Erneute Verzögerung beim Bonner Kongresszentrum

Investoren benötigen mehr Zeit, um ihre Angebote zu erstellen - "Kaum kalkulierbare Risiken" - Hübner: Spätestens Ende 2003 soll das Auswahlverfahren abgeschlossen werden

Bonn. Es ist das Zukunftsprojekt der Bundesstadt schlechthin - das Internationale Kongresszentrum Bundeshaus Bonn (IKBB). Doch so recht kommt es nicht voran. Konnten die Unstimmigkeiten zwischen Bund, Land NRW und Stadt wegen der Trägerschaft und Finanzierung erst Anfang diesen Jahres beseitigt werden, hakt es jetzt bei der zweiten entscheidenden Frage: Wer soll das Projekt bauen und betreiben?

Noch vor zwei Monaten sagte Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann dem GA, sie sei "sehr optimistisch; bis Anfang nächsten Jahres wollen wir eine Entscheidung treffen". Vor wenigen Tagen teilte Stadtdirektor Arno Hübner den Ratsfraktionen jedoch mit: "Die Verwaltung strebt an, bis spätestens Ende 2003 das Auswahlverfahren abzuschließen." In einem dem GA vorliegenden Bericht "Beschreibung des Vergabeverfahrens" vom Januar 2001 heißt es noch: "Mit dem Bewerber, der insgesamt das annehmbarste Angebot vorgelegt hat, wird ein Vertrag geschlossen. Ziel ist es, die Beauftragung im dritten Quartal 2001 abzuschließen. Terminziel ist, das Architektenwettbewerbsverfahren bis zum Frühjahr 2002 abzuschließen."

Wie auch immer: Vor knapp vier Monaten forderte die Stadtverwaltung die sieben Unternehmen/Konsortien, die ein konkretes Interesse an Bau und Betrieb des IKBB bekundet hatten, auf, bis zum 28. September ein detailliertes Angebot abzugeben. "Von verschiedenen Bietern ist zwischenzeitlich der Wunsch geäußert worden, den Zeitraum für die Erstellung des Angebotes zu verlängern", teilte Hübner mit. In Abstimmung mit Bund, Land NRW und der Beraterfirma Plaut habe die Verwaltung diesem Wunsch entsprochen und die Frist bis zum 10. Januar 2003 verlängert.

Nach GA-Informationen ist die derzeit angespannte Wirtschafts- und Finanzsituation die Hauptursache für ein zögerliches Verhalten der Bieter. "Wir müssen mehr denn je scharf rechnen, um kein gar zu großes Risiko einzugehen", heißt es in Interessenten-Kreisen. Dort weist man darauf hin, dass das IKBB einerseits ein "äußerst spannendes Projekt" sei - nicht zuletzt wegen der Einbeziehung des ehemaligen Plenarsaals -, andererseits der Betrieb "kaum kalkulierbare Risiken" in sich berge, zumal der UN für deren Kongresse Vorrang eingeräumt werden müsse und somit langfristige Buchungen für andere Großveranstaltungen schwierig seien. Hinzu komme die "Erwartung" der Stadt Bonn, keinen zu großen Zuschuss für den Betrieb des Kongresszentrums zahlen zu müssen.

Über die Höhe dieses Zuschusses schweigt sich die Stadtverwaltung aus; sie will zunächst abwarten, welche architektonischen und finanziellen Vorstellungen ihnen die sieben Unternehmen/Konsortien unterbreiten. Bis Ende Januar, so die Vorstellungen der Verwaltung, sollen die Angebote vorgeprüft werden; anschließend findet eine Bewertung durch externe und interne Experten statt. Dabei ist vorgesehen, für die drei Bereiche Architektur/Planung, Betriebswirtschaft und Kongresse/Veranstaltungen Arbeitsgruppen unter Mitwirkung von Sachverständigen sowie Vertretern von Bund, Land und Stadt zu bilden. Ab März beginnen dann die Verhandlungen mit den Bietern. Arno Hübner: "Parallel dazu ist sichergestellt, dass das Hotel Maritim den Interimsbetrieb im IKBB bis Ende 2003 fortführt."

Zur Finanzierung des Kongresszentrums steuert der Bund 73,1 Millionen Euro bei - davon Grundstücke zwischen Görresstraße, Dahlmannstraße und Heussallee im Wert von 51,1 Millionen Euro und 22 Millionen Euro Barleistungen für die Rücklage, aus der die Stadt Bonn Defizite aus Unterhalt und Betrieb des IKBB bezahlen kann. Um das finanzielle Risiko für die Stadt zu minimieren, werden "freie" Ausgleichsgelder zur Verfügung gestellt - plus Geld, das laut Ausgleichsvertrag für andere Projekte vorgesehen war, die aber nicht realisiert werden. Ein konkreter Betrag steht noch nicht fest; im Gespräch ist eine Summe zwischen 20 und 30 Millionen Euro. Das Land NRW beteiligt sich an dem Projekt mit rund 41 Millionen Euro.

Wenn jetzt alles nach Plan läuft, könnte Mitte/Ende 2004 mit dem Bau begonnen werden; die Einweihung fände somit 2006/2007 statt. Dann hätte der Bund seine Zusage gegenüber den Bonner UN-Einrichtungen eingehalten, denen er einen zweiten großen Konferenzsaal (neben dem Plenarsaal) versprochen hatte. Ob dieser Saal in einem "reinen" Konferenzgebäude, einer Multifunktionshalle oder einem Kegel mit zusätzlicher Sport-/Musikarena integriert wird, hängt vornehmlich von der Wirtschaftlichkeit des Projekts ab. Als sicher gilt der Bau eines Hotels sowie einiger Geschäfte auf dem Areal.