Eine Anwalt-AG mit eigener Bushaltestelle

<b>Wo früher</b> die Hamburger residierten, arbeiten heute die Foris-Anwälte. Ansonsten gibt es in der Kurt-Schumacher-Straße noch einigen Leerstand.<br>

<b>Wo früher</b> die Hamburger residierten, arbeiten heute die Foris-Anwälte. Ansonsten gibt es in der Kurt-Schumacher-Straße noch einigen Leerstand.<br>

GA Serie: In der ehemaligen Hamburger Landesvertretung in der Bonner Kurt-Schumacher-Straße residiert heute die Foris-Gesellschaft - Italienisches Lebensgefühl im "Forissimo"

Bonn. (ma) "Miet mich" fordern signalrote Transparente an diversen Häusern in der Kurt-Schumacher-Straße auf und machen auf den immer noch erheblichen Leerstand aufmerksam. Zuviel, sagt der Leiter des Bonner Foris-Büros, Rechtsanwalt und Syndikus Gerrit Meincke, da müsse die Stadt mehr tun.

Die Anwalt-AG, eine Gesellschaft zur Finanzierung von Prozesskosten, hatte schon im Sommer 2000 eine der schönsten Villen in der Kurt-Schumacher-Straße, die ehemalige Hamburger Landesvertretung, von den Hanseaten erworben. Ein Schmuckstück, dessen gepflegter Park mit altem Baumbestand jahrzehntelang auch die Gäste der Hamburg-Vertretung zu schätzen wussten, nicht nur zum traditionellen Hummelfest.

Auf einen Garten müssen die Hamburger, die nun in einem neobarocken Altbau im Asphaltdschungel von Berlin-Mitte residieren, verzichten. "Das ist der gravierendste Unterschied," sagt Burkhard Muschner, dienstältester Pressesprecher der Hamburger in Bonn und Berlin, und erinnert sich "mit Wehmut" an die lauen Sommerabende auf der Terrasse des Bonner Hauses oder unter der Kastanie im Park.

Er vermisst die Ampel Heussallee/Kurt-Schumacher-Straße, an der man sich regelmäßig zu einem Plausch mit Sprecher-Kollegen und Journalisten traf ebenso wie den Spaziergang von der Bundesratskantine am Rhein entlang ins Büro. "Es beruhigt, wenn man Wasser sieht", sagt Muschner.

In Berlin ist alles anders. "Die Veranstaltungspalette ist hier dichter und zielorientierter", sagt Muschner. Weniger Kultur, mehr Wirtschaft. Und mehr Hamburger. Denn Berlin ist näher. In Bonn wusste man, was ein erfolgreicher Tag war: Wenn er abends mit den Gästen noch in den hauseigenen Bierkeller ging, um einen gepflegten Absacker zu trinken und zu klönschnacken, wie der Hamburger sagt.

Da kam selbst Helmut Schmidt gern mal vorbei, (für den im neuen Berliner Haus eigens ein Helmut-Schmidt-Zimmer für mögliche Übernachtungen des früheren Bundeskanzlers eingerichtet wurde.) Auch Ex-Verteidigungsminister und CDU-Politiker Volker Rühe war in der Bonner Vertretung ein gern und oft gesehener Gast. Und Muschner immer derjenige, der das Licht ausmachte.

Im ehemaligen Bierkeller gibt es heute gehobene italienische Küche. Im Restaurant "Forissimo" mit seiner Chefin Dea Robichon ist nun eine ganz andere Klientel anzutreffen. Männer in dunklen Anzügen anstelle trinkfester Journalisten. Und bei sommerlichen Temperaturen sind Antipasti im Park von besonderem Reiz. Italienisches Lebensgefühl im Schatten von Deutscher Welle und Post-Tower. Im Beamtendeutsch heißt das Umstrukturierung.

Die Foris AG mit ihren zur Zeit 20 Mitarbeitern gehört zu den prosperierenden Unternehmen im ehemaligen Regierungsviertel. Neben dem zweistelligen Millionenbetrag für den Kauf der Villa investierte Foris noch eine weitere Million Mark in den Ausbau des Daches. Jetzt würde die Anwalt-AG gern noch ein kleineres Bürohaus zur ehemaligen Schleswig-Holstein-Vertretung hin errichten, aber die Stadt mache sich "sehr lange Gedanken" über die Bauvoranfrage, wie es Meincke ausdrückt. Der hintere Teil des Parks sei bereits an einen Investor verkauft, der dort ein Bürohaus und vielleicht eine Art Boarding-House errichten wolle.

"Wir fühlen uns hier ausgesprochen wohl", sagt Meincke, der damals auch den Anstoß dafür gab, die Bushaltestelle vor der Haustür nach der Foris AG zu benennen, was mit einer jährlichen Pacht an die Stadtwerke abgegolten wird. Mittlerweile sei die Villa auch für modernste Ansprüche verkabelt, obgleich die Hamburger den Foris-Leuten das Haus als bereits verkabelt verkauft hatten. "Aber das hieß nur, dass in jedem Raum ein Fernseher mit Kabelanschluss stand", erinnert sich Meincke.

Die Hamburger in Bonn sind Geschichte. Die Mischung aus sprödem hanseatischen Charme und rheinischer Fröhlichkeit hat über Jahrzehnte hinweg auch politisch Denkanstöße gegeben. Mit ihrer parteipolitisch kunterbunten Reihe an Bevollmächtigten, die Hamburg nicht nur politisch vertraten, sondern auch die Gastfreundschaft pflegten, waren sie viel mehr als die Hamburger in Bonn. Und wenn in der Vorweihnachtszeit der riesige Tuja-Baum vor dem Haus im Licht von abertausenden gesponserten Glühbirnen erstrahlte, beobachtete Munschner immer wieder Menschen, die sich hinstellten und Weihnachtslieder sangen. Das gibt`s in Berlin auch nicht.

Als nächstes erinnern wir an die Saarland-Vertretung in der Kurt-Schumacher-Straße und was aus ihr geworden ist.