Eine Fraktion namens Köwi

Wählerinitiative möchte den "Wohlfühlkurs" fortsetzen

Königswinter. So richtig zu Hause schien sich das Häuflein derer, die sich am Montag im Cleethorpes-Zimmer im Oberpleiser Rathaus trafen, noch nicht zu fühlen. Kein Wunder. Für die meisten waren die Grünen über viele Jahre ihre politische Heimat. Stattdessen werden sie nun eine Königswinterer Wählerinitiative ("Köwi") ins Leben rufen und statt eines Parteibuchs künftig einen Mitgliedsausweis haben.

Der Schauplatz für die erste Fraktionssitzung der drei ausgetretenen Fraktionsmitglieder unter Mitwirkung einiger Sachkundiger Bürger hatte durchaus symbolischen Charakter.

Während die Fraktionsvorsitzenden Lutz Wagner und Rolf Kohlhausen sowie Jutta Wolter-Sadlers sich erst einen Raum suchen mussten, traf sich die verbliebene Zwei-Mann-Fraktion mit Claudia Owczarczak und Andreas Leif in den Fraktionsräumen in der Altstadt.

"Wir sind hier mit sehr gemischten Gefühlen. Aber wir mussten diesen Schritt machen", versicherte Wagner. Nachdem der Ortsverband zuletzt von 61 auf über 100 Mitglieder angewachsen ist, die zumindest teilweise von Claudia Owczarczak geworben wurden, müsse man schon sehr naiv sein, wenn man dahinter nicht massive Eigeninteressen vermute.

Auf ein "Mitglieder-Wettrüsten", um möglichst viel Wahlvolk hinter sich zu scharen, wolle man sich nicht einlassen. Neun von zehn Sachkundigen Bürgern werden sich laut Wagner der Wählerinitiative anschließen. Welche Rolle diese bis zu den Kommunalwahlen spielen werden, ist noch fraglich. Wagner kündigte ein klärendes Gespräch über diese Frage mit der Rest-Fraktion der Grünen an.

Lutz Wagner möchte auch künftig im Stadtrat Politik machen und den "Wohlfühlkurs", den Owczarczak ihren bisherigen Fraktionskollegen vorgeworfen hat, fortsetzen. "Es ist in dieser Stadt eben so, dass man an der Mehrheitsfraktion nicht vorbeikommt."

Auf diese Weise hätten die Grünen in der jüngeren Vergangenheit immerhin das Bauhof-Gelände als Standort für einen Rathaus-Neubau und die Entlastung der Kindergarten-Elterninitiativen um den vierprozentigen Trägeranteil durchsetzen können. Beim Nationalpark habe die Fraktion das Junktim mit der Südtangente verhindert.

Von einer Niederlage, als die man ihren Rückzug auch sehen könnte, wollen die künftigen "Köwi"-Politiker nichts wissen. . Stattdessen wird man nach der Vereinsgründung demnächst zur Wahl schreiten. "Wir werden keine Schwierigkeit haben, die 20 Wahlkreise mit Direktkandidaten zu besetzen und eine Reserveliste aufzustellen", versicherte Wagner.

Bei den Kommunalwahlen hält er drei bis vier Ratsmandate für realistisch. Bei den letzten Wahlen hatten die Grünen 14,2 Prozent der Wählerstimmen und fünf Mandate geholt.