Ernst Balzat pfuscht Dieben ins Handwerk

<b>Ernst Balzat</b> mit Plänen seiner neuesten Erfindung. Der Prototyp ist noch nicht hergestellt.

<b>Ernst Balzat</b> mit Plänen seiner neuesten Erfindung. Der Prototyp ist noch nicht hergestellt.

Der Tüftler aus Bad Neuenahr erfindet den Blockade-Reißverschluss für Handtaschen

Bad Neuenahr. Der Schreck war groß und der anschließende Ärger auch, als Ernst Balzats Lebensgefährtin Anneliese Westerling im Sommer 2008 auf Mallorca das Opfer von Taschendieben wurde.

Einen Moment nicht aufgepasst, und schon war das Portemonnaie samt Ausweis und Urlaubskasse weg, und wochenlange Behördengänge und Telefonate waren vorprogrammiert.

Auch im Advent haben sie wieder Hochkonjunktur: Diebe, die auf dicht bevölkerten Weihnachtsmärkten mit flinken Fingern in die Handtaschen der Damen langen und ihnen die Wertsachen entwenden. Aber bald gibt es vielleicht Abhilfe auch für die, die bisher am Glühweinstand immer eine Hand am Getränk und die andere stets vorsorglich an ihrer Handtasche hatten. Denn der Vorfall auf Mallorca hat den Tüftler in Ernst Balzat geweckt.

Kurzerhand erdachte der pensionierte Diplom-Ingenieur und passionierte Erfinder "die Tasche, die beim Tragen nicht zu öffnen ist", auch damit Frauen entspannter Bummeln und Busfahren können. Des Rätsels Lösung ist ein Patentreißverschluss mit einem speziellen Mechanismus, den Balzat Blockade-Reißverschluss nennt. "Damit macht nur die Besitzerin die Tasche auf, und kein anderer", erklärt er.

Der Trick liegt im Zusammenspiel von Schieber und speziellem Endstück des Taschenreißverschlusses. "Denn der Schieber ist mit einer vorstehenden Zunge ausgerüstet, die als Fangelement in die Führungsnut des Endstücks eindringt und einrastet. Um die Verriegelung wieder zu lösen, muss man mit einen speziellen Stift, der als Anhänger an der Tasche angebracht ist, oder einem anderen spitzen Gegenstand ein zwei bis drei Millimeter großes respektive kleines Loch im Endstück treffen und das Löseorgan niederdrücken", erklärt der Bad Neuenahrer.

Das Öffnen der mit dem Reißverschluss verschlossenen Tasche sei also nur möglich, wenn das Löseorgan genau getroffen und gleichzeitig der Schieber aufgezogen werde. Dazu brauche man zwei Hände sowie einen Stift und die Tasche müsse sich in einer ruhenden Stellung befinden. "Damit ist sie von Unbefugten nicht unbemerkt zu öffnen", ist sich Balzat sicher.

Einen Prototyp gibt es noch nicht, aber mit einem großen Reißverschlusshersteller steht der Bad Neuenahrer schon in Kontakt, und auch an Taschenhersteller will er sich wenden, unter anderem auf einer internationalen Lederwarenmesse, "denn die Hersteller bestimmen, wie ihre Taschen aussehen". Deshalb stapeln sich in den Ordnern in Balzats Wohnung derzeit neben Skizzen, detaillierten Zeichnungen und eigens angefertigten Broschüren, mit denen er für seine Erfindung wirbt, auch Prospekte für Damenhandtaschen.

"Ich wusste bislang gar nicht, wie viele Arten von Taschen und wie viele Hersteller es gibt", merkt er dazu an. Seine Erfindung bezeichnet der Bad Neuenahrer gerne als "historisches Ereignis", und er hofft, dass sie Geschichte machen wird. Schließlich handele es sich um eine Marktlücke, und jede Tasche sei damit ausstattbar und nachrüstbar.

Er hat sich zudem eine besondere Aktion ausgedacht, um seine Erfindung anzupreisen und um möglichen unautorisiertenn Nachahmern auf die Spur zu kommen: Die ersten 20 Käuferinnen einer Umhängetasche mit "seinem" Blockade-Reißverschluss, erhalten nach Zusendung der Herstelleradresse und einer Kopie der Taschenrechnung Kostenersatz und eine Urkunde.

Balzat selbst hat schon eine Urkunde vom Deutschen Patent- und Markenamt in München vorliegen, die ihm den Gebrauchsmusterschutz an seinem Blockade-Reißverschluss zusichert. Außerdem hat er diesen bereits für das Patent im In- und Ausland angemeldet.

Dabei kennt er sich aus, denn "an die 15 Patente" hält er schon.

Sie betreffen einen "Geldtelematen", der die Tastatur am Bankautomaten ersetzt und Missbrauch vermeiden soll, ebenso wie seine Alternative zur ec-Karte, die "Scard Card", bei der die PIN vor der Geldabhebung an beliebiger, unbeobachteter Stelle in eine spezielle Tastatur auf der Karte eingegeben wird und nicht am manipulierbaren Automaten.

Weitere Patente beziehen sich auf bestimmte Nutenziehtechniken, denn Ernst Balzat hat sich als ehemaliger Geschäftsführer der Balzat Werkzeugmaschinenfabrik in Kerpen 30 Jahre lang mit Metallverarbeitung beschäftigt. Der Erfinder stammt aus Frechen und lebt seit seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2006 an der Ahr. Dort wird er bestimmt auch weiterhin seinen Erfindungsreichtum entfalten, denn er gibt zu: "Mein Tüftlergeist lässt mich nicht in Ruhe."