Eine deutsch-türkische Hochzeit in der Kirche

Denise und Atila Akaya geben sich in Beuel das Ja-Wort vor einem evangelischen Pfarrer und einem muslimischen Imam - "Schwer, beiden Parteien gerecht zu werden"

Beuel. Atila Akaya war spät dran. Es war im Februar 1996, als der Pfleger zum Patienten-Spaziergang in die Rheinischen Kliniken eilte. Akaya griff sich einen ungebügelten Arbeitsanzug aus dem Schrank, was seiner Kollegin, Ergotherapeuthin Denise, sofort auffiel.

"Da fragte sie mich, ob ich keine Freundin zu Hause hätte, die mir die Hose bügelt", erinnert sich Akaya lächelnd. Am Samstagnachmittag war er nicht nur pünktlich, auch der sandfarbene Anzug des 32-Jährigen saß perfekt. Seine Braut Denise Akaya trug ein traumhaftes weißes Kleid.

So schritten die beiden in die Versöhnungskirche, wo eine ganz besondere Trauung stattfand. Eine deutsch-türkische Hochzeit. Zwei Theologen, der evangelische Pfarrer Walter Winheller, und der Imam der islamischen Gemeinde Königswinter, Halil Karacabag, leiteten den Gottesdienst.

"Christen und Muslime wollen heute miteinander feiern", sagte Winheller. "Wir haben einen Gott - den gleichen Gott. Es ist der gleiche Gott, der uns das Leben geschenkt hat und uns Kraft spendet." Bräutigam Atila Akaya musste zwischendurch dolmetschen, um Karacabag den Einsatz zu geben.

Die Feier hatte sowohl christliche wie muslimische Elemente und verlief zügig - die Ringe wurden schon nach 20 Minuten gereicht. Annette Lauckner, eine Großkusine der Braut, sang "Memories" aus dem Musical "Cats" - ein berührender Schlusspunkt. Den evangelischen Pfarrer zu finden, war kein Problem. Vor 16 Jahren erhielt Denise, die lange in Schwarzrheindorf lebte, von Winheller die Konfirmation.

Schwierig gestaltete sich die Suche nach einem Imam, der bereit war in einer christlichen Kirche zu wirken. "Im Islam wird die Hochzeit im Haus der Braut durchgeführt. Die meisten Imams haben sich geweigert", berichtet Atila. "Zwei haben gesagt, da spricht eigentlich nichts dagegen, aber es geht einfach nicht. Und mit einem weiteren Imam hatte ich am Telefon eine heftige Auseinandersetzung - er bezeichnete mich als schlechten Moslem."

Atila Akaya macht keinen Hehl aus den Schwierigkeiten, die eine Liebe zwischen zwei Kulturen mit sich trägt. Seine Eltern kamen 1969 nach Deutschland. "Mir war von Anfang an klar, dass Denise für meine Eltern nicht die Wunsch-Schwiegertochter ist. Normalerweise wechselt in so einem Fall die Braut zum Islam."

Zwei Kulturen brächten "immer Probleme", das finge schon bei Familienfesten wie Weihnachten auf christlicher und dem Opferfest auf muslimischer Seite an. "Die Verständigungsschwierigkeiten sind eigentlich die Hauptsache", findet Denise Akaya. Und ihr Mann fügt halb ernst, halb schmunzelnd hinzu: "Es ist schwer, beiden Parteien gerecht zu werden. Kränke ich meine Eltern oder meine Frau? Meistens entscheide ich mich dazu, selbst der Buhmann zu sein."

Die Akayas wohnen mit ihren Kindern Emilia (5) und Elian (2) in Graurheindorf. Eine tierliebe Familie: Zwei Hunde, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen und Vögel mischen im Haushalt mit. Nach der standesamtlichen Trauung vor sieben Jahren im Alten Rathaus haben sie jetzt auch ihren "kirchlichen Segen" erhalten.

Anschließend wurde im Bootshaus des Oberkasseler Wassersportvereins gefeiert - mit deutschen und türkischen Gästen. Das Buffet bestand aus italienischen und türkischen Speisen - das einzige deutsche Element bildeten Pils und Kölsch. Atila Akaya blickte stolz auf seine hübsche Braut. "Denise ist neugierig, sie stellt mir viele Fragen. Die Grundrisse des Islam kennt sie inzwischen besser als mancher Moslem."