Voreifel- und Eifelstrecke

"Eifelpendler" demonstrieren: Trommeln für die Pünktlichkeit

Mit Trommeln und Plakaten macht die Abordnung der "Eifelpendler" ihrem Unmut vor der Geschäftsstelle des Zweckverbands Nahverkehr Rheinland in der Kölner Innenstadt Luft. FOTO: CHRISTOPH MEURER

Mit Trommeln und Plakaten macht die Abordnung der "Eifelpendler" ihrem Unmut vor der Geschäftsstelle des Zweckverbands Nahverkehr Rheinland in der Kölner Innenstadt Luft.

02.10.2015 REGION. Es war nur eine Handvoll Menschen. Aber mit ihren Trommeln und Trillerpfeifen zogen sie am Freitagmittag die Aufmerksamkeit in der Kölner Innenstadt auf sich.

Die kleine Abordnung der "Eifelpendler"-Gruppe war nach Köln gekommen, um gegen die aus ihrer Sicht weiterhin unbefriedigende Situation auf der Voreifelstrecke (S 23) zwischen Euskirchen und Bonn sowie auf der Strecke aus der Eifel über Euskirchen nach Köln zu demonstrieren.

Anlass dafür war eine Einladung der Deutschen Bahn (DB) Regio NRW. Diese hatte gestern die Mitglieder der Verbandsversammlung des Zweckverbands Nahverkehr Rheinland (NVR) zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Der NVR ist für die Planung, Organisation und Finanzierung des Schienennahverkehrs in der Region zuständig - also auch für die Voreifel- und Eifelstrecke, die von der DB Regio NRW bedient werden.

Die Einladung der Bahn an die NVR-Verantwortlichen liegt dem General-Anzeiger vor. Aus dieser geht hervor, dass die DB gestern unter anderem über die Verbesserungen im sogenannten Kölner Dieselnetz sowie an den Zügen, die es befahren, informieren wollte.

"53 Prozent aller Züge verspätet"

Nach Ansicht von Gaby Cremer könne von Verbesserungen keine Rede sein. "Auf der Kölner Strecke sind 53 Prozent aller Züge verspätet", führte sie aus, während sie mit den anderen Demonstranten vor der Geschäftsstelle des NVR in der Kölner Innenstadt auf die NVR-Verantwortlichen wartete.

Cremer gehört zu den Gründungsmitgliedern der "Eifelpendler"-Gruppe. Sie pendelt zwischen ihrem Wohnort in der Eifel und ihrer Arbeitsstätte in Bonn. Wie berichtet, dokumentiert die Gruppe seit Dezember 2014 im sozialen Netzwerk Facebook Verspätungen und Zugausfälle. Auch tauschen sich die Mitglieder über technische Probleme an den Zügen aus, die unter dem Namen "Vareo" auf den Strecken fahren.

Wie Cremer einräumt, habe sich die Situation der S 23 - anders als auf der Eifelstrecke - inzwischen verbessert, dennoch komme es wöchentlich zu Verspätungen von insgesamt rund 240 Minuten. Dazu kritisiert die Gruppe die im Dezember 2014 erfolgte Fahrplanänderung. Von drei Verbindungen abgesehen, habe sich die Fahrzeit zwischen Euskirchen und Bonn um 15 Minuten verlängert. "Das ist quasi eine fahrplanmäßige Verspätung", sagte Hans-Werner Ignatowitz, ebenfalls Mitglied der "Eifelpendler".

Es müsse sich etwas ändern, sagten beide. Die angedachte Elektrifizierung der Voreifelstrecke sei ein Schritt in die richtige Richtung, allerdings eher langfristig. "Wir brauchen kurzfristige Lösungen", so Cremer.

"Die Infrastruktur ist überlastet"

"Ich habe für den Unmut Verständnis", sagte NVR-Geschäftsführer Heiko Sedlaczek, als er sich mit den politischen Mitgliedern der Verbandsversammlung zum DB-Termin zum Hauptbahnhof aufmachte und vor der Geschäftsstelle auf die Demonstranten traf. Zwar könne er die von den Eifelpendlern aufgestellte Verspätungsstatistik nicht vollends nachvollziehen. Ebenso kritisch sehe er aber auch die von der Bahn gelieferten Daten, die weniger Verspätungsminuten ausweisen.

"Die Infrastruktur ist überlastet", befand Sedlaczek. Es müsste ausgebaut werden, dafür seien aber finanzielle Mittel notwendig. Bernd Kolvenbach, CDU-Politiker aus Euskirchen und Vorsitzender der NVR-Verbandsversammlung, ergänzte, er hoffe, dass der NVR mehr Mittel vom Land bekomme.

Er erinnerte daran, dass das Land in den kommenden Jahren mehr Geld vom Bund für den regionalen Schienenverkehr erhalten soll. Dann machten sich die Mitglieder der NVR-Verbandsversammlung und die Demonstranten auf zum Kölner Hauptbahnhof. Hier hatte Cremer Gelegenheit, einem Bahn-Vertreter die von ihr gestaltete Urkunde über die "Goldene Zitrone" für "visionäre Öffentlichkeitsarbeit" zu überreichen. Allerdings unter Ausschluss der Presse. Der Bahnvertreter habe sie als "konstruktive Mahnung" angenommen, war später zu hören.

  (Christoph Meurer)