-Leiterin sind?

Simone Schmitz: Das ging eigentlich von unserem Team aus, weil unsere vorherige Leiterin sich beruflich umorientieren wollte und wir kurzfristig ohne Leitung waren. Da hieß es: Hast Du nicht Lust, das kommissarisch zu machen? So habe ich die kommissarische Leitung übernommen.

GA: Also nur Zufall?

Schmitz: Nein, dass ich in die Richtung möchte, wusste ich schon nach meiner Ausbildung. Ich möchte den Alltag einer Kita selbstständig gestalten. Es ging mir bei meiner Arbeit früher oft so, dass ich dachte: Das würdest du anders machen. Ich habe viele Fortbildungen besucht, um Leiterin werden zu können. Aber dass es klappt, hatte ich mir erst in ein paar Jahren erhofft. In dem Bewerbungsverfahren gab es sehr qualifizierte Konkurrentinnen, auch mit Leitungserfahrung.

GA: Und warum haben Sie dann das Rennen gemacht?

Schmitz: Der Träger hatte die Monate davor die Möglichkeit, mich und meine Arbeit genau kennenzulernen. Die Zusammenarbeit mit dem Team hat hervorragend funktioniert und meine Ideen im Alltag und etwa zur Umsetzung der geplanten Einrichtung einer dritten Gruppe haben wohl überzeugt.

GA: Werden Sie denn manchmal wegen Ihres Alters nicht ernst genommen, etwa von Eltern?

Schmitz: Das hat sich gebessert, seitdem ich Leiterin bin. Als Gruppenleiterin ist es schon passiert, dass die Eltern sich lieber an die Leitung gewandt haben als an mich. Aber jetzt merken sie: Aha, da scheint mehr dahinter zu stecken. Und Respekt hat ja grundsätzlich nichts mit dem Alter zu tun, sondern mit Kompetenz und Vertrauen.

GA: Was sagen Sie zum monatelangen Tarifkonflikt der Erzieher? Haben Sie auch gestreikt?

Schmitz: Wir haben den Streik beobachtet, aber selber nicht gestreikt. Wir sind davon nicht betroffen, weil wir keine kommunale Einrichtung sind. Die Kita war daher auch ganz normal geöffnet.

GA: Und wie steht's um den Gesundheitsschutz, den die Streikenden verbessert sehen wollten?

Schmitz: Auch das ist hier eigentlich kein Thema. Wir bekommen zum Beispiel Impfungen bezahlt und haben geeignete Stühle für die Erzieher, damit wir nicht auf den Kinderstühlen sitzen müssen. Da wir außerdem Betriebskindergarten der DGUV (Deutsche Gesetzlichen Unfallversicherung) sind, ist bei uns der Arbeits- und Gesundheitsschutz sehr gut.

GA: Und Ihre Meinung zum Kinderbildungsgesetz (KiBiz)?

Schmitz: Das KiBiz bietet Chancen, birgt aber auch Risiken. In der Schatzinsel wurden viele Aspekte, besonders, was den Bildungsauftrag betrifft, schon lange umgesetzt. Wir haben durch unsere Altersstruktur der Kinder und das engagierte Team, glaube ich, nicht so große Probleme wie andere konventionell arbeitende Einrichtungen. Eine besondere Herausforderung ist für unsere Elterninitiative aber natürlich immer die finanzielle Seite.

GA: Was ist denn für Sie zum Beispiel eine Chance?

Schmitz: Der Bildungsansatz grundsätzlich ist ein Vorteil, aber es wird immer mehr verlangt und die Frage bleibt, wie sich das umsetzen und im Alltag verknüpfen lässt, ohne in der Kita einen festen Stundenplan einzuführen.

GA: Was halten Sie von Forderungen, Erzieher sollten studieren?

Schmitz: Ich denke, dass die Erzieherausbildung erweitert werden muss. Ich habe in meiner Ausbildung Schwerpunkte vermisst - egal, ob im pädagogischen Bereich oder Elternarbeit und Teamführung. Im Alltag werden immer mehr Erwartungen an die Erzieher gestellt und sie sind angewiesen auf den Erfahrungsschatz älterer Kollegen. Viele investieren viel Zeit und Geld in Fortbildungen und Fachliteratur. Gerade was die Sprachförderung angeht, muss die Ausbildung ausgereifter werden.

GA: Also sollte künftig ein Studium erforderlich sein?

Schmitz: Ich tendiere schon dazu, weil die Frage ist, ob sich das alles in eine Ausbildung integrieren ließe. Dadurch wäre das Abitur Voraussetzung. Dabei gibt es gute Pädagogen, die kein Abi haben. Und wenn ein Studium verlangt wird, müsste sich auch auf der finanziellen Seite für die Erzieher etwas tun.

Zur Person:

Simone Schmitz hat 2004 ihre Ausbildung zur Erzieherin beendet, während der sie auch ihr Fachabitur ablegte. Im Januar hat sie als Gruppenleiterin in der Kita Schatzinsel ihre Arbeit aufgenommen, zuvor hat sie in einem Kindergarten in Hennef gearbeitet. Seit 1. August leitet Schmitz die Kita-Schatzinsel. Die 26-Jährige wohnt in Hennef.