Erleichterung bei den Unternehmern

07.02.2012 NÜRBURGRING. Betriebe am Ring hoffen auf Neuanfang.

Die Nürburgring Automotive GmbH (NAG) sprach stets von "Partnerbetrieben", die von den Geschäften rund um die Rennstrecke profitieren könnten. Das taten sie jedoch kaum. "Von 73 Touristik-Partnern waren 2011 lediglich zwölf Betriebe im Vorverkauf aktiv", bemängelte die Automotive. Der magere Gesamtumsatz der Partner durch die Kooperation mit den Ringbetreibern im vorigen Jahr belief sich auf 26.670,95 Euro.

Das Fazit der NAG: "Die Partnerbetriebe nehmen unsere Vorteilsangebote kaum an." Die an der Rennstrecke angesiedelten Unternehmen bewerten das Geschäft anders. Viel zu wenig habe man von Besucherströmen, von Events und von den Rennen profitiert. Das habe aber nicht an den Betrieben, sondern an den Ring-Betreibern gelegen. Der GA hat sich bei Unternehmen am Ring umgehört und Reaktionen auf die Kündigung der Landesregierung eingeholt.

"Es ist ein Schritt in die richtige Richtung", meinte die Besitzerin des nahe der Rennstrecke gelegenen Hotels "Am Tierpark", Ursula Schmitz. Sie gehe davon aus, dass nun "eine andere Stimmung hier am Ring einkehrt". Industrie und Veranstalter würden künftig wieder "mit Freude" an die Rennstrecke und in die Erlebniswelt kommen, glaubt sie.

"Mit den bisherigen Pächtern Jörg Lindner und Kai Richter ist doch keiner klar gekommen", so die Gastronomin, die nach eigenem Bekunden starke Umsatzeinbußen hatte, da die Ring-Betreiber sie bei der Vergabe von Übernachtungen eher außen vor gelassen hätten. Wichtig sei nun, dass die Rennstrecke in Landeshand bleibe. Schmitz: "Bloß kein privater Betreiber mehr!"

Erleichterung auch bei Ossi Kragl. Der Inhaber der OK Speed Marketing, der neben Event-Management auch Renn-Taxis betreibt, sagte am Dienstag: "Ich bin zunächst einmal froh, dass die Landesregierung diese Entscheidung getroffen hat. Es ist schon viel zu viel Zeit vergangen." Für ihn stelle sich nun die Frage, wie es mit seinen zivilrechtlich angestrengten Klagen gegen die Ring-Betreiber weiter gehe.

In Kürze stehe die Gerichtsverhandlung an. Nun sei Kragl der Beklage quasi verloren gegangen. "Wen kann ich für meinen in den vergangenen Monaten entgangenen Gewinn verantwortlich machen?", fragt der Renn-Taxi-Betreiber. Seit Lindner und Richter am Nürburgring das Sagen gehabt hätten, sei sein Umsatz um 80 Prozent zurück gegangen.

Andrea Thelen ist Geschäftsführerin des Hotels "Blaue Ecke" in Adenau und dort auch Vorsitzende des Gewerbevereins. "Es gab keine Vermittlung von Geschäften in die Region", sagte sie. Zwar habe es Dialoge und Kooperationen mit den Ring-Betreibern gegeben, jedoch nicht in einem nennenswerten Umfang.

Nun gelte es abzuwarten, wie es mit dem Ring weitergehe. Schließlich, so die Geschäftsfrau, seien Richter und Lindner nicht außen vor. "Die außerordentliche Kündigung werden die Vertragspartner sicherlich nicht klaglos hinnehmen. Und das dann anstehende Gerichtsverfahren kann viel Zeit in Anspruch nehmen. Ehe es wirklich Klarheit gibt, vergehen noch anderthalb Jahre", mutmaßt Thelen.

Das Landhaus "Sonnenhof" liegt inmitten der Natur etwas ab von der Rennstrecke. "Unsere Stammkunden haben uns nie im Stich gelassen. Sie bilden in erster Linie unsere Geschäftsgrundlage", berichtete Inhaberin Rosemarie Bell. (Victor Francke)