Ein Dornröschen wird wachgeküsst

Der neue alte Bonner Presseclub wurde mit vielen prominenten Gästen wiedereröffnet - dank der Unterstützung der Bundesregierung, der Hartnäckigkeit der Oberbürgermeisterin und dem Engagement vieler

Bonn. Wer auch nur einen Hauch von Zweifel daran gehabt hätte, dass es im Bundesviertel wieder höchst lebendig zugeht, merkte es spätestens bei der Parkplatzsuche. Parkplätze waren am Donnerstag zur Wiedereröffnung des neuen alten Presseclubs in der Heinrich-Brüning-Straße so rar wie in alten Zeiten. Was Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann mit zufriedener Miene quittierte.

Dass das "Dornröschen" Presseclub wieder wachgeküsst wurde, sei vielen zu verdanken, so die OB. In erster Linie der Bundesregierung mit ihrem Bonn-Berlin-Beauftragten Klaus Westkamp. Der Bund hatte die Liegenschaft kostenlos zur Verfügung gestellt und 800 000 Euro aus dem Ausgleichstopf locker gemacht, um den traditionsreichen Club im Herzen des alten Regierungsviertels aufs Feinste zu renovieren.

Im Schatten von Post-Tower, Deutscher Welle und Langem Eugen soll der Presseclub wieder das werden, was er über Jahrzehnte war: Treffpunkt und Nachrichtenbörse für Medienvertreter und verwandte Branchen auf nationaler und internationaler Ebene. Minister, Politiker, Journalisten und Lobbyisten gingen hier über Jahrzehnte ein und aus, in Bonn wurden, wie es der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg ausdrückte, "Maßstäbe für Qualitätsjournalismus gesetzt".

Der Presseclub sei ein Forum, das es in Berlin in dieser Form heute nicht gebe. Steg sagte bei dieser Gelegenheit auch die weitere Unterstützung der Bundesregierung zu, Bonn als Medienstandort weiter zu profilieren.

Am Donnerstag waren sie alle gekommen, die alte Garde, die viele Erinnerungen mit dem Presseclub verbindet, wie etwa Friedrich Nowottny, Fides Krause-Brewer, Eghard Mörbitz, Alois Rummel, Wolfgang Wiedemeyer, die ehemaligen Regierungssprecher Friedhelm Ost und Dieter Vogel. Und die jungen Talente, die hier genauso willkommen sind. Am zweiten Dienstsitz der Bundesregierung gibt es immer noch fast 250 in- und ausländische Journalisten, die hier akkreditiert sind.

Für Werner Hundhausen, Verlagsleiter des General-Anzeigers und Vorsitzender des Vereins Presseclub Bonn, ist es ein "gelebter Wandel ohne Wehmut", der Bonn auch an dieser Stelle auszeichne. Dem finanziellen und ideellen Engagement vieler, darunter Postbank und Telekom, und der Hartnäckigkeit der Oberbürgermeisterin sei die Wiederbelebung dieses Hauses zu verdanken. Für die Atmosphäre und das anspruchsvolle gastronomische Angebot ist nun Pächterin Marion Hauck zuständig.

"Schön ist es geworden, das neue Haus. Sehr schön. Die Räume rund und halbrund, fabelhafter Velourboden, phantasievolle Wandteppiche, über deren Muster und Motive man lange nachsinnen kann, und auch Geschirr, Besteck und Gläser sind vom Feinsten." Das schrieb im August 1977 Ernst Ney in der WAZ über den damals neuen Presseclub, am Donnerstag zitiert von der OB aus Heinz Murmanns Geschichte des Deutschen Presseclubs von 1952 bis heute. Eine zeitlose Einschätzung, wie sich zeigt. Nur dass heute moderne Beethoven-Variationen die Wände schmücken. Die berühmte Bar, in der einst Karlchen die Cocktails rührte und in der Inspiration gelegentlich auch mit Konspiration einherging, ist auch wieder geöffnet. Für jedermann.

Weitere Informationen unter www.presseclub-bonn.de