GA-Serie "Rheinische Redensarten"

Enem de Aasch driiße drare

„Jemandem das Hinterteil zur Stoffwechselendproduktion tragen“

„Jemandem das Hinterteil zur Stoffwechselendproduktion tragen“

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir mit Unterstützung von Dialektsachverständigen bedeutungstiefe Redewendungen.

Der Dialekt hat zuweilen den Ruf, auf der Straße geboren und auch dort beheimatet zu sein. Das ist mehr Fluch als Segen. Denn seit einigen Jahrzehnten wird er deshalb als Beispiel einfacher Sprachstruktur (miss)verstanden.  

Das ist einerseits natürlich ungerecht, weil er doch oft eine alltagsphilosophische Ebene besitzt, die komplizierte Inhalte kurz und knapp auf einen Nenner zu bringen vermag. Andererseits rührt das tendenziell negative Urteil daher, dass das Rheinische durchaus einen Hang zu Derbheiten nicht verleugnen kann.  Eine solche Redensart haben wir vor uns in dem Satz: „Enem de Aasch driiße drare.“ Es erfüllt durchaus mit Erleichterung, dass uns der Satz von Mundartsprecher Volker Hoenerbach zugeschickt wurde, der selbst einen Doktortitel führt. Wir dürfen deshalb eine akademische Grundhaltung voraussetzen, die nicht auf die einfache Pointe zielt.  

Auf Hochdeutsch dürfen wir den Satz vornehm übersetzen mit: „Jemandem das Hinterteil zur Stoffwechselendproduktion tragen.“ Und im übergeordneten Sinne ist damit gemeint: Jemandem übermäßig helfen oder jemanden verwöhnen. Damit können wir den Sinn der Redensart dem Erziehungssektor zuordnen. Es war früher verpönt, Kinder übermäßig zu schonen oder von der Realität fernzuhalten. Der Nachwuchs musste früh mithelfen im Haus und auf dem Hof, er musste essen, was auf den Tisch kam, und er hatte zu schweigen, wenn die Erwachsenen das Wort führten.  

Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Das mögen die einen begrüßen und die anderen bedauern. Es dürfte aber dabei bleiben, dass es den Kindern nicht schadet, gefördert und gefordert zu werden. Nur so können sie ein selbstständige Leben lernen. Und da ist auch der selbstbestimmte und geeignete Umgang mit den Stoffwechselendprodukten inbegriffen.

Haben auch Sie einen Lieblingsspruch, dann mailen Sie ihn uns an rheinisch@ga-bonn.de.