Ahrweinkönigin nimmt Abschied

Eine neue Krone für einen Tag

"Das Aufsetzen geht mit den Händen gar nicht", demonstriert Marc Adeneuer bei der Überreichung der filigranen Krone an Ahrweinkönigin Julia Bertram.

DERNAU. Julia Bertram war in ihrem Regentschaftsjahr nicht nur eine herausragende Ahrweinkönigin und souveräne Repräsentantin der Winzerschaft. Sie war auch Glücksfee und Moderatorin, Viel-Fahrerin und Wanderführerin. Allein im General-Anzeiger-Archiv gibt es unter dem Namen der 22-jährigen Weinbau- und Önologiestudentin aus Dernau 189 Einträge.

26.000 Kilometer war sie als Botschafterin in Sachen Ahrwein unterwegs und hat auch, das räumte sie bei ihrer Verabschiedung gestern Abend in der Eventhalle der Dagernova Weinmanufaktur ein, drei Punkte in Flensburg für ihr flottes Auftreten auf Deutschlands Autobahnen kassiert.

Flott, charmant, wortgewandt, authentisch, bodenständig und "immer im Thema drin": Das waren die Attribute der fünf Festredner Marc Adeneuer (Vorsitzender Ahrwein e.V.), Dieter Zimmermann (Kreissparkassenvorstand), Achim Haag (Verbandsgemeindebürgermeister Altenahr) Horst Gies (Kreisbeigeordneter) und Peter Zetzsche (Verkehrsverein Weindorf Dernau) für die scheidende Majestät. Und müssten sie ihr ein Zeugnis ausstellen, erhielt Julia Bertram "eine Eins mit Sternchen". An 116 Tagen absolvierte sie 140 Termine in Deutschland, aber auch in der Ukraine.

Ihr besonderer Dank galt ihren Eltern Andrea und Walter-Josef, aber auch der Haus- und Hoffriseurin, ihrer Schwester Anna, die das lange rot-blonde Haar unzählige Mal gesteckt hatte.

Die königliche Frisur bereitete am Donnerstag lediglich Adeneuer Probleme, dem es mit seinen "ausgeprägten Winzerhänden" nicht gelang, ihr eine neue filigrane Krone auf den Kopf zu setzen. Die Überraschung war gelungen, auch wenn Julia den Schmuck lediglich 24 Stunden tragen kann und ihn dann heute Abend auf dem Markt ihrer Nachfolgerin aufsetzen wird. Was gibt sie ihr mit auf den Weg? "Genieße jeden Augenblick."

Zitate von Oscar Wilde, Aristoteles und Albert Schweizer zogen sich als roter Faden durch ihre Abschiedsrede, an deren Ende sie selbst zu Tränen gerührt war: "Auch wenn die Zukunft ein Geheimnis ist, ist eines sicher: Ich werde für immer mit dem ganzen Herzen meinem Ahrtal verbunden bleiben." Auf besondere Weise kann sie das am 22. September im Vorentscheid in Neustadt an der Weinstraße zur Wahl der Deutschen Weinkönigin unter Beweis stellen.